Von Scrum 1.0 zu Scrum 3.0

Ken Schwaber und Jeff Sutherland haben immer gesagt, es kann kein Scrum 2.0 geben, es gäbe nur Scrum. Und ich habe immer dazu tendiert, dieser Linie zu folgen. Doch so langsam bröckelt meine Haltung in dieser Hinsicht.
Warum? Weil ich mehr und mehr Vorträge, Artikel und Scrum-Implementierungen erlebe, in denen Scrum heute noch so erklärt und gelebt wird, wie ich es selbst 2004, also vor mehr als zehn Jahren, gelebt und vertreten habe. Das war Scrum 1.0, wir wussten es ja nicht besser. Wir probierten aus. Gleichzeitig höre ich auf Konferenzen, dass es mittlerweile in den ersten Scrum-Umfeldern offenbar auch gibt, was ich selbst mit unserem eigenen Entwicklungsteam praktiziere: Die Entwickler arbeiten mit dem PO als Team, das Management ist nicht mehr existent. So gehört auf der SEACON und auf der BWI Fachtagung in Zürich. Das ist Scrum 3.0.
Scrum hat sich weiterentwickelt. Zu einem Management-Framework, zu einer Haltung, zu einem Ansatz, mit dem sich ganze Firmen steuern lassen. Scrum ist der de facto Standard in der agilen Projektmanagement-Landschaft geworden und wir wissen heute, wie man crossfunktionale, multidisziplinäre Teams in der Soft- und Hardwareentwicklung über Kontinente hinweg arbeiten lassen kann. Jetzt gibt es die ersten Firmen, die sogar auf Managementebene leben, was wir vor 15 Jahren auf der Teamebene begonnen haben und die langsam aber sicher das mittlere Management ausdünnen. Steve Denning hat Scrum in den USA als neuen Standard für das Management publik gemacht und als Alternative aufgezeigt. Der Hype hat begonnen.
Doch wir müssen aufpassen: In Scrum 3.0 ist nicht mehr drin, was in Scrum 1.0 drin war. Wir dürfen heute nicht mehr die ollen Kamellen erzählen, denn die haben sich über die Jahre als nicht funktional erwiesen. Außerdem haben sich die Möglichkeiten verändert. Scrum 3.0 weiß heute,

Das ist Scrum 3.0!
Aber leider werden 2015 noch immer die Ideen von Scrum 1.0 weitererzählt. Ja, und jetzt betreibe ich Nestbeschmutzung: Das ist so, weil die meisten Trainer und Coaches gar nicht mitbekommen, was sich da gerade tut. Sie machen nämlich gutes Geld mit ihren Trainings, verdienen als Einäugige unter den Blinden gerade eine Menge Geld. Ich gönne es ihnen. Unsere Firma profitiert natürlich auch von dieser Entwicklung.
Aber bitte: Das was mir Ken und Jeff vor Jahren beigebracht haben, war der Anfang! Ein guter Anfang und ich bin wahnsinnig dankbar dafür, aber 3.0 ist anders. Es ist noch einfacher geworden, weil wir die echten Mechanismen kennen. Nein, es ist nicht einfacher beim Implementieren geworden, es ist sogar schwerer geworden, weil die großen Unternehmen Scrum 1.0 wollen und wir aber wissen, dass es 3.0 gibt. Wer heute noch von den drei Fragen des Dailys erzählt, wer heute noch sagt, Teams müssen zusammensitzen, wer heute noch sagt, der  PO schreibt die Storys, der sollte dringend, wirklich dringend, zur Agile 2015 fahren, sich mit LIIP unterhalten oder mal bei CosmosDirekt vorbeischauen. Es ist irre, was sich gerade tut.

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Pixabay CC0 Public Domain