Warum ScrumMaster eskalieren müssen
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Worum geht es eigentlich wirklich beim ScrumMaster-Dasein? Dazu gibt es so viele unterschiedliche Ideen wie ScrumMaster. Letztendlich geht es um die Performance des Teams und damit verbunden um die Lösung von Impediments. Wieder so weitläufige Begriffe – was bedeutet das konkret? Vielleicht bin ich einer der Facetten schon mal näher gekommen. Vor kurzem wurde in unserem internen Company Review in der Retrospektive die folgende Frage gestellt: Was hat uns im letzten Sprint produktiv gemacht?
Eine meiner ScrumMaster-Kolleginnen meinte, es seien vor allem die Eskalationen gewesen. Ihr Mentor habe einmal gesagt: “Jede Eskalation bewirkt etwas Gutes.” Sie habe es am Anfang nicht geglaubt, aber in der letzten Zeit habe sie ohne Ende eskalieren müssen und die Aussage habe sich bewahrheitet.
Für mich ein AHA-Moment. Vor allem deshalb, weil es Situationen gab, in denen ich – retrospektiv betrachtet – hätte eskalieren müssen und es nicht gemacht habe. Als ich diese Aussage meiner Kollegin hörte, wurde mir klar, wieso es so wichtig ist zu eskalieren und was passiert, wenn wir es nicht tun.

Es geht um das Team 

Bei der Eskalation geht es in Wirklichkeit darum, für das Team einzustehen (und falls es diesbezüglich Unklarheiten geben sollte: Das Team besteht aus den Entwicklern UND dem PO). Es geht darum, dem Team eine Stimme zu geben und sich vor das Team zu stellen. Damit üben wir nicht nur eine Schutzfunktion aus, wir zeigen dem Team auch, dass es so nicht geht. Wir zeigen den Teams, dass wir sie hören – wir hören die Stimme des Teams und verleihen ihr zusätzliche Kraft. Wir zeigen damit, dass sie nicht allein sind mit den Impediments, die ihre Produktivität behindern. Das wir nicht schon wieder Leute mit irgendwelchen wirren Ideen sind, die nicht hinter diesen Ideen stehen. Wir zeigen, dass wir bereit sind, für das Team und seine Anliegen mit unserer Person einzustehen. Nicht nur das, wir werden damit auch zum Vorbild und geben unseren Teams wieder die Kraft und den Glauben an sich selbst. Simon Sinek würde sagen, wir stellen den Circle of Safety wieder her und erfüllen als wahre Leader unsere ursprünglichste Aufgabe: Wir schützen die Herde.

Keine Angst vor dem Säbelzahntiger

Aber damit die edlen Gefühle nicht die Wahrheit verschleiern: Etwas zu eskalieren braucht eine Menge Courage. Wenn wir Pech haben, berührt der Gang zum Management die Angst, danach keine Stelle mehr zu haben. Und so archaisch und seltsam es in der heutigen Zeit anmutet, können wir uns manchmal noch immer so fühlen, als würden wir vor einem Säbelzahntiger stehen. Sich gegen jemanden zu wenden, der eine höhere hierarchische Position einnimmt oder die Macht hat, unser Projekt zu beenden, kann anscheinend noch immer unseren urzeitlichen Überlebensinstinkt triggern, der sagt: “Raus hier, nur raus!” Das ist insofern seltsam, als dass ich das Management in vielen Fällen aufgeschlossen und unterstützend erlebt habe. Letztendlich geht es darum, gemeinsam etwas zu bewegen und das geht bei größeren Impediments nur als Gesamtorganisation.
Gerade deswegen ist es aber auch die Aufgabe der ScrumMaster, zu eskalieren. Nicht nur weil wir dem Team eine Stimme geben (und gehört zu werden ist eines der Urbedürfnisse jedes Menschen), sondern auch um im Sinne des Scrum-Wertes „Mut” zu handeln. Denn Mut gibt uns die Kraft, die Dinge anzugehen, die uns wirklich im Weg stehen. Genauso wie es den Wert der Offenheit braucht, um  Impediments mit dem Management gemeinsam zu klären und eine bessere Situation zu erschaffen.
In diesem Sinne: Wenn Ihr Bauchgefühl nach einer Eskalation schreit – tun Sie es! Es ist auf jeden Fall mein Anspruch an mich selbst, auf diese Stimme zukünftig stärker zu hören und die Eskalationen durchzuführen, die mein Team braucht, damit es seinen Job noch besser ausführen und mehr für den Gesamterfolg seiner Firma beitragen kann als jemals zuvor.

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