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Die neuen Abläufe in Prof. Holger Günzels Kurs Agile Management for Entrepreneurs an der Hochschule München haben sich mittlerweile eingespielt. In diesem Semester erarbeiten seine Studierenden die Studienarbeit mit Scrum4Schools. In Woche 3 dieses Kurses hat die Gruppe beschlossen, das wöchentlich stattfindende Review anders zu gestallten. Als Hauptveränderung haben sich die Studierenden darauf verständigt, die Ergebnisse jeder abgeschlossenen User Story ausgedruckt mitzubringen. Ziel war es, den kommunikativeren Austausch in der Gesamtgruppe zu fördern und mehr Feedback einzuholen. Davor hatte das Review der einzelnen Gruppen eher den Charakter eines Vortrags.

Woche 4 – voneinander lernen

Das veränderte Review

In dieser Woche läuft das Review bedeutend reibungsloser und lebendiger ab. Die Studierenden haben pro abgeschlossener User Story maximal zwei Powerpoint Slides vorbereitet. Sie haben diese ausgedruckt mitgebracht und zu Beginn der Stunde an einer der Wände im Seminarraum befestigt. Das Review beginnt. Die gesamte Gruppe formiert sich halbkreisförmig um die Ergebnisse des ersten Studierendenteams. Die Aufgabe bestand darin, herauszufinden, wie man die agile Kultur in einem großen traditionellen Automobilkonzern aktivieren kann. Während der Kurzpräsentation der Wochenergebnisse notieren viele der restlichen Studierenden ihr Feedback auf Post-its. Nach der Präsentation entsteht schnell ein Gespräch über die Lieferung. Es gibt viel positives Feedback, aber auch Ideen, wie das Team die einzelnen Punkte noch präzisieren kann sowie Anregungen zu hilfreichen weiterführenden Materialien.
Die Zeit für das Feedback ist aufgrund der acht Studierendenteams begrenzt. Diejenigen, die nicht mehr zu Wort kommen, kleben ihre Feedback-Post-its einfach zu den präsentierten Slides. Prof. Günzel ist mit den Veränderungen zufrieden: „Die Studierenden haben sich gegenseitig deutlich mehr Fragen gestellt und Feedback gegeben. Und auch zeitlich lagen wir sehr gut. So hatten wir nach dem Review genug Zeit für die Retrospektive in den einzelnen Teams.” Das Feedback von den Studierenden ist ebenfalls positiv. „Im Nachgang an den Kurs haben mir einzelne Studierenden erzählt, dass sie die Vorzüge des gegenseitigen Lernens durch diese Form der Präsentation sehr zu schätzen wissen“, sagt Prof. Günzel.

“Die Studierenden haben sich gegenseitig deutlich mehr Fragen gestellt und Feedback gegeben.”

Wann ist etwas fertig?

Mittlerweile haben die Studierenden vier Wochen an Ihrem „Produkt“ gearbeitet. Ergebnis des Kurses soll neben der schriftlichen Studienarbeit, die im Nachgang an die letzte Seminarstunde vollständig abgeschlossen wird, eine managementtaugliche Präsentation sein. Darin sollen die Studierenden ihr jeweiliges Thema ausarbeiten und präsentabel genug für einen Management-Pitch darstellen. Die Qualität der Ergebnisse der einzelnen Studierendenteams geht laut Prof. Günzel stark auseinander: „Viele Teams haben bereits die richtigen Inhalte auf ihren Folien. Aber die Form ist noch nicht für den Kontext ‚Management’ geeignet. Das fängt bei der Gestaltung der Folie an, hat aber auch viel mit der sprachlichen Ausarbeitung und präzisen Darstellung der Punkte zu tun.“
Für Prof. Günzel sind die im Review präsentierten Folien von einigen Teams noch keine abgeschlossenen und fertigen Teillieferungen des Endprodukts. Genau darin liegt aber die große Stärke von Scrum: Kontinuierlich fertige und potentiell auslieferbare Teilergebnisse zu produzieren. Entwicklungsteams, die neu mit Scrum zu arbeiten beginnen, müssen das in den ersten Sprints zunächst einmal lernen. Genauso ist es bei den Studierendenteams. Dabei hilft es, dass einzelne Teams genau das schon tun und ziemlich gute Ergebnisse im Review präsentieren. Das hilft auch den anderen Gruppen. Sie können voneinander lernen und der Qualitätsanspruch der gesamten Gruppe steigt kontinuierlich in jeder Seminarstunde.

Scrum fördert den Austausch und motiviert

Scrum fördert den Austausch und motiviert „Und das ist toll zu sehen“, findet Prof. Günzel. „Die Studierenden arbeiten engagiert mit und lassen sich auf das Experiment ein.“ Die Anwesenheit ist freiwillig, denn an der Hochschule München gibt es seit einigen Jahren keine Anwesenheitspflicht mehr in den Kursen. „Besonders in Modulen mit der Prüfungsform Studienarbeit müssen sowohl das Veranstaltungskonzept als auch die einzelnen Veranstaltungen stimmen – ansonsten kann es auch schon mal passieren, dass von 30 Studierenden nur fünf an der Stunde teilnehmen.“ Das war jedoch in diesem Seminar noch nicht der Fall. Prof. Günzel führt es auf die Interaktion mit ihm und auf die wesentlich intensivere Interaktion zwischen den Studierenden zurück. Jeder bekommt in jeder Seminarstunde kontinuierliches Feedback aus mehreren Perspektiven und entwickelt damit Stück für Stück die eigene Studienarbeit. Das motiviert offensichtlich. Wir sind auf die Endergebnisse gespannt.

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