Wenn’s wichtig ist, kommt’s wieder: über das "Nein" des Product Owners

In meiner Karriere als Beraterin durfte ich viele Projekte und Produktentwicklungen beobachten. Eine dieser Beobachtungen möchte ich besonders gerne teilen: Teams, die zu vielen Anforderungen „nein“ sagen, sagen immer zu einigen wenigen, wirklich wichtigen, ein ganz klares „Ja“. Diese Anforderungen werden mit einem Commitment gekrönt und werden garantiert in einer hohen Qualität geliefert. Diejenigen, die zu allem „ja“ sagen, bekommen in der Regel nur Weniges wirklich fertig. Hier wird es immer schwieriger, sich zu fokussieren und eine gute Priorisierung hinzubekommen.
Und wenn das Team merkt, dass etwas mal wirklich vergessen wurde, oder sich auf Basis der gelieferten Features und Stakeholderfeedback herausstellt, dass etwas wichtig ist, wird dies vom PO bereitwillig ins Backlog aufgenommen.
Das St. Galler Management Modell sagt dazu: „Durch das Weglassen von Vielem wird das Realisieren von Wenigem ermöglicht.“ Damit stellt es ein Grundparadigma für gutes Management heraus, das mit den Werten, Haltungen und Sichtweisen agiler Produktentwicklung und der Aufgabe des PO übereinstimmt, mit Anforderungen sehr selektiv umzugehen.
Der gute Product Owner bewältigt zwei Herausforderungen:
a.) Er bringt den Mut zum „Nein“ auf und
b.) vertraut darauf, dass wirklich Wichtiges wiederkommt, obwohl es schon einmal abgelehnt wurde.
Das spart Zeit beim Verwalten langer Anforderungslisten und ermöglicht den Fokus auf das Liefern, aufs Wesentliche.
Wagen Sie das Experiment und sagen Sie „Nein“.

Foto: (c) rawpixel