Notizblock Vision
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Ich arbeite jeden Tag mit Teams zusammen, die auf ambitionierte Ziele hinarbeiten. Sie bereiten beispielsweise den Market-Launch eines völlig neuartigen Hardware-Produkts vor oder überarbeiten das bestehende IT-System grundlegend. Diese Produkte erweitern das bisherige Angebot des Unternehmens. Sie sind Teil der Weiterentwicklung des aktuellen Geschäftsmodells und zahlen auf die Neuausrichtung ein, die vom Top-Management angestrebt wird. Die Teams selbst sehen jedoch häufig nur eines: Diese neuartigen Produkte passen nicht zum bisherigen Angebot des Unternehmens. Und so steht immer wieder die unausgesprochene Frage im Raum: Warum machen wir das?

Die Antwort auf dieses Warum bleibt man den Teams oft schuldig. Man gibt ihnen keine Vision, zeichnet ihnen kein Bild der Zukunft und lässt sie im Ungewissen, worauf ihre Arbeit einzahlt. Wenn wir uns die folgende Geschichte ansehen, wird jedoch deutlich, welchen entscheidenden Unterschied ein solches Zukunftsbild bewirken kann:

Ein Fremder geht durch die Gassen einer Stadt. Er trifft auf drei Maurer und sieht ihnen bei der Arbeit zu. Nach einiger Zeit fragt er die drei, was sie da tun. „Das sehen Sie doch”, erwidert der erste mürrisch, „Ich bearbeite einen Stein.” Und der zweite Maurer, der das Gleiche tut, sagt gelangweilt: „Na, ich errichte eine Mauer.” Der dritte Maurer allerdings antwortet mit glänzenden Augen: „Ich baue eine Kathedrale.”

Wir wollen alle eine Kathedrale bauen

Warum ist eine Vision wie der Bau einer Kathedrale so wichtig für uns? Weil wir alle auf der Suche nach unserem persönlichen Warum sind, das uns jeden Tag aufs Neue motiviert. Wir sind auf der Suche nach einer Vision, die unsere persönlichen Werte widerspiegelt. Und nach einer Organisation, die nach diesen Werten ausgerichtet ist und in der wir durch unsere tägliche Arbeit zur Umsetzung dieser Vision beitragen können. Wir wollen nicht einfach nur Stein auf Stein setzen. Wir wollen in 10 Jahren zu unseren Kindern sagen können: Das, was ich getan habe, hat etwas bewirkt. Siehst du diese Kathedrale dort? Die habe ich miterrichtet! Besonders in Zeiten der Veränderung und bei der Neuausrichtung eines Unternehmens braucht jeder Mitarbeiter und jedes Team ein solches Ziel vor Augen. Ein Ziel, das die Hoffnung auf Verbesserung aufkeimen lässt und den Weg in die neue Zukunft zeigt.

Und doch fehlt vielen Teams und Unternehmen eine solche Vision. Woran kann das liegen? Zum einen mangelt es oft an Zeit und andererseits fehlt das Wissen darüber, wie man überhaupt eine Vision entwickelt. Dabei ist das gar nicht so schwer.

Der Bauplan für Ihre Vision

Der erste Schritt ist meiner Erfahrung nach, sich als Führungspersönlichkeit – sei es als Product Owner oder Cluster Lead – die Zeit zu nehmen, um sich selbst darüber klar zu werden: Warum brauchen wir dieses Produkt? Eine Vision wirkt durch die Kraft der Worte, daher sollten Sie diesen ersten Entwurf Ihres Zukunftsbildes niederschreiben. Und dann stellen Sie sich die folgenden Fragen:

  • Kann meine Vision mitreißen und möchte ich sie erreichen?
  • Ist sie auf die Zukunft ausgerichtet und fordert sie heraus?
  • Lässt meine Vision dem Team die Freiheit, die abgeleiteten Ziele auf seine Art und Weise zu erreichen?
  • Könnte jedes meiner Teammitglieder die Vision aus dem Stegreif wiedergeben?

Wenn Sie jede dieser Antworten mit Ja beantworten können, dann nehmen Sie Ihre Vision und reden Sie darüber. Teilen Sie diese mit Sparring-Partnern und passen Sie sie immer wieder an. Sobald Sie Ihre Vision durch Iterationen entsprechend nachgeschärft haben, können Sie diese Ihrem Team vorstellen. Freuen Sie sich auf das Feedback, das ihnen dabei helfen wird, Ihr Zukunftsbild noch präziser zu formulieren.

Anschließend bleibt noch ein letzter wichtiger Schritt: Schicken Sie das Team mit dieser Vision auf die Suche nach dem Wie. Wie können wir als Team diese Vision erreichen? Welche Schritte sind notwendig? Seien Sie für Ihr Team da und beantworten Sie dessen Fragen. Und vor allem: Beobachten Sie, wie sich die Zusammenarbeit positiv verändert!

Geschrieben von

Kristina Uhl Kristina Uhl Kristina Uhl kennt die Herausforderungen, wenn klassisches und agiles Projektmanagement aufeinandertreffen. Gleich nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre hat sie in der Praxis das Beste aus beiden Welten auf einen Nenner gebracht – denn der Schlüssel zum Erfolg ist immer der Mensch. Nicht nur mit ihrem methodischen Wissen, sondern vor allem durch ihren Blick für Stärken und den respektvollen Umgang mit allen Beteiligten unterstützt Kristina Uhl Teams und den Einzelnen dabei, über sich hinauszuwachsen. Gleichzeitig stabilisiert sie die Beziehungen zu den Projekt-Stakeholdern durch kompetentes Beziehungsmanagement.

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