Arbeitnehmermitbestimmung
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Die Beschäftigten von News-Portalen demonstrieren, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter internationaler Unternehmen auch in Zeiten der Digitalisierung nicht hilflos gegenüber ihren Arbeitgebern dastehen. Sie besinnen sich auf ihre Rechte als Arbeitnehmer und greifen dabei auf ein altbewährtes Mittel zurück: Sie gründen Betriebsräte.

Neue Player in einem alteingesessenen Markt

Jung, hip und agil kommen die neuen Player im Nachrichtengewerbe daher. Die Vermischung von verschiedenen Medienformaten, leichte Kost mit fragwürdigem Nachrichtenwert (z. B.: Beantworte 4 Fragen und wir sagen dir, wie deine Punkband heißt) sowie spannende, marktschreierische Berichte und Reportagen mit einer Reichweite, von der klassische Verlagshäuser nur träumen können, sind charakteristisch für Medienunternehmen wie Vice, Buzzfeed oder die Huffington Post. Dabei wird es immer mehr zum Problem, dass die meisten Nutzerinnen und Nutzer wohl nicht bereit sind, für diese Art der Berichterstattung zu bezahlen. Die Gratiskultur des Internets setzt die Repräsentanten einer neuen Art von Nachrichten nun unter Druck. Als Reaktion auf die schwächelnden Umsätze reagieren die Unternehmen, wie klassische Unternehmen auch, mit Entlassungen.

Entlassungen nicht über die Köpfe der Beschäftigten hinweg

Seitens der Beschäftigten in Deutschland regt sich jedoch Widerstand. Als Reaktion auf die Ankündigungen gründen die Beschäftigten von Buzzfeed und Vice kurzerhand Betriebsräte in Deutschland und verhindern so Entlassungen ohne die Mitsprache der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Gründung eines Betriebsrats zwingt den Arbeitgeber dazu, vor jeder Kündigung den Betriebsrat anzuhören. Dieser hat das Recht, der Kündigung zu widersprechen. Dies führt zu einer vorläufigen Weiterbeschäftigung, bis ein Gericht über die Rechtmäßigkeit der Kündigung entschieden hat.

Selbst Google hat keinen Betriebsrat

Betriebsräte sind in US-geprägten Unternehmen keine Selbstverständlichkeit – selbst Google verfügt in Deutschland nicht über einen Betriebsrat. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens scheinen dennoch zufrieden zu sein (siehe kununu). Dieses Beispiel zeigt, dass Arbeitnehmermitbestimmung und Innovationskraft nicht in einem Widerspruch stehen müssen. Vielmehr dürften eine Miteinbeziehung und faire Behandlung die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sogar noch steigern. Andererseits kann die Gründung eines Betriebsrats Unternehmen erheblich unter Druck setzen und sie dazu anhalten, besser auf ihre Belegschaft zu achten.

Der Betriebsrat – wie ein Phönix aus der Asche

Die vorgenannten Beispiele zeigen, dass Arbeitnehmermitbestimmung auch in der Zeit der Digitalisierung ihren Stellenwert hat und keinesfalls ein Relikt des vergangenen Jahrhunderts ist. Vielen Unternehmen können diese Fälle als Beispiel dienen und sie dazu anhalten, achtsamer mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umzugehen und ihr Profitstreben nicht zulasten der Belegschaft auszugestalten.

Geschrieben von

Alexander Grollmann Alexander Grollmann Als Anwalt kommt Alexander Grollmann aus einer ungewohnten Richtung zur agilen Arbeitsweise und beweist damit, dass sie in verschiedensten Bereichen angewendet werden kann. Beim Aufbau einer Kanzlei hat er die Prinzipien zunächst intuitiv eingesetzt. Bei der Ausrichtung der Kanzlei-Prozesse auf seine Mandanten ist er auf Scrum gestoßen und arbeitet seitdem bewusst damit. Durch die Spezialisierung auf Arbeitsrecht ist „Führung“ für Alexander Grollmann ein wichtiges Thema. Menschen den Sinn ihrer Arbeit zu vermitteln, ihnen Entscheidungsfreiheit zu geben und mit einem klaren Rahmen ihre Selbstorganisation zu stützen, sieht er als Voraussetzungen, um die Potenziale der Agilität voll nutzen zu können. Er ist ein genauer Zuhörer, sensibel für Zwischentöne, und erfasst daher auch unausgesprochene Probleme sehr schnell.

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