New Work Experience 2019 – ein Erfahrungsbericht

Am 7. März 2019 fand die New Work Experience in der Elbphilharmonie in Hamburg statt. Die Veranstalter von Xing lockten zum einen mit einer fantastischen Location und versammelten zum anderen die Super-Stars der New-Work-Szene.

Auftakt mit Beethoven und Hüther

Der Tag startete mit einem gemeinsamen Singen von Beethovens Freude schöner Götterfunken. Es ließ sich erahnen, welches Klangwunder die Elphi erschaffen kann.

Getragen von den positiven Gesangs-Vibes wurde Gerald Hüther die Ehre zuteil, die Konferenz zu eröffnen. Mit seinem grundpositiven Menschenbild stellte er dar, dass wir Menschen danach streben, zu lernen und zu entdecken, und tun sollten, was uns Lust bereitet. Er appellierte, Menschen nicht als Objekte zu betrachten, um nicht das Streben nach Kohärenz zu stören und erläuterte, dass Menschen tätig sein und lernen wollen. Darum bedürfe es zwingend einer neuen Definition von Arbeit.

Inspiration mit Laloux

Auf Gerald Hüther folgte Frédéric Laloux, dessen Buch Reinventing Organizations auch 5 Jahre nach Erscheinung nicht an Aktualität verloren hat und für Unternehmen weltweit noch immer als Inspiration für neue Wege des Arbeitens dient. Statt eines neuen Buches produziert Laloux mittlerweile Videos, die er kostenlos auf seiner Website zur Verfügung stellt. Er differenzierte New Work in Methoden einerseits und eine Weltanschauung/Haltung andererseits und beschrieb den Weg zu einer neuen Haltung als inneres Abenteuer, welches das äußere Abenteuer erst ermöglicht. Für diese Expedition gab er drei Tipps mit auf den Weg:

  1. Lesen, lesen, lesen und neue Erkenntnisse sammeln.
  2. Sich unter Leute begeben, um Menschen als Wunder zu erkennen.
  3. Hinterfragen.

Aus seiner Perspektive erscheinen Manager absurd künstlich in abstrakten Rollen und er ermutigte sie dazu, ihre Rollen zu verlassen und neue Kreativität zu entdecken.

Einblicke in die Praxis mit Kathrin Menges (Henkel) und CHAN

Die Personalvorständin von Henkel, Kathrin Menges, skizzierte die Arbeitswelt von morgen, die bei Henkel bereits heute die Zusammenarbeit prägt. Kreatives Denken und emotionale Intelligenz nehmen demnach einen ebenso wichtigen Raum ein, wie die Weitergabe von Wissen und wertschätzendem Richten (Valuable Judgements). So wie sich die bei der Arbeit geforderten Skills verändern, werden auch andere Skills von Führungskräften gefordert. Statt Command and Control werden zukünftig Sinnvermittlung durch Empowerment und Teilhabe an Bedeutung gewinnen. Dies bedeutet aber auch, auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu achten, sie zu coachen und verbinden. Frau Menges endete mit einem eindrücklichen Apell: We should not protect jobs, we should protect people.

Neue Wege zu gehen, nahmen sich auch Christiane Haasis & Angela Nelissen (Chan) von Unilever vor und sie entwarfen ein Zusammenarbeitsmodell des Jobsharings, bei dem sich zwei Teilzeitkräfte einen Job teilen. Sie räumten schwärmend mit Bedenken und Vorurteilen auf und plädierten dafür, dass insbesondere auch Männer diesem Beispiel folgen könnten, denn zwei Menschen auf einem Job könnten die Power und Kreativität steigern und ungeahnte Potenziale freisetzen.

Ode an die Muse: Nahre Sol und Joschka Fischer

In ihrer Gegensätzlichkeit bereicherten Nahre Sol und Joschka Fischer das Programm um thematische Aspekte aus Kunst und Politik. Nahre Sol beschrieb, wie sie Wege für sich entdeckt hat, um ihrer Kunst einen neuen Ausdruck zu verleihen, während Joschka Fischer mit jungem Geist und Einsichten des Alters zum Besten gab, dass die Realität sein bester Coach gewesen sei.

Zuckerbrot und Peitsche: Jutta Allmendinger und Sascha Lobo

Die Soziologin Jutta Allmendinger und der an der deutschen Digitalisierung verzweifelnde Sascha Lobo stellten Vergleiche mit anderen Ländern an. Während Frau Allmendinger der deutschen (Arbeits-)Mentalität eine insbesondere gegenüber den USA positive Note bescheinigte, verdunkelte sich die Stimmung durch die Rede von Sascha Lobo. Seine angeführten Statistiken untermalten, weshalb es durchaus seine Berechtigung hat, Deutschland als ein digitales Entwicklungsland zu bezeichnen. Abgesehen von der Bedeutungslosigkeit Europas im Hinblick auf die Plattformökonomie (alles, was „verplattformt“ werden kann, wird zur Plattform) wurde die Dringlichkeit des Themas durch den Vergleich der Haushalte, die über einen Glasfaser-Anschluss verfügen, veranschaulicht. Hier rangiert Deutschland mit knapp 3 % auf einem Platz mit Angola, jenseits der Top-100-Länder. Er schloss mit dem Aufruf, endlich die Frage nach einem gesellschaftlichen Leben in der Digitalisierung zu stellen.

Krönender Abschluss mit Ricardo Semmler

Der äußerst entspannt wirkende Flo Mega und Band sowie die verzaubernde Dominique Macri, die den Tag in einem blumigen Gedicht zusammenfasste (Poetic Recording), bereiteten den krönenden Abschluss des Tages mit Ricardo Semmler vor, Autor des (meist ausverkauften) Buches Management ohne Manager. Er plädierte wie bereits Laloux für eine Änderung der Mentalität statt des Methodeneinsatzes und hinterfragte, ob es wirklich erstrebenswert wäre, wie ein Start-up zu denken und handeln, wenn über 90 % der Start-ups wieder untergehen. Um dauerhaft zu bestehen, sei es notwendig, Wissen zwischen Alt und Jung auszutauschen, um von den Erfahrungen der Generationen profitieren zu können.

Fazit

Die Qualität der Redner und die Location waren beeindruckend. In der New-Work-Szene dürfte diese Konferenz einen Standard in Deutschland setzen, der nur schwer zu toppen ist. Neben den hier angeführten Rednern fanden parallel Breakout Sessions, die Verleihung des New-Work-Awards sowie zahlreiche weitere Vorträge statt. Es war ob der Fülle der Angebote schier unmöglich, alles zu hören. Schlussendlich war bereits die Vorfreude auf die New Work Experience 2020 spürbar.

 

Foto: mit freundlicher Genehmigung von XING.

Geschrieben von

Alexander Grollmann Alexander Grollmann

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