Fridays for Future
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Über eine Million Jugendlicher in 2.000 Orten und 125 Ländern haben am 15.03.2019 für einen konsequenten Klimaschutz demonstriert *). Und alles begann mit der heute 16-jährigen Greta Thunberg aus Schweden, die mit ihrem Leitgedanken „Why should I be studying for a future that soon may be no more, when no one is doing anything to save that future?“ **) diese Menschenmassen bewegt. Und nicht nur SchülerInnen und Studierende gehen freitags nicht in die Schule oder Uni, sondern auch erwachsene Klima-AktivistInnen folgen ihr und unterstützen ihren Kampf gegen den Klimawandel.

Ich finde es absolut faszinierend, dass Greta Thunberg das schafft, woran manche noch so gut ausgebildete Manager ihr Arbeitsleben lang scheitern: Sie ist ein Vorbild für ihre Mitmenschen. Diese lassen sich von ihr und ihrem Leitgedanken motivieren und folgen ihr freiwillig.

Walk the talk – die Vorbildfunktion der Führung

Führung im agilen Kontext unterscheidet sich in einem Punkt ganz entscheidend von der klassisch disziplinarischen Führung, die bisher in Unternehmen vorherrschend war. Die laterale Führung setzt auf Führen ohne direkte Weisungsbefugnis. Sie basiert auf Freiwilligkeit und gibt Orientierung durch klare Visionen. Eine Frage, auf die ich jedoch immer wieder treffe, lautet: „Wie kann das eigentlich funktionieren?“

Wie schafft es eine 16-jährige Jugendliche, dass die Mitmenschen ihrem Vorbild folgen? Greta Thunberg ist sich selbst im Klaren, was sie erreichen möchte. Diese Vision lebt sie authentisch und ihre Vision betrifft uns alle! Das Thema Klimawandel ist so wichtig, dass sich auch andere Menschen dafür einsetzen möchten und durch Demonstrationen auf die fehlende Umsetzungsgeschwindigkeit im Bereich Klimaschutz aufmerksam machen. Und mit dieser gewichtigen und starken Vision schafft es Greta Thunberg, ihre „Follower“ intrinsisch zu motivieren. Sie erweckt in ihnen selbst das Anliegen, in Aktion zu treten.

Greta Thunbergs Leidenschaft, ihre Zielstrebigkeit und ihr klares Wertegerüst, gibt anderen Menschen Orientierung und zeigt ihnen einen Weg auf, wie sie sich für den Klimawandel einsetzen können. Das macht sie zu einem authentischen Vorbild, dem man gerne folgen, mit dem man gerne auf dieses gemeinsame Ziel hinarbeiten möchte.

Für mich sind genau diese drei Dinge essenziell: Authentizität, ein klares Ziel und Passion. Das führt dazu, dass ich eine Führungspersönlichkeit als solche wahrnehme.

Die Selbstorganisation stärken, damit jeder seinen Teil beitragen kann

Die Führung im agilen Bereich fokussiert sich bekanntlich sehr stark auf das „Was“, also die gewünschten Resulate. Dadurch erhalten die Teams mehr Freiheit in Bezug auf das „Wie“ – also die tatsächliche Umsetzung. Sie haben die Möglichkeit, ihr Expertenwissen und ihre persönlichen Stärken in die Ausgestaltung des Vorhabens zu stecken. Innerhalb der Bewegung Fridays for Future kann man das daran beobachten, dass jede Stadt ihre eigene Organisationsgruppe hat, die entscheidet, wie ihre Demonstrationen gestaltet sein sollen. Ob hierbei Bettlaken zum Einsatz oder lokale Politiker zu Wort kommen, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Das Organisations-Team setzt sich wiederum individuell aus Menschen mit unterschiedlichen Ausbildungen und Backgrounds zusammen.

Möchte man die Selbstorganisation in seinen Teams stärken, dann ist das ein wichtiger Punkt. Das Team muss so crossfunktional aufgestellt sein, dass das Wissen, das für das Vorhaben benötigt wird, vorhanden ist. Durch die Mischung der verschiedenen Expertisen ergeben sich neue Ansätze und Erkenntnisse. Mit Wissen meine ich jedoch auch die Transparenz über die relevanten Kennzahlen. Während für die Fridays-for-Future-Organisatoren die aktuelle CO2-Belastung, die Teilnehmeranzahl bei den Demonstrationen und die Follower auf sozialen Kanälen ausschlaggebend sind, können es für ein Entwicklungsteam die entstandenen Kosten und das Budget sein.

Führen mit Freiwilligkeit durch das Aussprechen einer Einladung

Wie man als Vorbild bzw. Führungspersönlichkeit durch Freiwilligkeit führt, zeigt uns Greta Thunberg sehr vorbildlich. Denn ein weiterer wichtiger Grund, warum ein kleines schwedisches Mädchen die Massen bewegen kann, ist die Einladung, die sie ausspricht, um ihre Vision umzusetzen. Diese Einladung ist ganz klar: Kämpfe vor dem Parlament für den Klimaschutz, statt in die Schule zu gehen. Jeder kann selbst entscheiden, ob er dieser Einladung folgen möchte, ihm das Thema wirklich so wichtig ist oder er lieber von außen zusieht.

Wie häufig hatten Sie im Berufsleben tatsächlich diese Wahlfreiheit und wie oft wurden Ihnen Aufgaben von oben herab delegiert? Stellen Sie sich die Entrüstung in der Bevölkerung und damit die Auswirkungen auf dieses wichtige Thema vor, wenn wir alle gezwungen wären, an einer dieser Veranstaltungen teilzunehmen.

Die Kunst liegt als Führungspersönlichkeit also darin, Einladungen nicht nur auszusprechen, sondern auch so zu gestalten, dass sie angenommen werden. Hierbei kann die Methode Appreciative Inquiry helfen. Durch den Fokus auf das, was in einem Team oder in der Organisation bereits gelingt, und das Aufbauen auf diesen Dingen, können weitere Potenziale entfaltet werden. Der werteorientierte Ansatz hilft dabei, sich auf die positiven Leistungen in einem Unternehmen zu konzentrieren, diese anzuerkennen und darauf aufzubauen. Statt der typischen Einladung zu einem Eskalations-Meeting, in dem die Gründe der schlechten Zusammenarbeit mit Lieferant X analysiert werden müssen, sollte man sich also lieber auf das konzentrieren, was gut funktioniert. Finden Sie also besser heraus, warum die Zusammenarbeit mit Lieferant Y so einwandfrei funktioniert und was man daraus für die Kooperation mit Lieferant X lernen kann.

Veränderung beginnt bei uns selbst

Bereits diese kleinen Veränderungen können ganz Großes bewirken. Die wohl wichtigste Erkenntnis ist jedoch, dass Führung bei jedem selbst beginnt. Nur wenn mir selbst klar ist, was Führung für mich bedeutet, kann ich wirksam werden. Um sich dieser Klarheit anzunähern, können die folgenden Denkanstöße helfen: Wann habe ich Führung erlebt? Was macht Führung für mich aus? Wann bin ich jemandem freiwillig gefolgt oder wer ist mein Vorbild? Bei der Beantwortung dieser Fragen sind mir gedanklich schon die unterschiedlichsten Persönlichkeiten begegnet. Von Papst Franziskus über Steve Jobs bis hin zu Oprah Winfrey. Doch am meisten beeindruckt mich immer noch die Geschichte des 16-jährigen schwedischen Mädchens, dass mit „Schule-Schwänzen“ die ganze Welt bewegt.

 

*) vgl. https://fridaysforfuture.de/internationaler-streik-am-15-3/
**) vgl. https://fridaysforfuture.de

Geschrieben von

Kristina Uhl Kristina Uhl Kristina Uhl kennt die Herausforderungen, wenn klassisches und agiles Projektmanagement aufeinandertreffen. Gleich nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre hat sie in der Praxis das Beste aus beiden Welten auf einen Nenner gebracht – denn der Schlüssel zum Erfolg ist immer der Mensch. Nicht nur mit ihrem methodischen Wissen, sondern vor allem durch ihren Blick für Stärken und den respektvollen Umgang mit allen Beteiligten unterstützt Kristina Uhl Teams und den Einzelnen dabei, über sich hinauszuwachsen. Gleichzeitig stabilisiert sie die Beziehungen zu den Projekt-Stakeholdern durch kompetentes Beziehungsmanagement.

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