Alles beginnt mit einem Problem: Ideation im Rahmen des Design Thinking

Es gibt eine Vielzahl von Innovationsmethoden, um Produkt- und Serviceideen zu entwickeln. Was haben diese Methoden zur Ideenentwicklung gemeinsam? Was ist im Geschäftskontext eine wichtige Voraussetzung für wertvolle Innovationen?

Um das zu beantworten, müssen wir uns immer vor Augen führen, warum wir Ideation überhaupt betreiben. Es geht in der Regel darum, eine Lösungsidee für ein bestehendes Problem zu entwickeln, was meist als komplexe Herausforderung wahrgenommen wird. Doch was macht diese Komplexität aus? Wenn wir es schaffen möchten, Ideen zu kreieren, welche in Form von innovativen Produkten oder Dienstleistungen einen „nachhaltigen Nutzen“ stiften, ist es essenziell, dass die konkrete Idee auf drei Ebenen wirkt: auf der technologischen, der menschlichen und der Business-Ebene.

Das Problem dabei ist häufig, dass Technologie und Business in der Realität intensiv in den Überlegungen auftauchen, der Mensch mit seinen wahren Bedürfnissen und Wünschen hingegen allzu häufig in den Hintergrund rückt. Dies kann schnell dazu führen, dass ein Problem in Hinblick auf die zugrundeliegenden Ursachen nicht richtig verstanden wird, wodurch Produkte am Markt vorbeientwickelt werden und nicht den gewünschten Gewinn erwirtschaften.

In der agilen Welt gibt es eine japanische Redewendung, welche eine mögliche Lösung zu diesem Problem liefert. Genchi Genbutsu, was soviel bedeutet wie: „Gehe hin und schau selbst“. Wir nutzen diese Redewendung oft dafür, um unseren Kunden vor Augen zu führen, wie wichtig es ist, den eigentlichen Nutzer in den Mittelpunkt des empathischen Herangehens und Entwickelns zu stellen.

Der Ansatz des Design Thinking in Kürze umrissen

Design Thinking (DT) ist ein bekannter Ansatz, der zur Entwicklung von nutzerzentrierten Produkten oder auch Dienstleistungen herangezogen werden kann und somit den übergeordneten Rahmen für die Ideengenerierung steckt. DT basiert auf dem „Double-Diamond-Prozess“, der sich in vier Phasen unterteilt.

In den ersten beiden Phasen liegt der Fokus auf dem Problemraum. Es geht vorerst darum, das Problem mithilfe zielführender Research-Methoden zu verstehen und dieses in einem weiteren Schritt klar zu definieren. Das ist von großer Bedeutung, damit das gesamte Ideation-Team das gleiche Verständnis darüber gewinnt, wofür eine Lösungsidee kreiert werden soll. Die „Wie-können-wir-Methode“ stellt an dieser Stelle bereits eine bewährte Möglichkeit dar, um eine lösungsorientierte Haltung einzunehmen, indem ein definiertes Problem als Chance beziehungsweise Herausforderung formuliert wird.

Die darauffolgenden Phasen beschäftigen sich mit dem Lösungsraum. Mit der Ausgangslage eines klar definierten Problems geht es nun an die Entwicklung diverser Lösungsansätze durch das Ideation-Team. Die besten Lösungsvorschläge liefern letzten Endes den Plan für die Entwicklung des Prototyps und der notwendigen Tests.

Ideation im Design Thinking

Neue und beeindruckende Ideen, welche eine Antwort auf klar definierte Herausforderungen darstellen sollen, tauchen in den seltensten Fällen aus dem Nichts auf. Ein Grund, um den Prozess der Ideenentwicklung im Rahmen des Design-Thinking-Ansatzes näher zu beleuchten.

Ideenentwicklung im Design Thinking

Wie bereits angedeutet, kann ein strukturierter Prozess bei der Ideenfindung hilfreich sein, vor allem dann, wenn es darum geht, komplexe Herausforderungen zu lösen. Oft sind diese Lösungsideen dabei das Ergebnis einer Synthese von bereits bestehenden Ideen. Demnach kann es hilfreich sein, zu Beginn der Ideation-Phase Lösungsideen zu sammeln, welche zum Beispiel aus einer anderen Branche stammen, jedoch versuchen, ein ähnliches Problem zu lösen. Ein solcher Ansatz ist als Inspirationsmöglichkeit anzusehen und soll den Teilnehmern dabei helfen, über den Tellerrand hinauszuschauen, um nicht lediglich bestehende Ideen der eigenen Konkurrenz zu kopieren. Es geht darum, das eigene kreative Gedankenspektrum zu erweitern.

Die von den Teilnehmern recherchierten Produkt- oder Serviceideen, auch als „Lightning Demos“ bezeichnet, werden dann im Plenum vorgestellt und auf einem Whiteboard skizziert, sodass alle Beteiligten die Möglichkeit haben, die für sie wichtigsten Eckpunkte der jeweiligen Idee nachzuvollziehen. Im Folgenden geht das Ideation-Team zur individuellen Lösungsskizzierung über.

Die Lösungsskizzierung in vier Schritten stellt eine Methode zur Ideenfindung dar, bei der jedes Teammitglied eine detaillierte und durchdachte Lösungsskizze anfertigt.

Schritt 1: Notizen machen

Timebox: 20 Minuten

Zu Beginn haben alle Teilnehmer des Ideation-Teams die Möglichkeit, sich Notizen zu machen. Es geht darum, sämtliche Schlüsselinformationen, welche bisher vorgestellt wurden, stichwortartig zusammenzutragen. Dabei soll sich jeder vor allem auf jene Aspekte konzentrieren, die seiner Meinung nach für die Lösung des Problems von Relevanz sein könnten.

Schritt 2: Ideengenerierung

Timebox: 20 Minuten

Das Ziel im zweiten Schritt liegt darin, in den Ideenmodus zu schalten und aus den gesammelten Notizen mögliche Lösungsansätze grob zu skizzieren. Hierbei geht es nicht um Vollständigkeit. Die Übung soll dazu beitragen, die eigenen Gedanken auf das Papier zu bringen, wobei es jede Idee wert ist, aufgeschrieben zu werden – egal, wie verrückt sie auch klingen mag.

Schritt 3: die verrückten Acht

Timebox: 8 Minuten

Sinn dieser Übung ist es, sich auf die besten Ideen zu konzentrieren, welche die Teammitglieder im vorherigen Schritt gesammelt und grob skizziert haben. Diese sollen nun verbessert und ergänzt werden. Wählen Sie hierfür jene Ideen aus, von denen Sie glauben, dass sie am besten funktionieren und Ihnen dabei helfen, Ihre Ziele zu erreichen. Aber die Zeit drängt: Für jeden der insgesamt acht Kurzentwürfe haben Sie eine Minute zur Verfügung.

Ein kleiner Tipp: Es hat sich als sinnvoll herausgestellt, mehrere Varianten derselben Idee zu skizzieren.

Schritt 4: Lösungsskizze

Timebox: 30 Minuten

Nachdem sich die Teilnehmer in den vorherigen Schritten ausgiebig mit möglichen Lösungsansätzen beschäftigt haben, ist es nun an der Zeit, eine finale Lösungsskizze pro Person anzufertigen. Die Lösungsskizze spiegelt die beste Idee jedes Teilnehmers wider, wobei diese detailliert durchdacht und selbsterklärend sein soll. Hinsichtlich der Verständlichkeit ist es daher empfehlenswert, auf sorgfältige Formulierungen zu achten. Zum Schluss geben Sie Ihrer Idee eine aufmerksamkeitsstarke Überschrift. Halten Sie die Skizze anonym.

Doch wie identifiziert man nun die besten Bestandteile der jeweiligen Lösungsvorschläge, welche letzten Endes den tragfähigen Plan für die Entwicklung des Prototyps und der notwendigen Tests liefern? Hierzu gibt es eine schnelle und einfache Möglichkeit, ohne dabei in ausufernde und nicht zielführende Diskussionen zu verfallen.

Die Entscheidung

Um eine Entscheidung treffen zu können, ist es wichtig, die individuell angefertigten Lösungsskizzen gut sichtbar nebeneinander an der Wand zu platzieren. Für einen ersten Eindruck davon, welche Ideen die Gruppe am überzeugendsten findet, können die Teilnehmer die Lösungsskizzen nun im Stillen betrachten, um die ihrer Meinung nach herausragenden Elemente der Ideen vorab mit einem oder mehreren kleinen Klebepunkten zu markieren. Falls einem Teilnehmer dabei Fragen oder Zweifel an einer Idee aufkommen sollten, schreibt er diese Gedanken auf einen Klebezettel und hängt diesen unter die Lösungsskizze. Anschließend werden die einzelnen Lösungsskizzen im Rahmen einer Kurzkritik besprochen, wobei dabei auf ein zeitliches Limit pro Begutachtung zu achten ist.

Ein kleiner Tipp: Um ehrliche Diskussionen zu ermöglichen, ist es ratsam, dass der Urheber der Idee, welche in jenem Moment besprochen wird, erst am Ende zu Wort kommt. Dies erleichtert es dem Team, kritische oder ablehnende Äußerungen zu treffen.

Letztlich gibt es mehrere Möglichkeiten, wie das abschließende Votum vonstattengeht – je nachdem ob die Entscheidungsgewalt bei den Teammitgliedern selbst liegt. Ist das der Fall, bekommt jeder Einzelne von ihnen einen großen Klebepunkt. Dieser Klebepunkt wird dann mit einer kurzen Begründung, an die subjektiv zielführendste Lösungsidee geklebt. Die Idee mit den meisten Klebepunkten stellt die Siegerlösung dar und wird in ein Storyboard überführt.

Hinweis: Eine andere Variante kann auch darin bestehen, dass sich die Siegerlösung aus Bestandteilen verschiedener Lösungsideen zusammensetzt. Entscheidet sich das Team für ein solches Vorgehen, sollte darauf geachtet werden, dass sich die einzelnen Lösungskomponenten innerhalb des Storyboards zu einer sinnvollen Gesamtlösung integrieren lassen. Sind die ausgewählten Lösungsideen nicht kompatibel miteinander, könnten Sie es auch in Betracht ziehen, mehrere Prototypen herzustellen, um die Lösungsideen gegeneinander zu testen.

Geschrieben von

Sebastian Delp Sebastian Delp

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