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Beim Boxen ist es wie mit einer Beziehung: sich auf den Partner einlassen, Vertrauen haben in sein Gegenüber, mal einen Rückschlag kassieren und am Ende liegen sich beide schwitzend und erschöpft in den Armen.

Aber was hat DAS bitte mit Agilität zu tun? Dafür stellen wir erstmal klar, was wir unter Agilität verstehen. Auch wenn Agilität wie ein Hype wirkt und viele hoffen, dass es „wieder weggeht“: Für uns bedeutet sie Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bei Veränderungen. Sie sorgt für Standfestigkeit auch bei Gegenwind, Orientierung in der Veränderung sowie Reaktions- und Lieferschnelligkeit im neuen Umfeld. Also etwas, das man immer gebrauchen kann. Nicht immer ergibt jede agile Methode Sinn – entscheidend ist der Kontext. Der lateinische Ursprung „agilitas“ bedeutet Beweglichkeit, Schnelligkeit, Wendigkeit. Und das funktioniert nicht ausschließlich über neue Arbeitsmethoden, sondern über eine entsprechende Haltung.

Okay. Verstanden! Aber Boxen hat doch was mit Zuhauen und Schmerzen, Schweiß und Blut zu tun, außer Atem und ständig auf der Hut sein. Durch ein Selbstexperiment wollten wir herausfinden, ob wir einfach nur aufs Boxen stehen, oder ob wir Parallelen finden und unsere Fähigkeiten aus dem Boxen in unserer täglichen Arbeit anwenden können.

Box dich durch den Wandel

Gemeinsam mit dem Hamburger Box-Vize-Meister Jochen Schmidt (kurz: Joe) von HHometown Fitness wollten wir das herausfinden: Welche technischen Fertigkeiten, welche fein- und grobmotorischen Handlungen sind notwendig, um Standfestigkeit, Reaktions- und Lieferschnelligkeit sowie Orientierung in der Agilität gewinnen zu können? Joe selbst bietet Managementtrainings an. Darin zeigt er, wie sich die Eigenschaften eines guten Boxers auf die Arbeitswelt von heute übertragen lassen.

Die Mitspieler

Anja hat vor Kurzem das Boxen für sich entdeckt, Lena ist seit Jahren aktive Kickboxerin. Joe von HHometown Fitness bietet selbst Managementtrainings in seinem Studio an und stellt die Verknüpfung zwischen Boxen und Führung dar.

Das Experiment

Wir wollten herausfinden, was Agilität mit Boxen gemeinsam hat und was wir aus der einen in die jeweils andere Welt transferieren können.

Das Setting

10 aktive Box-Teilnehmer | 2 Trainer | 6 Zuschauer | 1 Studio | 3 Stunden Zeit

Der Ablauf

Ankommen, durchatmen, vorstellen, umziehen und los geht’s. Zu Beginn zeigte uns Joe, wie wir unsere Hände durch das korrekte Wickeln der Bandagen richtig schützen. Sah einfach aus, dauerte jedoch geschlagene 15 Minuten, bis wir nicht mehr uns selbst, sondern dann doch unsere Hände eingewickelt hatten.

Danach Aufwärmübungen. Hampelmann – total easy. Hampelmann extrem: Beine und Arme sollen in verschiedene Richtungen koordiniert werden – unmöglich. Zumindest am Anfang. Schnell zeigte sich, wie irritiert unser Gehirn ist, wenn Arme und Beine verschiedene Dinge tun sollen. Anfängliche Lachanfälle verwandelten sich schnell in Frustration und dann wieder in Motivation, die aufgetragene Übung korrekt auszuführen.

Da ist sie schon, die erste Parallele: Beim Arbeiten – speziell beim agilen – geht es Menschen oft genauso. Neue Anforderungen kommen hinzu, andere werden über Bord geworfen. Gleichzeitig wenden wir verschiedene Techniken an, um den Anforderungen gerecht zu werden. Dabei den Überblick zu behalten und die richtigen Bewegungen richtig zu koordinieren, ist gar nicht so einfach.

Nach den Aufwärmübungen begann das eigentliche Training: Erklärungen zur Führ- und Schlaghand, zum festen Stand, optimaler Gewichtsverlagerung und einfachen Kombinationen von unterschiedlichen Schlägen. Ganz schön schweißtreibend und anstrengend.

Zwei Stunden später endlich das erlösende „Wir sind fertig“. Wir sahen uns an und fragten uns: Was lernen wir nun daraus? Was nehmen die Teilnehmer und wir aus diesem Experiment mit?

Sich mit einer klaren Intention auf Neues einlassen

Die wichtigste Erkenntnis der Teilnehmer war: Kopf und Körper agieren immer zusammen, konditionieren sich gegenseitig und müssen sich immer wieder auf Neues einlassen, wenn es nicht schmerzhaft werden soll. Agile Werte einzuhalten ist essentiell, sowohl im Boxen als auch in der agilen Arbeit: seinem Gegenüber, sei es der Gegner oder das Projektteam, mit Respekt und Offenheit gegenübertreten. Mut beweisen, um neue Wege zu gehen. Dabei aber niemals den Fokus verlieren und die Selbstverpflichtung zu seinem Tun.

Beim Boxen ist es elementar wichtig, explosiv mit einer klaren Intention antreten zu können, abzubremsen, die Laufrichtung zu ändern und erneut anzutreten. Bewegungen werden ständig kontrolliert und die Richtung wird mit geringstmöglichem Energie- und Geschwindigkeitsverlust gewechselt. Darum geht es auch beim agilen Arbeiten.

Erfolgreiches Boxen bedeutet, flexibel und schnellstmöglich auf Veränderungen aus der Situation heraus zu reagieren. Dabei selbstreflektierend die Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Und niemals Annahmen treffen oder von einem bestimmen Verhalten ausgehen. Gute Boxer gehen nie davon aus, dass der Gegner immer mit der Führhand startet – das kann schnell mit Schmerzen enden. Wer beim agilen Arbeiten immer denselben Methodenkoffer einsetzt und nicht zuhört, nachfragt und kommuniziert, trifft bald die falschen Annahmen und Hypothesen.

Nun fragen Sie sich wahrscheinlich, was Sie daraus ableiten und für Ihre eigene Arbeit mitnehmen können. Unser Fazit: Kopf und Körper in Einklang bringen, die Basics lernen, verstehen und anwenden können. Wenn die Basics stimmen, dann können kleine Spielereien eingebaut werden und ein kurzer Haltungswechsel tut auch mal ganz gut.

Das Wichtigste an der Sache? Spaß haben, sich wohl fühlen und immer voll dabei sein!

Sie wollen mehr erfahren und selbst mal ein agiles Boxtraining mitmachen? Joe, Anja und Lena stehen für Fragen und weitere Anregungen sehr gerne zur Verfügung. Und das nächste Box-Meetup im HHometown Fitness kommt bestimmt!

 

Geschrieben von

Lena Jessen Lena Jessen

Strategisches Denken und praktisches Umsetzen – Lena Jeßen kann beides. Zwischen diesen Polen schafft die Industriekauffrau und internationale Betriebswirtin Klarheit über den Weg zum Ziel. Mit ihrem Wissen in Design Thinking und agilen Entwicklungsmethoden hat sie mit und für Ingenieure Produkt- und Qualitätssicherungsstrategien entworfen und gezeigt, dass „New Work“ auch im traditionellen Engineering funktioniert. So war Lena maßgeblich für die Entwicklung der #nwing-Konferenz des VDI verantwortlich.  Aus Lena’s Sicht sind für die gemeinsame Entwicklung von etwas Neuem vor allem zwei Dinge wichtig: die eigene Lust am Lernen und die Fähigkeit, zuzuhören und Fragen zu stellen. Damit gelingt nicht nur eine offene und ehrliche Kommunikation, die ein Wir-Gefühl schafft, sondern auch die Rückkehr der Einfachheit in die verschiedensten Abläufe und Prozesse – und das ist schließlich das Ziel der Agilität.

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