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Als Berater und Scrum Master organisieren wir viele Workshops und Trainings. Wahrscheinlich kennen viele diese Situation: Im Meetingraum ist die Luft nicht nur schlecht, sondern überhaupt raus. Wir schauen in leere Gesichter und merken, dass die Konzentration nachlässt. Und das ist total verständlich! Viele Meetingräume sind schlecht klimatisiert oder haben nur wenig natürliches Licht. Dazu reizen neue Inhalte und Eindrücke die Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmenden vollkommen aus. Ähnlichen Situationen begegnen wir aber nicht nur in Trainings, sondern auch in den wöchentlichen Serien-Meetings, wo alle Gesichter, Inhalte und Abläufe bekannt sind. Ergebnis in beiden Szenarios: Die Teilnehmer werden müde und schweifen ab. Wir verlieren den Fokus. Und das endet meist darin, dass die Meetings noch länger dauern.

Es liegt nahe, dass wir als Facilitator eines Meetings, eines Trainings oder eines Workshops für einen Rahmen und ein Umfeld sorgen, in dem effiziente Kollaboration passieren kann. Trifft uns diese Energieflaute am Schreibtisch, können wir einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft einlegen. Im Meeting haben wir diese bequeme Option nicht.

Daher lege ich euch eine gute Alternative ans Herz: Nutzt Energizer, um euch und eure Arbeitskollegen wieder aufzuwecken. Ihr werdet sehen, in kürzester Zeit sind die Kollegen mit dem Kopf wieder auf Kurs und ihr könnt fokussiert weiterarbeiten. Drei meiner liebsten Energizer-Übungen habe ich euch mitgebracht. Ihr könnt diese Übungen in eure Sprint Meetings einbauen oder einfach selbst machen (und dabei immer an den Scrum-Wert Mut denken).

Illustration Game

Das Illustration Game habe ich erst vor kurzem in meine Favoritenliste aufgenommen. Ich habe es von einer Scrum Masterin gelernt, die ich gerade coache. Es geht darum, in wenigen Minuten kreativ zu werden und die linke Gehirnhälfte zu aktivieren.

Du brauchst: für jeden Teilnehmer einen Stift und Papier.

Und so läuft das ab

  • Der Facilitator fragt die Gruppe nach 10 Begriffen. Dabei gibt es keine Grenzen! Es können Begriffe aus dem Business sein wie „Meeting“ oder „Abstimmung“. Aber auch alle anderen Begriffe sind erlaubt. Also seid kreativ und lasst Begriffe sprudeln! (Apfelkern, Niagarafälle, Weihnachtswunder…)
  • Nun geht es ans Zeichnen. Pro Begriff stehen 15 Sekunden zur Verfügung – der Facilitator stoppt mit. Es erklärt sich von selbst, dass man in dieser Zeitspanne keine Details einfließen lassen kann. Da geht es um die Idee. Innerhalb kürzester Zeit haben alle Teilnehmenden 10 Zeichnungen auf dem Papier.
  • Nun geht es in die Kommunikation. Der Facilitator kann entweder reihum pro Begriff jedes Meisterwerk herzeigen lassen. Oder die Teilnehmer werden gebeten, die lustigsten Highlights kurz zu zeigen. Danach sind alle wieder heiter und können sich auf das nächste Thema stürzen.

Yoga-Atemübung: Purna (bedeutet Fülle)

Die nächste Übung kommt aus meiner Yogapraxis. Im Yoga ist der Atem das Mittel, um Körper und Geist gesund zu halten. Es gibt sogar eine ganze Lehre im Yoga, die sich mit Atemtechniken auseinandersetzt, das Pranayama. Genau daraus habe ich eine ganz einfache, aber effektive Übung mitgebracht, die physische und psychische Energieblockaden auflöst und wieder Platz für Fokus macht. Keine Angst, es wird jetzt nicht esoterisch.

Du brauchst: nichts. Nur die Teilnehmer.

Und so läuft das ab

  • Aufrecht sitzen. Der Facilitator bittet die Teilnehmer, in einen aufrechten Sitz zu kommen. Falls die Gruppe an einem Tisch sitzt, kann er die Gruppe bitten, ein Stück vom Tisch weg zu rutschen, um etwas Abstand zu bekommen.
  • Atem spüren 1. Nun werden die Teilnehmer eingeladen, ihre Augen zu schließen, ihre Hände auf den Bauch zu legen und bewusst 6 bis 10 Atemzüge zu nehmen. Die Teilnehmer können spüren, wie sich die Bauchdecke hebt und senkt.
  • Atem spüren 2. Nun werden die Teilnehmer gebeten, ihre Hände auf die rechte und linke Seite ihres Brustkorbs zu legen, die Daumen schauen nach hinten. Wieder werden sie gebeten 6 bis 10 Atemzüge zu nehmen.
  • Atem spüren 3. Im letzten Teil legen die Teilnehmer ihre Hände auf die oberen Rippen, unterhalb des Schlüsselbeins auf und spüren 6 bis 10 Atemzüge, wie sich ihr oberer Brustkorb langsam hebt und senkt.
  • Zurückkommen. Der Facilitator begrüßt die Teilnehmer im Hier und Jetzt, sobald die Teilnehmer wieder ihre Augen öffnen dürfen. Nun kann es wieder fokussiert ans Eingemachte gehen. Denn auch Ängste, Wut oder Anspannung sind einfach weggeatmet.

Klatschen weiterschicken

Dieses kleine Spiel ist ein absoluter Klassiker und macht trotzdem immer Spaß! Hier trifft Bewegung auf Interaktion – das weckt bestimmt alle auf und sorgt für eine kleine Erfrischung zwischendurch.

Du brauchst: nichts. Nur die Teilnehmer.

Und so läuft das ab

  • First klatsch. Der Facilitator erklärt kurz die Regeln, bittet die Teilnehmer aufzustehen und sich zu lockern. Dann klatscht der Facilitator in die Richtung einer Person. Diese nimmt das Klatschen imaginär auf und gibt es weiter, in die Richtung einer anderen Person. Die ersten Runden sind erst mal langsam, dann wird es aber schneller!
  • Variation! Man kann noch ein paar Besonderheiten einbauen, die für mehr Abwechslung sorgen – das Blocken zum Beispiel. Mit der abwehrenden ausgestreckten Hand kann das Klatschen sofort geblockt werden. Dann gibt es noch das Ducken. Da wird das Ganze erst richtig interessant, wenn die Teilnehmer dem geschickten Klatschen ausweichen und die dahinterstehende Person plötzlich reagieren muss. Wetten, nach wenigen Minuten sind alle voll involviert!

So, das waren sie, meine 3 liebsten Energizer für Sprintmeetings oder das Nachmittagstief. Ich hoffe, ich konnte euch auf ein paar neue Ideen liefern und ihr hattet beim Lesen Spaß und habt Lust bekommen sie auszuprobieren. Jetzt seid ihr dran!

 

Foto: pixabay license, Manuchi

Geschrieben von

Lucia Stiglmaier Lucia Stiglmaier liebt zwei Dinge besonders: Schokolade und den Umgang mit Menschen. Schon während ihres Wirtschaftsinformatikstudiums hat sie als Werkstudentin in Großbanken und Automobilkonzernen aber festgestellt: Nicht jede Personengruppe ist ein Team. Zum Team werden Einzelpersonen erst durch ein gemeinsames Ziel, klare Rollen und geteilte Werte - und genau daran hat Lucia als ScrumMaster in der Softwareentwicklung mitgewirkt. Ihr Erfolgsrezept in der Arbeit mit Teams ist eine Mischung aus Beharrlichkeit, Optimismus und Authentizität. Denn Lucia nutzt die Kraft der fünf Werte von Scrum - Offenheit, Fokus, Mut, Commitment und Respekt - auch für ihre persönliche Entwicklung und setzt Elemente von Scrum für die Organisation ihres Alltags ein. 

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