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Vor einigen Wochen hatten wir in Hamburg gemeinsam mit dem Business Coach Dr. Gerald Schuster unser Meetup zum Thema „Haltung!“. Ein echt persönlicher Rundflug, der einige Gedanken bei mir losgetreten hat, die ich gerne mit euch teilen möchte.

Wir fanden schnell eine gemeinsame Basis: Haltung kommt von innen, Haltung ist ein Teil jedes Einzelnen, Haltung verändert das Bild und die Wahrnehmung über das persönliche Umfeld. Haltung bestimmt, wie flexibel wir auf Veränderungen reagieren und Haltung beeinflusst die Wahrnehmung einer Situation.

Fangen wir jedoch von vorne an: Viele Menschen verstehen unter Agilität die Methoden und Frameworks, die beim Umsetzen von Projekten helfen. Was bei einem ausschließlich methodischen Verständnis aber übersehen wird: Agiles Arbeiten setzt eine entsprechende Haltung, ein entsprechendes Mindset voraus. Agiles Arbeiten bedeutet, sich einem Lernprozess auszusetzen – des Lernens von- und miteinander. Langfristig gesehen verleihen wir damit unserer Arbeit einen tieferen Sinn.

Der Rahmen stützt die Haltung

Das Ziel agiler Frameworks ist, komplexe Systeme zu vereinfachen. Den Prozess des Lernens unterstützen agile Frameworks durch feste Rollen, Meetings und Artefakte. Diese schaffen die Transparenz, Räume und Routinen, die den Menschen helfen, die Kundenbedürfnisse, das Ziel und den Mehrwert des Produkts sowie die Bedürfnisse der anderen im Team besser zu verstehen.

Die Haltung stützt den Rahmen

Gleichzeitig ist es wichtig, dass nach gewissen Prinzipen und Haltungen gehandelt wird, damit die agilen Methoden nicht einfach zu einem Mittel werden, um das Alte unter einem modernen Deckmantel weiterführen zu können. Wenn wir wirklich agil arbeiten wollen, gehen agile Methoden und eine entsprechende Haltung Hand in Hand – das eine geht nicht ohne das andere.

Für die Praxis ist aber wichtig zu verstehen: Das Arbeiten mit agilen Methoden führt dazu, dass im Unternehmen zwei grundsätzlich verschiedene Systeme der Organisation von Arbeit etabliert werden. Dabei kommt es zu Reibungen und agile Initiativen scheitern, wenn nicht dafür Sorge getragen wird, dass sich auch außerhalb agiler Pilotprojekte eine neue Haltung etablieren kann.

„Agile“ ist ehrlich, offen, brutal und radikal transparent. Einzelne Teams starten als agile Inseln und stehen oftmals vor neuen Herausforderungen: Kundenkontakt, Selbstorganisation, Veränderungstoleranz, Vertrauen, Lieferfähigkeit etc. Schnell machen sich Frust und Unruhe breit, wenn die neue Arbeitsweise nicht gleich so funktioniert und so cool ist, wie alle behaupten. Deshalb ist die ganzheitliche Begleitung der Veränderungsprozesse auf fachlicher, unternehmerischer, teaminterner und individueller Ebene so wichtig.

Haltung gibt Halt

Das Wort Haltung beinhaltet „Halt“ – etwas, das in der VUCA-Welt oft zu kurz kommt. Haltung im Sinne eines dynamischen Mindsets begreift Veränderung als Dauerzustand und gibt so in einer ungewissen und unvorhersehbaren Welt eine gewisse Stabilität und Beständigkeit. Dieser Halt bedeutet auch, zu akzeptieren, dass jeder zu jedem Zeitpunkt immer sein Bestes gegeben hat.

Frag dich selbst:

  • Hast du eine Haltung, die Veränderungen unterstützt?
  • Bist du offen für Veränderungen?
  • Hast du Vertrauen in dich und deine Mitmenschen?
  • Übernimmst du gerne Selbstverantwortung?
  • Bist du fokussiert und priorisierst deine Aktivitäten?
  • Kollaborierst du gerne auf Augenhöhe?
  • Bist du bereit, zu lernen und dich mit anderen auszutauschen?

Hast du einige der obigen Fragen mit „JA!“ beantwortet? Dann fang doch gleich mit den ersten kleinen Schritten an, die agilen Prinzipien in deinem Arbeitsalltag und deinem privaten Umfeld zu implementieren. Du musst nicht die gesamte Checkliste der agilen Prinzipien erfüllen, um wirklich agil zu arbeiten. Such dir die Prinzipien heraus, mit denen du dich wohlfühlst und die einen Mehrwert für dich darstellen. Kleine Work-Hacks für ein agileres Miteinander können sein: gemeinsame Retrospektiven, regelmäßige Planungsmeetings, fokussiertes Arbeiten, Freiwilligkeit und viele mehr.

Mach das Leben und deine Arbeit spannender. Hab keine Angst vor Konflikten, übernimm Verantwortung und sei Teil der agilen Transformation – schon morgen!

Geschrieben von

Lena Jessen Lena Jessen

Strategisches Denken und praktisches Umsetzen – Lena Jeßen kann beides. Zwischen diesen Polen schafft die Industriekauffrau und internationale Betriebswirtin Klarheit über den Weg zum Ziel. Mit ihrem Wissen in Design Thinking und agilen Entwicklungsmethoden hat sie mit und für Ingenieure Produkt- und Qualitätssicherungsstrategien entworfen und gezeigt, dass „New Work“ auch im traditionellen Engineering funktioniert. So war Lena maßgeblich für die Entwicklung der #nwing-Konferenz des VDI verantwortlich.  Aus Lena’s Sicht sind für die gemeinsame Entwicklung von etwas Neuem vor allem zwei Dinge wichtig: die eigene Lust am Lernen und die Fähigkeit, zuzuhören und Fragen zu stellen. Damit gelingt nicht nur eine offene und ehrliche Kommunikation, die ein Wir-Gefühl schafft, sondern auch die Rückkehr der Einfachheit in die verschiedensten Abläufe und Prozesse – und das ist schließlich das Ziel der Agilität.

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