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Was kommt heraus, wenn sich 15 Menschen im Angesicht der Corona-Krise einmal die Zeit nehmen, weiter zu denken? Im Rahmen unseres Online-Cocreation-Meetups „Bye bye IAA – Cheers to new beginnings“ haben wir uns mit einem Phänomen der aktuellen Situation auseinandergesetzt: Da alle Veranstaltungen bis auf weiteres abgesagt sind, stehen die Messehallen entweder leer oder sie werden umfunktioniert. Wir haben das Bild der leeren Messehallen für ein Gedankenexperiment hergenommen. Was kann aus Messehallen werden, wenn sie leer stehen? Was uns sofort aufgefallen ist: Jetzt ist die Zeit für große Gedankenexperimente, denn nie war es leichter sich das Unvorstellbare vorzustellen!

Macht die Messe bald anderen Event-Formaten Platz?

Als die Automesse IAA kürzlich von Frankfurt a.M. nach München verlegt wurde, haben wir uns gefragt, was für Möglichkeiten sich dadurch für Frankfurt auftun. Schon bevor wegen Corona alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten, machten die sinkenden Besucherzahlen immer klarer, dass das Format Messe, wie wir es kennen, mittlerweile überholt ist. Mit 15 kreativen Köpfen aus ganz Deutschland haben wir im Meetup den Gedanken freien Lauf darüber gelassen, wie man Messehallen alternativ nutzen könnte und zwar im unmittelbaren Jetzt, in der nahen Zukunft und generell.

Jetzt im Moment dienen viele Messehallen als Behelfskrankenhäuser. Das ist auch gut so. Der Platz wird gebraucht. Aber was passiert im Herbst? Werden einfach neue Messen kommen? Oder wird dieser Bruch auch etwas in den Veranstaltungsformaten verändern? Das alte Format Messe ist zu starr und zu sehr auf den Verkauf ausgerichtet. Nach der aufgezwungenen Pause können wir uns vorstellen, dass es interaktiveren und dynamischeren, also innovativeren Formaten Platz machen wird.

Erlauben wir uns einen Paradigmenwechsel? Vielleicht nutzen wir den Raum Messehalle bald für Ereignisse, die unsere Gemeinschaft stärken, zum Beispiel für große Hackathons, für Sportevents aller Art oder die Mutter aller Barcamps (eine offene Konferenz zu einem bestimmten Thema). Wahrscheinlich ist es sehr natürlich, in unserer jetzigen Situation gerade an Events zu denken, die etwas mit Gemeinschaft und Zusammenkommen zu tun haben.

Im Nachgang zum Meetup hab ich das Ergebnis unseres Gedankenexperiments in dieser Zeichnung festgehalten. Agile Sketching ist übrigens eine tolle Methode, um Gedanken zu visualisieren und kann einfach erlernt werden (hier geht’s zum Training „Agile Sketching“).

Wird die Messehalle zur Experimentierhalle?

Gehen wir einen Schritt weiter. Können wir den neu gewonnenen Platz möglicherweise für Indoor-Spielplätze nutzen? Oder als große Werkstatt und als Makerspace für alle? Pflanzen wir bald Gemüse inmitten unserer Städte an, à la Urban Gardening? Können wir die verteilte Produktion wieder zentral an einen Ort bringen und neue Produktionsformen ausprobieren? Wir könnten sogar versuchen, Wohnraum herzustellen, indem wir z.B. unsere eigenen Tiny Houses bauen und vor Ort so lange testen und verbessern, bis sie wirklich passen.

Entstehen in unseren Messehallen bald moderne Stadtlabore? Oder solidarische Orte, wo wir Work & Life in Balance bringen? Might be! Es tat richtig gut, sich im Meetup von den gegebenen Rahmen zu befreien. Die gesamte Gruppe hat betont, wie wichtig eine solidarische Nutzung ist, der Platz soll wieder den Bewohnern der Stadt zur Verfügung stehen. Die Wirtschaftlichkeit wurde in allen Varianten miteinbezogen, um der heimischen Wirtschaft zu helfen, sich erst abzukühlen und dann wieder zu erholen.

Oder wir öffnen die Messehallen einfach für alle und sehen, was passiert, was die Menschen damit machen und welchen Nutzen dieser neugewonnene Raum bald haben wird.

Unser Fazit

Wir tragen jetzt mehr denn je eine Sehnsucht nach großem Denken in uns. Wir wollen diese Sehnsucht nutzen und die kleinen und großen Chancen ergreifen, um unsere Welt jetzt nach diesem Schock besser wiederaufzubauen. Das Schöne in unserem Gedankenexperiment: Wir denken gemeinschaftlich. Daraus kann sehr viel mehr entstehen, als wir uns manchmal alleine zutrauen würden.

Ich freu mich auf eure Kommentare!

Geschrieben von

Lucia Stiglmaier Lucia Stiglmaier Lucia Stiglmaier liebt zwei Dinge besonders: Schokolade und den Umgang mit Menschen. Schon während ihres Wirtschaftsinformatikstudiums hat sie als Werkstudentin in Großbanken und Automobilkonzernen aber festgestellt: Nicht jede Personengruppe ist ein Team. Zum Team werden Einzelpersonen erst durch ein gemeinsames Ziel, klare Rollen und geteilte Werte - und genau daran hat Lucia als ScrumMaster in der Softwareentwicklung mitgewirkt. Ihr Erfolgsrezept in der Arbeit mit Teams ist eine Mischung aus Beharrlichkeit, Optimismus und Authentizität. Denn Lucia nutzt die Kraft der fünf Werte von Scrum - Offenheit, Fokus, Mut, Commitment und Respekt - auch für ihre persönliche Entwicklung und setzt Elemente von Scrum für die Organisation ihres Alltags ein. 

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