0

Wie in vielen anderen Unternehmen gibt es auch bei uns ein Mentoring-Programm, um neu startenden Kollegen den Einstieg ins Unternehmen zu erleichtern. Und wie nach einem Sprint empfehlen wir auch fürs Mentoring nach einer angemessenen Zeit eine Retrospektive. Die Erkenntnisse unserer Retro möchten wir, Tihomir (Mentor), Lucia und Moritz (Mentees), heute mit euch teilen, um zukünftigen Mentees und erstmaligen Mentoren den Einstieg zu erleichtern.

Highlights, die wir (Mentor & Mentees) aus dem Format mitnehmen

Tihomir Vollmann-Popovic: Mentor

Mentoring braucht keinen Plan, sondern eine Vision

Tihomir Vollmann-Popovic: Mentor

Mentoring ist eine großartige Erfahrung. Die Person, die dir an ihrem ersten Tag im Unternehmen gegenüber sitzt, ist voller Erwartungen und gespannt zu erfahren, wo sie hier gelandet ist – ganz unabhängig davon, was sie vorher schon erlebt hat.

Es hat keinen Zweck, einen detaillierten Mentoring-Plan aufzustellen, den ich dann um jeden Preis umsetzen will. Letztendlich ist es nicht agil, sich nur auf die eigenen Ideen zu fokussieren, ohne den User des Mentoring-Prozesses zu verstehen. Wichtiger ist es, ihm die Werte und die Vision des Unternehmens mitzuteilen sowie die Prinzipien, mit denen wir arbeiten und wie wir die Welt sehen. Dieses Unternehmen ist mehr als ein Backlog an Dingen, die zu tun sind, es ist eine Kultur. Je früher meine Mentees das Gefühl haben, dass sie die Kultur erfasst haben und Teil von ihr werden, desto angenehmer und produktiver wird der Mentoring-Prozess.

Das Pull-Prinzip funktioniert wirklich

Vielleicht ist es einfach eine Glücksfrage, wer die Mentees sind. Aber vorausgesetzt, dass die “Kultur” kein Stolperstein ist und keine Missverständnisse begünstigt, ist es vollkommen in Ordnung, die Mentees einmal auf eigene Faust losziehen zu lassen. Sie brauchen weder Hilfe noch To-dos, denn sie wissen selbst, wann sie etwas brauchen und wann nicht. Wenn ich das Gefühl habe, dass das nicht der Fall ist, dann gibt es eine einfache Lösung – ich rufe sie an. Ich frage, wie es ihnen geht, woran sie gerade arbeiten und wiederhole, was vermutlich jeder borsigloger-Mentor als einen der ersten Sätze zu neuen Kolleginnen und Kollegen sagt: “Fragen statt suchen.”

Lucia Stiglmaier: Mentee

Eine Einladung in das neue Team

Lucia Stiglmaier: Mentee

Gerade als ich neu in unser Team kam und die Team-Dynamik und die unausgesprochenen Regeln noch nicht kannte, war mein Mentor mein Übersetzer und Bindeglied. So konnte ich viel schneller ein gemeinsames Verständnis entwickeln und nach kurzer Zeit konnten wir produktiv zusammenarbeiten.

Reflexion

Die eigene Entwicklung reflektieren ist ein essentieller Bestandteil in einer neuen Position. Zuvor hatte ich das nur einseitig erlebt: Ich machte mir Gedanken über meine Entwicklung in einer neuen Position. Durch ein Mentoring-Programm wird diese Reflexion des eigenen Verhaltens, des eigenen Fortschritts und der erzielten Ergebnisse ergänzt durch neue Impulse von außen. Das eröffnet mir bei vielen Gesprächen neue Perspektiven.

Regelmäßiger Austausch für fachliche Themen

Dieser Aspekt ist für mich ein ganz wichtiger. Wir werden jeden Tag erneut auf die Probe gestellt. Neue Fragen prasseln auf uns herein, genauso wie neue Probleme und neue Umstände. Natürlich kann man nicht in jeder Situation den Mentor um Hilfe bitten, das wäre wohl eher kontraproduktiv. Wenn wir uns aber die Zeit nehmen, einmal in der Woche zu reflektieren: Wie gehe ich an eine Aufgabe heran? Welche Challenges habe ich gerade vor mir? Wie kann ich lösungsorientiert agieren? Das hat mir immer sehr geholfen.

Moritz Müller: Mentee

Hilfe bekommen

Moritz Müller: Mentee

Oft, wenn ich einen neuen Job oder eine neue Aufgabe übernehme, stehe ich wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg und habe keine Ahnung, wie und wo ich jetzt eigentlich anfangen soll. Zwar herrscht bei uns das Prinzip “Fragen statt suchen”, aber gerade beim Start möchte ich mich beweisen und den neuen Kollegen zeigen, was ich kann. Da das aber aus meiner Sicht oftmals zu einem Verrennen und weniger zu einem Sprint in die richtige Richtung führt, ist es extrem hilfreich, einen Mentor zu haben, welcher einem hilft in diesen ersten Tagen und Wochen. Es gibt einen Anlaufpunkt und ich kann mich erstmal auf eine Person konzentrieren, mit der ich zusammenarbeite und Fragen, sei es fachlicher oder administrativer Natur, besprechen kann.

Adäquate Herausforderung durch den Mentor

Bei borisgloger sind wir immer füreinander da und helfen unseren Kollegen, das gleiche gilt auch für die Beziehung zwischen Mentor und Mentee. Mit einem wichtigen zusätzlichen Aspekt: Wenn man eine Frage hat, gilt immer der Grundsatz, eine mögliche Lösung vorzuschlagen und gemeinsam, mit Hilfe des Feedbacks des Kollegen, die Lösung weiterzuentwickeln, ganz im agilen Sinne. Es wird nicht erwartet, dass man alles kann oder weiß, aber dass man sich vorher darüber Gedanken macht, um so schneller zu lernen. Diese Herausforderung hilft beiden, Mentor und Mentee, extrem, da es auch sein kann, dass der Mentee für ein Problem mit einer Lösung aufwartet, an die der Mentor vielleicht gar nicht gedacht hat.

Fast Feedback

Viele unserer Kollegen, die als Mentor Verantwortung übernehmen, verabreden mit ihren Mentees einen wöchentlichen Call, oft am Freitag, quasi als Wochen-Check-out. Manche Kollegen geben sich eine feste Agenda, manche nicht. Wichtig ist hier die Regelmäßigkeit. Oft geht es in diesen Calls einfach darum, was den Mentee aktuell beschäftigt und es gibt die Option, sich schnell Feedback auf Probleme und die entsprechenden Lösungsansätze einzuholen. Mit der Zeit entwickelt sich eine Balance zwischen Mentor und Mentee und einige Kollegen führen diesen Call auch nach der Mentoring-Zeit fort.

Challenges, denen wir gegenüberstehen

Mentoring beruht auf Gegenseitigkeit

Tihomir Vollmann-Popovic: Mentor

Als Mentor muss ich verstehen und lernen (hierin bin ich Mentee), was der eigentliche Mentee erreichen möchte (ob deutlich zum Ausdruck gebracht oder implizit) und wie er oder sie das erreichen möchte. Mentoring ist ein Prozess des Möglichmachens, der damit beginnt, dass ich mein Wissen über die Spielregeln teile und anschließend die Entwicklung hin zum Teamplayer unterstütze. Der Schlüssel für eine gute Gesprächsbasis ist, zu verstehen und wertzuschätzen, dass der Mentor auch ein Mentee ist, während der Mentee auch ein Mentor ist. Die Herausforderung ist, zu wissen, wann du ein mentee bist und wann ein Mentor.

Alle Antworten parat haben

So bereichernd Mentoring auch ist – und das ist es im Großen und Ganzen – es kann auch stressig und herausfordernd sein. Ich übernehme Verantwortung, eine Leadership-Rolle und befähige meine Mentees. Manchmal fühlt es sich so an, als müsste ich alle Antworten wissen, vor allem wenn einer meiner Mentees in der Arbeit mit neuen Kunden auf Herausforderungen trifft oder wenn es darum geht, einen “Platz” für ihn oder sie zu finden. Ein Mentor muss aus dieser Denkart herauskommen, um die Mentees zu führen und ihnen die richtigen Fragen zu stellen. Die Mentees sollen den Weg des Mentors nicht kopieren und normalerweise haben sie selbst schon die Antworten auf ihre eigenen Herausforderungen. Als Mentor bin ich ihr Sparring-Partner. Mein Ratschlag an euch: Lernt, Fragen zu stellen und genießt, wie schnell die Antworten auftauchen.

Immer die Zeit finden

Lucia Stiglmaier: Mentee

Einen gemeinsamen Zeitpunkt für ein Telefonat oder ein persönliches Gespräch zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach. Für mich ist es immer noch schwierig, mich immer von mir selbst aus zu melden. Mir hat am Anfang geholfen, dass mein Mentor sehr stark auf mich zugegangen ist, wir haben Regeltermine aufgesetzt, um uns an unsere Mentoring Gespräche zu erinnern.

Die richtigen Themen adressieren und die richtigen Fragen stellen

Wenn man in einem Mentoring-Verhältnis steht, darf man nie vergessen, dass sich da eine andere Person gerade sehr viel Zeit nimmt, um sich mit den eigenen Problemen auseinanderzusetzen. Deshalb ist es für mich wichtig, respektvoll mit dieser Zeit umzugehen. Dazu gehört neben der Pünktlichkeit auch die Vorbereitung. Daher versuche ich immer, mir vor einem Gespräch die Frage zu stellen, ob es für mich Erwartungen und Wünsche an das Gespräch gibt. Falls ja, kann ich meine Fragen so auch besser platzieren.

Herausfinden, was und wie man fragt

Moritz Müller: Mentee

Zum Anfang verlief mein Mentoring etwas oberflächlich, was sicherlich auch an meiner Scheu lag, detaillierte und tiefergehende Fragen zu stellen. Aber auch mein Mentor musste erst herausfinden, wie weit er bei mir mit Nachbohren gehen kann. Verbleiben beide in diesem Status und arbeiten nicht an ihrer Beziehung, kann es passieren, dass die Fragen an der Oberfläche bleiben und Themen nur aus einer Vogelperspektive betrachtet werden. Ich habe gelernt, dass es eminent wichtig ist, möglichst konkrete Fragen zu stellen und die konkreten Situationen und den Kontext wiederzugeben, um eine befriedigende Antwort zu erhalten. Auch dies unterliegt einem Lernprozess, von dem aber am Ende beide Seiten profitieren. Mein Mentor fühlte sich wertgeschätzt und hat gelernt, was neue Kollegen möglicherweise beschäftigt bzw. worauf er vielleicht beim Onboarding besonders hinweisen sollte und ich bekam schnell die richtigen Antworten.

Mentoring ist keine Einbahnstraße

Damit das Mentoring richtig funktionieren kann, muss ich akzeptieren, dass wir beide vom Mentoring profitieren werden. Klar, am Anfang wird das Pendel mehr in Richtung des Mentees ausschlagen. Bei einer guten Beziehung wird sich dieses Verhältnis aber ausbalancieren. Dazu gehört, dass der Mentor akzeptiert, dass auch er etwas lernen kann und der Mentee akzeptiert, dass er nicht nur nehmen, sondern auch geben kann. Zum Beispiel gab es eine Situation, in der mein Mentor ein Meeting in der Bankingbranche vorbereiten und moderieren musste. Zwar hatte er in diesem Bereich schon einige Erfahrung als Berater, aber gleichzeitig hat er sich daran erinnert, dass ich einen Bankinghintergrund habe. Aus diesem Grund hat er die Chance genutzt und mich nach meiner Meinung bzw. Perspektive gefragt, obwohl ich erst kurz dabei war. Er konnte also seinen Plan mit jemandem challengen, der quasi selbst noch in der Branche war, und so eine Insider-Perspektive bekommen.

Selbst wissen, wo man hin will

Es funktioniert nicht, zu sagen: Lieber Mentor, hier bin ich, sag mir, wo es lang geht und das mache ich dann. In regelmäßiger Selbstreflexion gilt es, mir selbst klar zu werden, was ich erreichen will. Will ich in einem Thema zum Experten werden? Will ich Trainer werden? Welche Projekte interessieren mich? Die Beantwortung dieser Fragen kann mir kein Mentor abnehmen. Er kann mich aber im Denkprozess unterstützen und mit Hilfe seiner Erfahrung mögliche nächste Schritte aufzeigen. Gehen muss ich diese aber alleine.

Das nehmen wir für zukünftige Mentorings mit

Wir geben dem Mentoring als Format der Einladung, des Austauschs, des Feedbacks und der Reflexion ein positives Feedback. Es funktioniert und erfüllt seinen Zweck. Erfolgsfaktoren waren bei uns auf jeden Fall das Pull-Prinzip und das ebenbürtige Verhältnis von Mentee zu Mentor.

Wie bei jeder Retrospektive zählen aber am Ende die Maßnahmen. Aus den Challenges leiten wir folgende Verbesserungen für ein neues Mentee-Programm ab:

  • Die Mentees gestalten eine Agenda für die eigene Entwicklung, (inspect & adapt) und teilen diese proaktiv mit dem Mentor.
  • Mentee und Mentor finden einen gemeinsamen Regeltermin, der für beide passt.
  • Mentees fragen einfach nach und lernen dabei, Fragen so zu stellen, dass sie schnell eine hilfreiche Antwort bekommen.
  • Der Mentor kommuniziert dem Mentee von Beginn an, dass die Mentoring-Beziehung auf Gegenseitigkeit beruht und beide voneinander lernen werden.

Ihr habt ebenfalls ein Mentoring-Programm bei euch in der Company? Lasst uns gern in einen Austausch gehen. Falls ihr bei euch auch ein solches Programm implementieren wollt, stehen wir euch gerne zur Seite! Schreibt uns einfach in den Kommentaren oder per E-Mail an office@borisgloger.com.

Bild: Unsplash License, Danielle MacInnes

Geschrieben von

Tihomir Vollmann-Popovic Tihomir Vollmann-Popovic Analytisch und leidenschaftlich zugleich geht Tihomir Vollmann-Popovic persönlich mit Veränderungen um. Das seien keine Gegensätze, sagt er, sondern die wichtigsten Ingredienzen, wenn man Fortschritt möglich machen will. Damit ist das volle Commitment zu einer Sache eng verbunden, das der Politologe schon im Projektmanagement und der Beratung für (über-)staatliche Organisationen, NGOs  und Unternehmen in zahlreichen internationalen Projekten gezeigt hat. Tihomir Vollmann-Popovic fällt es dank seiner internationalen Prägung leicht, Netzwerke zu knüpfen und er hat die Fähigkeit, Vertrauen innerhalb von Teams aufzubauen und zu stärken. Kombiniert mit klarer, offener Kommunikation und methodischem Denken führt er Teams sicher in die Verbesserung.

Ähnliche Beiträge: