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Homeoffice war am Anfang eine gravierende Umstellung. Langsam habe ich mich daran gewöhnt und sogar Gefallen daran gefunden. Ihr habt sicherlich für euch inzwischen auch einige Vorzüge festgestellt, wie eine entspannte Morgenroutine, eine Pause mitten am Tag oder früher Feierabend statt langem Nachhauseweg im Berufsverkehr. Aber was kommt nach dem Homeoffice: Zurück ins Büro? Zurück in die alte „Normalität“?

Keine Frage, ich freue mich darauf, wieder in den Kontakt mit meinen Kolleginnen und Kollegen zu kommen. Ich freue mich auf die Gespräche, gemeinsames Kaffeetrinken und Mittagessen, ohne Web-Session gemeinsam produktiv an einem Thema zu arbeiten, echte Emotionen auf den Gesichtern zu erkennen. Aber mal ganz ehrlich: Wollen wir wirklich wieder ganz zurück ins alte „Normal“?

Vor drei Monaten haben wir uns noch gefragt: Was macht die Quarantäne mit uns?

Wie wirkt sich die Isolation auf uns aus? Und heute sage ich ganz provokant: Die Antwort auf die Fragen bestimmen wir selbst! Nutzt das Brechen alter Gewohnheiten bei euch selbst, bei euren Kollegen und in eurem gesamten Unternehmen.

Fragt euch selbst

Was nehme ich mit aus dieser Zeit? Habe ich für mich etwas gelernt? Gibt es z.B. Tageszeiten, zu denen ich besonders produktiv bin? Gibt es Aufgaben, bei denen ich unbedingt mit jemandem zusammenarbeiten möchte? Welche Frequenz an persönlichem Kontakt am Tag tut mir gut und wo brauche ich Fokusphasen?

Fragt euer Team

Bei welchen Themen hat die Remote-Zusammenarbeit Spaß gemacht? Wollen wir einzelne Homeoffice-Tage beibehalten? Sind bestimmte Arbeitsmeetings, vielleicht wirklich produktiver remote, z.B. weil wir im Review einfacher den Bildschirm teilen können? Wollen wir unsere Arbeitsweise grundsätzlich in Frage stellen? Brauchen wir als Team eine Neuausrichtung? Vielleicht haben wir im Homeoffice festgestellt, dass wir mit manchen Kolleginnen oder Kollegen, mit denen wir normalerweise nicht zusammensitzen, mehr zusammenarbeiten wollen. Sind unsere Ziele jetzt überhaupt noch relevant? Brauchen wir noch diese 4.0000 Meetings, die vorher in den Kalendern standen?

Fragt eure Vorgesetzten

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um kulturelle und methodische Veränderungen einzuläuten? Ist die Art, wie wir uns organisieren, überhaupt noch zeitgemäß? Brauchen wir noch Präsenzzeiten und verpflichtendes „am Arbeitsplatz Zeit absitzen“? Ist die Art der Mitarbeiterbewertung bei uns nicht überholt? Und verfolgen wir unternehmerisch gesehen die richtigen Ziele im Zeitalter der Digitalisierung? Sollten wir jetzt nicht für alle Laptops besorgen und ENDLICH die nötige digitale Infrastruktur herstellen?

Habt keine Angst und stellt eure bisherige Kultur und Arbeitsweise in Frage

Wann, wenn nicht jetzt, ist die richtige Zeit in Richtung Selbstorganisation zu gehen? Ladet euer Team ein, selbst über eine sinnvolle Team-Aufteilung zu diskutieren. Mistet radikal die Terminkalender aus und nutzt neu gewonnene Freiheiten in der Arbeitsplatzwahl.

Wir bieten übrigens auch „Corona Retros“ an. Vielleicht ist das euer erster Schritt zur lernenden Organisation?

Bild: Unsplash License, Linus Nylund

Geschrieben von

Lucia Stiglmaier Lucia Stiglmaier Lucia Stiglmaier liebt zwei Dinge besonders: Schokolade und den Umgang mit Menschen. Schon während ihres Wirtschaftsinformatikstudiums hat sie als Werkstudentin in Großbanken und Automobilkonzernen aber festgestellt: Nicht jede Personengruppe ist ein Team. Zum Team werden Einzelpersonen erst durch ein gemeinsames Ziel, klare Rollen und geteilte Werte - und genau daran hat Lucia als ScrumMaster in der Softwareentwicklung mitgewirkt. Ihr Erfolgsrezept in der Arbeit mit Teams ist eine Mischung aus Beharrlichkeit, Optimismus und Authentizität. Denn Lucia nutzt die Kraft der fünf Werte von Scrum - Offenheit, Fokus, Mut, Commitment und Respekt - auch für ihre persönliche Entwicklung und setzt Elemente von Scrum für die Organisation ihres Alltags ein. 

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