Lean Startup: die Sicherheitsleine für jedes Unternehmen

Harvard-Experten haben herausgefunden, dass 75 Prozent der neu gegründeten Start-ups pleite gehen. Das sind drei von vier! Wie schafft man es also, die richtige Produktidee auf den Markt zu bringen und woher weiß man, dass das Produkt oder die Leistung auf ausreichend Nachfrage treffen wird? Eine Kristallkugel haben wir leider nicht, aber eine empirische Methode: Lean Startup steht für schlanke Prozesse zur Bestätigung unserer Hypothese und das Lernen durch iteratives und kundenzentriertes Testen.

Schlank bedeutet schnelles und ökonomisches Prüfen der Markttauglichkeit einer Produktidee oder Tragfähigkeit eines Geschäftsmodell. Durch kontinuierliches Kundenfeedback und das Testen von Hypothesen werden möglichst frühzeitig Rückschlüsse in der Produktentwicklung gezogen. Der Ablauf ist als ”Build-Measure-Learn”-Zyklus bekannt.

© borisgloger

Warum scheitern nun drei von vier Start-ups? Das mag daran liegen, dass die Teams dahinter von ihrer Idee so überzeugt sind, dass sie diese nicht ausreichend testen, weil sie das Risiko unterschätzen. Im Lean Startup konzentriert man sich auf das Wesentliche, das heißt: ein Bedürfnis identifizieren und dieses mit einem Produkt oder Geschäftsmodell sättigen.

1. Vorkehrungen treffen

In umkämpften Märkten ist die Fähigkeit, immer wieder neue Produkte oder Dienstleistungen erfolgreich auf den Markt zu bringen, zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil geworden. Genau dort setzt Lean Startup an. Aber bevor eine Idee überhaupt bearbeitet wird, wird diese exzessiv geprüft mit Design Thinking, Freewriting, PESTEL Analyse, SWOT-Analyse, Marktanalyse, Marktgröße und Konkurrenzanalyse. Denn eine marktfähige Innovation muss echte Probleme für die Verbraucherinnen und Verbraucher lösen. Mit der Lean-Startup-Methode (Build – Measure – Learn) geht Innovation dann Hand in Hand mit einem Bedarf, der auf dem Markt noch nicht gedeckt ist.

2. Geduld und Hingabe

Ein zentrales Element innerhalb der Lean-Startup-Methode ist die Erstellung des MVP: des aus Scrum bekannten Minimum Viable Products. Das heißt, es ist eine Basisversion des Endprodukts, die aber bereits funktionsfähig genug ist, damit erste Anwender und Anwenderinnen (Early Adopters) sie nutzen können, sogar dafür bezahlen, so ihr Interesse an diesem Produkt zeigen und wichtiges Feedback geben.

Wir können dieses Basisprodukt auch MAP – Minimum Awesome Product – nennen. Damit drücken wir aus, dass das Produkt schon in seiner ersten Version einen realen Nutzen schaffen muss, nach dem es reale Nachfrage gibt. Dadurch, dass wir bei der Fertigstellung unseres ersten Produkts “nachlässiger” sind – wir streben keine Perfektion an – haben wir die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit aufeinander folgende Tests durchzuführen, bis wir die von uns gesuchte Bestätigung finden. Wir sagen gerne: Für das erste MVP muss man sich schämen.

Ein Geschäftspartner und ich hatten einmal die Hypothese, dass Motorradfahrer in Madrid an einer App für einen mobilen Waschservice interessiert wären. Unsere erste Version war ein Whatsapp-Chat, in dem uns die Early Adopters sagten, wo ihr Motorrad steht und wann es gewaschen werden soll. In einer schnelllebigen und volatilen Welt hat diese Vorgangsweise einen entscheidenden Vorteil: eine schnelle Markteinführung (geringere Time-to-Market), die uns reales Feedback gibt, welches wichtiger ist, als von Anfang an die perfekte Lösung für das Problem zu finden. Anders formuliert: Der Weg formt das Ziel. Es hat ja keinen Sinn, ein Produkt für 2022 zu planen, denn wer weiß, ob es dann noch Relevanz hat.

3. Iteratives Lernen

Ein Eckpfeiler innerhalb der Lean-Startup-Methode ist das Lernen, weil es zu dem Produkt führt, das wir entwickeln wollen. Nach jeder neuen Iteration wird das Produkt denjenigen gezeigt, die es später nutzen werden, um ihr Feedback zu sammeln (von ihrer direkten Aussage bis zur Analyse ihres Umgangs mit dem Produkt). Die Probleme, die sich aus dem Sprung ins Unbekannte ergeben, werden nach und nach beseitigt (Scrum lässt grüßen). Ich spreche nicht von Null Risiko (das Leben ist wunderbar, aber nicht so toll), aber Sie werden nachts sicherlich ruhiger schlafen, weil Sie wissen, dass Ihr Produkt vor einem pompösen Launch Day bereits von echten Kunden validiert und für gut befunden wurde.

Zusammengefasst

Planen Sie eine neue Produkteinführung oder ein neues Geschäftsmodell aufzusetzen? Vermeiden Sie es gleich zu Beginn, in die falsche Richtung zu gehen und holen Sie augenöffnendes Feedback ein, indem Sie die Lean-Startup-Methode anwenden.

Titelbild: Unsplash License, Patrick Hendry

Geschrieben von

Steffen Bernd Steffen Bernd Ob es Prozesse, Organisationen oder ihn selbst betrifft – Verbesserungen sind Steffen Bernds Leidenschaft. Vor allem, wenn dabei konstruktives Feedback und Motivation Hand in Hand gehen. In seinem Werkzeugkoffer findet er dafür neben den agilen Methoden auch Coaching- und effektive Kommunikationsansätze. Als erfahrener und zertifizierter Business Coach mit einer Affinität für Sprachen versteht er sich sowohl auf das Analysieren als auch auf das kreative Zusammenarbeiten. Seine Schwerpunkte setzt er in Lean Six Sigma, agile Prozessbegleitung und effektiver Kommunikation. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit seinem Sohn, beim Crossfit oder als ehrenamtlicher Lifecoach für Hilfsorganisationen.

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