Wie man große Projekte mit Scrum4Schools plant: Scrum4Schools an der IGS Süd #2

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Süd und borisgloger consulting haben 2020 ein gemeinsames Projekt zu den UN-Nachhaltigkeitszielen mit Scrum4Schools durchgeführt – das „Global Goals“-Projekt. Rund 500 Schülerinnen und Schüler und 30 Lehrkräfte waren an der Umsetzung beteiligt. Im ersten Beitrag der Reihe haben wir berichtet, wie es zu unserer Kooperation kam und was wir beim Kick-off unseres ersten skalierten Scrum4Schools-Projekts gelernt haben. Mit dem zweiten Beitrag geben wir interessierten Pädagoginnen und Pädagogen einen Leitfaden an die Hand, der auf unseren Erfahrungen bei der IGS Süd aufbaut und mit dem ihr optimal vorbereitet euer erstes eigenes großes Scrum4Schools-Projekt starten könnt.

1. Alles beginnt mit einer Idee

Wenn Lehrkräfte auf uns zukommen, um Scrum4Schools mit ihren Schülerinnen und Schülern auszuprobieren, dann haben sie für gewöhnlich bereits eine konkrete Idee, in welchem Fach und zu welchem Thema sie mit der Methode arbeiten wollen. Bei der IGS Süd waren das die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und der Gedanke, dass junge Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld etwas dazu beitragen können, diese zu erreichen.

2. Lernziel formulieren & andere dafür begeistern

Eine Idee allein beantwortet aber noch nicht automatisch die Frage nach dem WARUM: Warum machen wir dieses Projekt? Welchen Sinn hat es? Warum ist das Projekt für mich und die Schülerinnen und Schüler, für die anderen Lehrkräfte und die Schule insgesamt bedeutungsvoll? Diese Fragen haben wir auch den Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern der IGS Süd gestellt, um ein gemeinsames Verständnis des Lernziels zu schaffen. Die Antworten finden sich auf dem Foto. Die Klärung der Vision bzw. des Lernziels ist essentiell für den Projektstart. Nehmt euch Zeit dafür und benennt das Lernziel so konkret wie möglich! Menschen streben in ihrem Tun nach Sinn und arbeiten dann besonders engagiert und motiviert mit, wenn sie von einer Sache überzeugt sind und daran glauben. Das gilt sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für weitere Lehrkräfte, die zur erfolgreichen Vorbereitung und Durchführung des Scrum4Schools Projekts benötigt werden.  

3. Kolleginnen und Kollegen so früh wie möglich einbinden

Holt alle am Scrum4Schools-Projekt beteiligten Lehrkräfte so früh wie möglich mit an Bord und bindet sie aktiv in die Vorbereitung mit ein. So haben alle Kolleginnen und Kollegen ausreichend Zeit, sich sowohl inhaltlich als auch methodisch vorzubereiten und später selbstsicher und gut gerüstet ins Projekt zu starten. Stellt ihnen die Projektidee und das Lernziel vor. Wenn ihr möchtet, bittet die Kolleginnen und Kollegen um Feedback. Je größer und komplexer das Projekt, desto früher solltet ihr mit der Vorbereitung anfangen – besonders beim ersten Mal. An der IGS Süd hat beispielsweise ein sehr engagiertes fünfköpfiges „Transition Team“ die Planung und Vorbereitung des Gesamtprojekts hauptverantwortlich koordiniert.

4. Scrum4Schools Methodentraining durchführen

Zur Schulung der Lehrkräfte empfehlen wir, rechtzeitig vor dem eigentlichen Projektbeginn ein Scrum4Schools-Methodentraining durchzuführen. Dabei erlernen die Lehrkräfte die Grundlagen des agilen Arbeitens und erfahren, wie sie die Methode später im Unterricht einsetzen können. Bei der IGS Süd haben wir dieses Training vor Ort durchgeführt. Wegen Corona sind wir in die Turnhalle ausgewichen, um die Hygienestandards einzuhalten. Gerne machen wir das Training aber auch remote. Schickt uns einfach eine Anfrage.

5. „Learning by doing“: Agiles Arbeitsmodell entwickeln und anwenden

Bei großen Scrum4Schools-Projekten sind in der Regel viele Lehrkräfte beteiligt. An der IGS Süd waren es knapp 30 Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter. Mit der Anzahl der Personen steigt auch der Koordinierungsaufwand. Daher bietet es sich an, bereits in der Vorbereitungsphase mit der Scrum4Schools Methode zu arbeiten und ein für euch passendes agiles Arbeitsmodell zu entwickeln: Bildet kleinere Teams bzw. Arbeitsgruppen (jeweils zwei bis vier Lehrkräfte), die an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten, die vor Projektbeginn erledigt werden müssen. Diese Teams sollten sich jeweils selbstorganisiert und möglichst autark um die Finalisierung einzelner Teilaufgaben kümmern können, z. B. um Technik, Öffentlichkeitsarbeit, Material- und Methodensammlung etc.

6. „Transition Team“ bilden

Dem Vorbild der IGS Süd folgend empfehlen wir bei großen Scrum4Schools Projekten die Bildung eines übergeordneten „Transition Teams“, das die Verantwortung für die Gesamtkoordination des Projekts übernimmt. Um sich gegenseitig auf dem aktuellen Stand zu halten und mögliche Abhängigkeiten untereinander zu klären, sollte im „Transition Team“ eine ständige Vertreterin oder ein ständiger Vertreter aus jeder Arbeitsgruppe sitzen. Idealerweise bleibt diese Person immer dieselbe. Die einzelnen Teams entscheiden selbst, welche Lehrkraft sie im „Transition Team“ vertreten soll.

7. Treffen und Artefakte festlegen

Sowohl für das „Transition Team“, als auch die einzelnen Arbeitsgruppen gilt: Einigt euch auf gemeinsam genutzte Artefakte (z. B. ein gemeinsames Taskboard, einen MS Teams Channel etc.) und regelmäßige Treffen, die den Realitäten eures Schulkontexts gerecht werden. Orientiert euch in der Zusammenarbeit an den Scrum4Schools-Treffen (siehe Bild) und folgt dem hier zugrunde liegenden Prinzip „Plan – Do – Check – Act“. Dadurch sammelt ihr bereits vor dem eigentlichen Projektstart Erfahrungen mit der Arbeitsweise nach Scrum4Schools. Das gemeinsame Ausprobieren fördert den eigenen Lernprozess, baut Kompetenzen aus und schaff Sicherheit im Umgang mit der Methode. In manchen Schulen treffen sich die beteiligten Lehrkräfte z. B. wöchentlich zu einer „Teamsynchronisation“, in anderen nur alle zwei Wochen.

Jede Schule ist mit einer anderen Realität konfrontiert. Scrum4Schools gibt euch ein agiles Framework für den Bildungsbereich an die Hand, das ihr auf euren spezifischen Kontext anpassen könnt und sollt. Detaillierte Hintergrundinformationen zur Methode, den Treffen und Artefakten findet ihr in unserer freizugänglichen Scrum4Schools Checkliste.

8. Aufgaben erledigen, Ergebnisse rechtzeitig liefern

Vor dem Projektstart müssen eine Reihe von Dingen organisiert und vorbereitet werden, damit die Schülerinnen und Schüler am Stichtag reibungslos ins Projekt starten können. Die Aufgaben variieren natürlich von Projekt zu Projekt. Bei Scrum4Schools Projekten arbeiten wir z. B. immer mit einem „Erkundungsauftrag“. Der Erkundungsauftrag beinhaltete die Aufgabenstellungen für die Schülerinnen und Schüler und wird von den Lehrkräften erstellt. Mehr dazu könnt ihr in der Scrum4Schools Checkliste nachlesen.

Weitere Aufgaben, die oft anfallen, sind die technischen Rahmenbedingungen klären und gegebenenfalls herstellen, geeignete Räume finden und Material vorbereiten. Die IGS Süd wollte mit allen Schülerinnen und Schülern am selben Tag gemeinsam ins Projekt starten. Für die Vorbereitung dieses „Kick-off-Tags“ hat ein Teil des „Transition Teams“ ein Einstiegs-Video gedreht, das zeitgleich in allen Klassenräumen gezeigt werden sollte. Es musste also ausreichend Technik (Beamer, Laptops etc.) organisiert werden.

9. Kick-off des Projekts

Und wenn dann alles vorbereitet ist, heißt es nur noch: Los geht’s! Wie der Kick-off mit der IGS Süd gelaufen ist, darüber haben wir hier schon geschrieben.

Mit diesem Leitfaden seid ihr nun gut für den Start in euer eigenes Scrum4Schools-Projekt gerüstet. Wir freuen uns, wenn ihr eure Erfahrungen mit uns teilt oder die Liste ergänzt, wenn ihr bemerkt, dass noch etwas fehlt. Gerne unterstützen wir euch bei eurem Projekt! Nehmt einfach an einem Scrum4Schools-Training teil oder kontaktiert uns direkt.

Bleibt dabei: Mit dieser Blogreihe begleiten wir das Scrum4Schools Projekt an der IGS Süd. Wir freuen uns über euer Feedback und den Austausch mit euch in den Kommentaren und auf Social Media.

Geschrieben zusammen mit Moritz Müller.

Die Reihe: Scrum4Schools an der IGS Süd #3

#1 “Unser erstes skaliertes Schulprojekt”

#2 “Wie man große Projekte mit Scrum4Schools plant”

#3 “Retrospektive zum „Global Goals“-Projekt”

Bild: Unsplash License, Anna Samoylova

Geschrieben von

Laura Vollmann-Popovic Laura Vollmann-Popovic Die Themen Bildung und Beteiligung beschäftigen Laura Vollmann-Popovic schon sehr lange. Seit vielen Jahren arbeitet sie mit Schulen zusammen und unterstützt Schüler:innen und Lehrerkräfte dabei, Bildungsprozesse aktiv mitzugestalten. Der erste Schritt dahin: den Spaß am Lernen in die Klassenzimmer bringen! Als Trainerin für Scrum4Schools unterstützt Laura junge Menschen dabei, Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen, ihre Teamfähigkeit, Selbstsicherheit, Kreativität und Sozialkompetenzen zu stärken und Schule zu einem Ort zu machen, an dem man gemeinsam fürs Leben lernt. Ihr Talent, Menschen für Neues zu begeistern, setzt sie auch privat ein und organisiert u. a. politische Studienreisen nach Bosnien und Herzegowina. Gemeinsam mit Anna Czerny, Program Manager für Scrum4Schools in Österreich, hat sie ehrgeizige Pläne für Scrum4Schools.

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Moritz Müller Moritz Müller Für Moritz Müller ist Agile das erste Konzept, in dem das Lernen aus Fehlern nicht nur eine leere Worthülse ist, sondern tatsächlich eminenter Bestandteil. Er ist der Ansicht, dass eigentlich alle Menschen nach diesem Ansatz arbeiten sollten – gemeinsam im Team unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten, eigenverantwortlich und selbstorganisiert. Seinen Schwerpunkt als Consultant sieht er daher auch im Empowerment der Mitarbeitenden und Kunden. Moritz hat Freude daran, Menschen zu befähigen, sich weiterzuentwickeln. Sein besonderes Interesse gilt dabei der öffentlichen Verwaltung, in der er großes Potenzial für die Einführung von agilen Methoden sieht. Der Veränderung begegnet er selbst zunächst zurückhaltend, weil er sich gerne erst einen Überblick verschafft. Durch diese reflektierte Herangehensweise gelingt es ihm, sich und seine Umgebung auf das vorzubereiten, was kommt.

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