Scrum4Schools: Der Agile Baum für die Schule

Wir bringen Agilität in die Schule! Mit der schülerzentrierten Lernmethode Scrum4Schools haben wir Scrum auf die Unterrichtsgestaltung und den Lernprozess übertragen. Agile Prinzipien und Praktiken bleiben im Kern gleich, erfahren aber eine Anpassung an den Schulkontext.

Damit du dich im Dschungel der Scrum4Schools-Begriffe und -Praktiken zurechtfindest, haben wir den Agilen Baum für den Schul- und Lernkontext adaptiert: In der Baumkrone findest du als erntereife Früchte die sogenannten Praktiken und Artefakte wie das Priorisieren und die Lerntafel. Im Astwerk darunter findest du die agilen Frameworks, aus denen wir uns für den Schulkontext bedienen. Im und um den Stamm stehen die Prinzipien, an denen wir uns orientieren. Und last but not least findest du in den Wurzeln die bekannten Werte, die wir als Grundsätze immer vor Augen haben. Der Nährboden ist die Haltung (Mindset). Aber zunächst beginnen wir mit dem Sichtbarsten: Astwerk und Baumkrone.

1. Das Scrum4Schools-Framework

Wie passen die agilen Techniken aus der Unternehmensberatung in die Schule? Ganz einfach: Wir nehmen aus den verschiedenen agilen Frameworks das heraus, was für den Schulkontext passt, und adaptieren es. Das Kanban-Board war beispielsweise Vorbild für die Scrum4Schools Lerntafel. Auch Design Thinking findet immer mehr Einzug in die Schule. Mit Scrum4Schools fokussieren wir – wie der Name schon verrät – auf Scrum. Die Wahl des Frameworks bestimmt, mit welchen Praktiken die Baumkrone befüllt ist.

Scrum4Schools bietet einen Rahmen für die Unterrichtsgestaltung mit Scrum – von der Planung der Lernziele bis hin zur bewertbaren Leistung. Verschiedene Rollen, Treffen und Artefakte werden beschrieben, die diese Lernmethode ausmachen. Einen Überblick über deren Zusammenspiel gibt euch unser Scrum4Schools-Erklärvideo:

2. Agile Praktiken als Baumkrone voller Früchte

Die Wahl des agilen Frameworks bestimmt, mit welchen Praktiken die Krone des Agilen Baums befüllt ist. Unter agilen Praktiken verstehen wir konkrete Werkzeuge, die agiles Lernen „handhabbar“ machen. Die Praktiken sind wie Früchte in der Baumkrone, wie eine Sammlung von bewährten Werkzeugen, aus denen du wählen darfst. Gerade zu Beginn der Unterrichtsgestaltung mit Scrum4Schools empfehlen wir, nicht alle verfügbaren Praktiken auf einmal einzusetzen, sondern die Schülerinnen und Schüler schrittweise an die neue Lernweise und die neuen Praktiken zu gewöhnen.

Beispiele für Scrum4Schools-Praktiken sind die Lernliste, die Lerntafel sowie die einzelnen Treffen: So ist die Lernliste Basis für die Erstellung der Lerntafel. Diese wiederum ist eine Art “visueller Helfer”, der zeigt, welche einzelnen Lernschritte zu bearbeiten sind bzw. schon bearbeitet wurden. Im Planungs-Treffen dient die Lerntafel der ersten Orientierung und Strukturierung, in der Team-Synchronisation (Daily) unterstützt sie die kurze, tageweise Abstimmung der Lernteams. Übrigens: Eine Lerntafel kann auch zu Hause ein nützliches agiles Tool sein.

3. Agile Prinzipien als tragfähiger Stamm

Die agilen Praktiken werden umso leichter angewandt, je besser die agilen Prinzipien verinnerlicht sind. Dies geschieht nach und nach. So ist Selbstorganisation eines der Prinzipien, aber gleichzeitig auch eins der Ziele, die Schülerinnen und Schüler mit Scrum4Schools erreichen sollen. Warum sie wichtig ist, hat sich spätestens mit der Umstellung aufs Homeschooling gezeigt: Schüler und Schülerinnen, die bereits die Chance hatten, selbstorganisiert zu lernen, taten sich mit dem Lernen zu Hause leichter.

Schrittweises Vorgehen und laufendes Feedback sind zwei weitere wichtige Prinzipien. Wenn ich mir vorstelle, dass ich vier Wochen an einem Referat arbeite, es voller Stolz präsentiere, und das Feedback fällt nicht gut aus, dann ist das sehr demotivierend. Wenn ich aber zwischendurch – also nach jedem Sprint von z. B. einer Woche – Rückmeldungen vom Lerncoach und den anderen Lernteams erhalte und diese einarbeiten kann, wird das Endergebnis besser und ich blicke voller Stolz und Zufriedenheit auf mein Werk. Dies setzt voraus, dass die Sprints als „bewertungsfreie Zone“ definiert werden, damit ohne Scheu ausprobiert und experimentiert werden kann. Was und wann bewertet wird, muss natürlich transparent kommuniziert werden.

4. Scrum-Werte als nährende Wurzeln

Um beim Lernen ohne Scheu zu experimentieren, braucht es Mut. Nicht zufällig ist Mut einer der fünf Scrum-Werte – und gilt gleichermaßen für die Lernenden als auch für die Lehrenden. Wenn sich im Klassenzimmer alle Beteiligten mit Respekt und Offenheit begegnen, wird das gemeinsame Ausprobieren und Lernen produktiver und freudvoller. Wer Verbindlichkeit beweist, dem wird das Lernteam vertrauen. Und wer mit Fokus lernt, erzielt nicht nur bessere Ergebnisse, sondern lernt auch effizienter. Was die nährenden Wurzeln für einen Baum sind, sind diese fünf Werte für den agilen Lernprozess – eine wichtige Basis.

Neben den fünf Werten ist außerdem der Grundsatz wichtig „Jeder gibt sein Bestes!“ („Prime Directive“ in Scrum). Wenn wir diese Haltung verinnerlicht haben, sehen wir einander in einem anderen Licht: Gelingt einem Schüler eine Aufgabe nicht, so schreibst du ihm nicht zu, dass er sich zu wenig bemüht hat, sondern fragst dich oder ihn, wie du ihn noch besser unterstützen kannst.

5. Die Haltung

Sicher, Lerntafeln sind schnell erklärt und auch das Priorisieren und fokussierte Arbeiten haben die Schülerinnen und Schüler mit der Zeit im Griff. Wenn aber das Scrum4Schools-Projekt oder der Unterricht vorbei ist, werden sie dann außer für ihre Erkundungsaufträge auch etwas fürs Leben gelernt haben? Meine Kolleginnen und Kollegen aus der agilen Beratungswelt nennen dies das agile Mindset: Das ist die Haltung, die Teams entwickeln, wenn sie nicht mehr nur die agilen Praktiken anwenden, sondern auch die dahinterstehenden Werte und Prinzipien als sinnvoll ansehen. Das ist der Moment, in dem die Teammitglieder den Strukturhelden und die Schülerinnen und Schüler ihren Lerncoach weniger brauchen, weil sie selbständiger geworden sind.

Für den Unterricht empfehlen wir, Zeit für Reflexion einzuplanen. Was ist uns beim Lernen mit Scrum4Schools gut gelungen? Was war schwierig? Und warum? Das „Reden über das Lernen“ stärkt die Selbstreflexionsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Und diese ist eine wichtige Zukunftskompetenz, weil wir in einer immer unübersichtlicheren Welt mehr Klarheit in uns selbst benötigen, um handlungsfähig und gesund zu bleiben.

Unsere Einladung an dich

Unser Agiler Baum erhebt nicht den Anspruch, „fertig“ zu sein, sondern lädt dich ein zum weiteren Austausch. Welche agilen Prinzipien oder Praktiken sind Dir noch begegnet? Was möchtest du gerne ergänzen? Wir freuen uns auf Deine Kommentare!

Mehr zu Scrum4Schools findest du auf unserer Website: www.borisgloger.com/scrum4schools

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Der Agile Baum ist mit Agile Sketching entstanden.

Geschrieben von

Anna Czerny Anna Czerny begleitet Menschen beim Entdecken ihrer Stärken und Potenziale. Als Program Manager für Scrum4Schools in Österreich will sie innovative Impulse ins Bildungswesen bringen, damit Schülerinnen und Schüler von heute zu Gestalterinnen und Gestaltern von morgen werden. Anna trainiert Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler in der agilen Lernmethode Scrum4Schools. Ihre Vision ist, dass Mut, Kreativität, Teamfähigkeit und Eigenverantwortung schon während der Schulzeit zu etwas Selbstverständlichem werden.​

In der täglichen Zusammenarbeit mit Anna schätzen wir besonders ihre Offenheit und ihre Energie beim Vernetzen von Menschen und Wissen. Inspiration findet sie beim Austauschen und Lesen. Dank Yoga, Tanzen und Schreiben behält sie immer einen klaren Kopf. Gemeinsam mit Laura Vollmann-Popovic, Program Manager Scrum4Schools in Deutschland, hat sie ehrgeizige Pläne für Scrum4Schools.​

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