Fassadenbegrünung für Bürogebäude – so unterstützen digitale Geschäftsmodelle

Städtisches Grün auf Knopfdruck: Ein digitales Mietmodell für Fassaden- und Stadtbegrünung kann die Anzahl der Pflanzen und Grünflächen massiv erhöhen und so der Überhitzung in den Innenstädten entgegenwirken.

Fahrzeuge, Asphalt und eine eingeschränkte Luftzirkulation: Das sind nur einige der Faktoren, die unsere Städte mehr und mehr überhitzen lassen. Das Problem ist jedem, der im Hochsommer durch die Innenstädte dieser Welt geht, bekannt. Im Vergleich zu ländlichen Regionen ist es in Innenstädten im Hochsommer um bis zu 10 Grad Celsius wärmer. Urban-Heat-Island-Effekt, kurz UHI oder zu Deutsch “städtische Wärmeinseln”, heißt das Phänomen. Dabei gäbe es Möglichkeiten, die Hitze nicht nur in Schach zu halten, sondern signifikant zu reduzieren: Die zwei größten Hebel sind Wasser und Pflanzen.

Die Begrünung von Bestandsgebäuden ist die dringendste Aufgabe

Warum sind Wasser und Pflanzen essenziell für die Regulierung der Hitze? In den Städten fließt das Regenwasser direkt in die Kanalisation, was den natürlichen Kreislauf aus Niederschlag und Verdunstung stört. Um ihn wiederherzustellen und somit einen Kühleffekt zu erreichen, ist das Anlegen von Grünflächen und Fassadenbegrünungen unausweichlich. Nur so kann langfristig verhindert werden, dass die Hitze in den Städten exponentiell zunimmt.

Die Notwendigkeit, zu handeln erkennt auch die Politik: Doch obwohl großzügige Förderprogramme für Fassadenbegrünungsmaßnahmen existieren, ist in den Innenstädten davon noch wenig zu sehen. Zudem: Bis dato sind vielerorts ausschließlich die Neubauten im Fokus. Dabei liegen die größten Chancen in der Begrünung von Bestandsgebäuden, insbesondere innerstädtischen Bürobauten. Wieso? Weil bei Bürogebäuden eine Fassadenbegrünung, gerade auch vor den Fenstern, als natürliches Verschattungselement installiert werden kann. Das bedeutet größeren Komfort für die Nutzer: Allein durch den Umstand, dass es vor den Fenstern grün ist, steigt etwa das Wohlbefinden. Weiter werden die Temperaturen im Innenraum gemindert, was zu einem angenehmeren Arbeitsklima, insbesondere an extrem heißen Sommertagen führt. Und noch ein triftiger Grund spricht für die Begrünung von Bürogebäuden: Die Investition macht sich durch die gestiegene Produktivität von Mitarbeitenden innerhalb weniger Jahre bezahlt.

Herausforderung: die Mieter-Vermieter-Struktur vieler innerstädtischer Bürogebäude

Die Eigentümer innerstädtischer Bürogebäude sind oftmals institutionelle Investoren, wie z. B. Immobilienfonds, die primär das wirtschaftliche Interesse ihrer Anleger im Fokus haben. Da ist in der Regel wenig Spielraum für mit Installations- und Pflegeaufwand verbundene Elemente wie Fassadenbegrünungen. Die Mieter hingegen profitieren direkt von einer Fassadenbegrünung durch die Steigerung des Wohlbefindens und durch angenehmere Temperaturen am Arbeitsplatz. Nichtsdestotrotz hemmen zeitlich limitierte Mietverträge mit Laufzeiten von 3, 5 oder 10 Jahren die Investitionsbereitschaft der Mieter in derartige Maßnahmen. Beide Parteien – sowohl Vermieter als auch Mieter – haben also nachvollziehbare Gründe, um die Fassadenbegrünung nicht zu forcieren. Um Anreize zu schaffen, müssen also praktikable und finanziell attraktive Lösungen her – etwa ein digitales Geschäftsmodell, das unkompliziert Lösungen für die individuelle Fassadenbegrünung aufzeigt.

Die Attraktivität, Fassadenbegrünungsmaßnahmen durchzuführen, kann für Eigentümergesellschaften mit großen Immobilienportfolios durch eine Zertifizierung steigen. So können beispielsweise “Ökopunkte” für Fassadenbegrünungen angerechnet und dann an Auftraggeber von Neubaumaßnahmen weiterverkauft werden. Ebenso tragen Zertifikate, ähnlich CO2-Zertifikaten, zur Nachhaltigkeitsstrategie institutioneller Immobilienbesitzgesellschaften bei.

Die Fassadenbegrünung mit einem Digitalisierungskonzept vorantreiben

Die Zukunft von Fassadenbegrünungen sind aus meiner Sicht digitale Helfer wie eine Konfigurations- und Finanzierungsplattform, die Ansätze von Leasing und Zertifizierung verfolgen: Einfach Gebäudestandort, Laufzeit und Finanzierungsmodell auswählen und die Begrünung vor der Fassade per Klick sofort mieten. Die Begrünung wird finanziert, geliefert, installiert, gepflegt und nach Ablauf des Mietzeitraums wieder abgebaut. Die Finanzierung kann durch den Mieter, der in Wohlbefinden und Produktivität seiner Mitarbeitenden investieren will, erfolgen und z. B. in Form eines Zusatzbeitrags auf die Nebenkosten umgelegt werden. Alternativ finanziert die jeweilige Stadtgesellschaft (also die Bürgerinnen und Bürger der Stadt) das Mietmodell, um etwas gegen die Überhitzung des städtischen Raumes zu tun. Dabei kann das für Installation, Betrieb und Rückbau der Begrünung notwendige Kapital über Crowd-Funding gehoben werden.

Und so sieht ein Beispiel-Leasing-Modell für Fassadenbegrünungen in der Praxis aus: Büromieter, Gebäudeeigentümer oder Stadtgesellschaft mieten eine Begrünung inklusive Pflege für einen bestimmten Zeitraum. Nach Ablauf der Mietzeit wird eine alternative Finanzierung gesucht oder die Begrünung abgebaut und unter Verwendung derselben Konstruktion an anderer Stelle wieder aufgebaut. Wie das funktionieren kann, erklären wir auf www.green-booster.de.

Doch welcher Gebäudeeigentümer möchte, dass an seinem Gebäude aufwändige Veränderungen an der Fassade vorgenommen werden? Eine Mietbegrünung muss sowohl installiert und betrieben als auch garantiert schadlos rückgebaut werden können. Nur dann würde ein Vermieter eine solche Maßnahme akzeptieren. Vor dem Hintergrund zeitlich limitierter Mietverträge darf die von einem Mieter gewünschte Begrünung nicht zur Hypothek des nächsten Mieters oder gar des Vermieters werden.

Von der Fassadenbegrünung zur Stadtbegrünung

Selbstverständlich ist es nicht optimal, eine Pflanze, die idealerweise im Erdboden und nicht in Pflanzkübeln verwurzelt ist, nach fünf Jahren bei einem Mieterwechsel einfach abzuschneiden. Doch was ist die Alternative? Sollen unsere Innenstädte weiterhin grau und heiß bleiben? Bevor gar nichts gegen die Überhitzung unserer Städte passiert, muss doch das Ziel sein, die Anzahl der Pflanzen in der Stadt massiv zu erhöhen. Und das schaffen wir, wenn Finanzierung, Miete und Rückbau von Stadt- und Gebäudebegrünungen über ein digitales Geschäftsmodell gelöst werden. Dabei müssen die Interessen der unterschiedlichen Akteure wie Gebäudeeigentümer, Mieter, Kommune, Stadtgesellschaft, Spenderinnen und Spender, Anbieter von Begrünungssystemen, Pflegebetrieben und weiteren berücksichtigt werden.

In vielen Innenstädten können kaum noch neue Bäume gepflanzt werden: Im Untergrund befinden sich unzählige Versorgungs-, Elektro- und Datenleitungen. Das Wurzelwerk der Bäume würde die Leitungen zerstören. Daher ist es nicht abwegig, auch über mobile Bäume, die an verschiedensten Orten aufgestellt werden können, nachzudenken.

Eine Begrünung direkt vor den Fassaden sorgt für einen Kühleffekt und ein besseres Klima im Innen- und im Straßenraum. Doch das ist nur der erste Schritt hin zu einer grüneren Stadt: Wenn ein Mietmodell für Stadtbegrünungen inklusive Finanzierung, Pflege und Rückbau etabliert ist, können damit nicht nur Gebäude, sondern auch städtische Plätze und andere Orte in der Stadt begrünt und beschattet werden. Das ist meine Vision: städtisches Grün auf Knopfdruck, wo immer und wann immer es gewünscht ist.

Sprechen wir über Ihr Projekt

Mehr Infos zur Fassadenbegrünung und die Möglichkeiten einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit finden Sie auf unserer Branchenseite. Kontaktieren Sie uns gerne auch direkt.

Titelbild: Wohngebäude in Mailand, von Francesco UngaroPexels-Lizenz

Geschrieben von

Arved Weidemüller Arved Weidemüller

Mit Scrum fand Arved Weidemüller einen Rahmen für das, was ihm in Projekten wichtig ist: ein menschliches Miteinander, Kommunikation und eine klare, kundenorientierte Vision. Ein deutlich definiertes „Warum?“ bringt aus seiner Sicht mehr Erfolg als die reflexartige Frage nach Terminen und Kosten. Als Champion für OKR (Objectives & Key Results) berät er Großkonzerne und Mittelständler. Durch seine umfangreiche Erfahrung im Baumanagement – er ist Architekt, zertifizierter Projektsteuerer und Mitglied im German Lean Construction Institute – findet Arved leicht den Draht zu Menschen auf allen Hierarchiestufen. Er sieht seine Aufgabe darin, einen gemeinsamen Willen zu schaffen, mit dem echte Veränderung möglich wird. Im Zusammenhang mit Digitalisierungsprojekten und Building Information Modeling begann er bereits 2015, agile Arbeitsweisen in der Bauprojektplanung einzusetzen und bringt als agiler Berater bei borisgloger consulting sowohl Bau- als auch Softwareentwicklungsprojekte voran.

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