Nutzen vor Ästhetik – Arbeit sichtbar machen

Wir arbeiten in völlig verschiedenen Bereichen bei borisgloger. Beim agilen Prinzip des „Sichtbarmachens“ treffen wir uns: Als Visual Facilitator begeistert sich Karin für visuelle Kommunikation und unterstützt Kolleg:innen bei borisgloger dabei, Arbeit sichtbar zu machen. Als Program Manager für Scrum4Schools Österreich setzt Anna auf das Sichtbarmachen von Lernprozessen in der Schule. In diesem Gespräch reflektieren wir, welchen Nutzen und welches Potenzial das Visualisieren hat.

Dialog

Anna: Karin, deine Visualisierungen sind sehr ansprechend. Magst du vielleicht kurz erzählen, wie du eigentlich zum Zeichnen gekommen bist?

Karin: Ich denke in Bildern und um Inhalte leichter zu erfassen, muss ich mir zumindest Notizen machen. Inhalte, die ich in meinen Kommunikationstrainings vermittelt habe, habe ich deshalb auch mithilfe von einfachen Skizzen am Flipchart verdeutlicht. Meistens haben meine Kund:innen diese Zeichnungen fotografiert und als visuelle Anker abgespeichert. So kam es, dass ich mich näher mit der Wirkung und dem Nutzen von Visualisierungen in der Kommunikation beschäftigt habe. Seit mittlerweile sechs Jahren zeige ich Menschen, wie sie selbst visualisieren können und begleite Keynote-Speaker bei Vorträgen und Berater:innen in Entwicklungsprozessen.
Sag Anna, was treibt dich beim Visualisieren an? Ist es, weil es so schön anzusehen ist?

Anna: Natürlich bin ich beeindruckt, wenn Zeichnungen schön sind. Aber ich glaube, es ist viel mehr: So wie du bin auch ich ein visueller Typ und brauche Bilder. Sie helfen mir, Inhalte schneller und strukturierter zu erfassen.

Karin: Oh ja, da geht es uns gleich. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass “schöne” Bilder sehr ansprechend wirken, wir im beruflichen Alltag – um Ideen sichtbar oder Prozesse deutlich zu machen – jedoch keine perfekten Bilder brauchen, sondern einfache Skizzen – sogenannte Scribbles – bereits ihren Zweck erfüllen können.
In einem “falschen” Anspruch der Perfektion liegt oftmals die Hürde der Einzelnen, zu Stift und Papier zu greifen. Lieber ein Strichmännchen zeichnen als eine anatomisch korrekt geformte Figur. Denn es geht um die Botschaft und nicht um die perfekte Zeichnung.

Anna: Oh, das entlastet mich sehr. Ich habe Jahre lang die Überzeugung gehegt, dass ich nicht gut zeichnen kann. In meiner Rolle als Trainerin war ich dann fast “gezwungen”, das ein oder andere Bild auf ein Flipchart zu bringen, um visuelle Anker anzubieten. Da bin ich’s angegangen, habe einen Kurs besucht und gesehen, dass Zeichnen keine Hexerei ist. Alle können zeichnen, wenn sie wollen! Wenn du nun sagst, dass einfache Zeichnungen oftmals zweckdienlicher sind, dann macht mir das mein Leben leichter.

Karin: Die Überzeugung, nicht oder nicht gut zeichnen zu können, tragen viele Menschen in sich. Zeit, mit dem Glaubenssatz mal aufzuräumen. Wie du richtig sagst: Jede:r kann zeichnen.
Die Frage ist, WOZU möchte ich Visualisierungen nutzen. Bei borisgloger consulting, im agilen Kontext, ist unser WOZU jenes, mithilfe von Visualisierungen die Kommunikation in Unternehmen effektiver zu gestalten. In einem Meeting habe ich nicht die Zeit ein zeichnerisch professionelles Bild zu gestalten. Ich kann jedoch mit schneller Hand eine Skizze aufs Papier werfen und damit ein Bild, das seinen Zweck erfüllt: Alle Anwesenden haben dieselbe Information und SEHEN, was verbal ausgetauscht wurde. Das WOZU kann mich im Anspruch, das Bild müsste perfekt sein, entlasten.

Anna: Das leuchtet mir total ein! Visualisierungen verfolgen also den Zweck, alle Beteiligten auf einen gemeinsamen Nenner bzw. zu einem gemeinsamen Verständnis zu bringen. Ein Team kann produktiver arbeiten und effizienter sein, wenn alle Teammitglieder von derselben Sache sprechen. Das können einzelne Produktfeatures sein oder aber ganze Prozesse.

Karin: Genau! Und das ist der Grund, warum die Beraterinnen und Berater bei borisgloger consulting alle das Scribbeln in ihrem Repertoire haben. Für unsere Kund:innen gibt es zudem die Möglichkeit, selbst das Visualisieren im agilen Kontext zu lernen. Beim Agile Sketching Training – das wir derzeit remote anbieten – vermitteln wir die zeichnerischen Grundlagen und machen den beruflichen Nutzen sichtbar. 
So laden wir zum Beispiel die Teilnehmenden ein, einen allen bekannten, gängigen Ablauf aus dem Alltag in 1-2 Minuten zu zeichnen – in unserem Fall: “Welche Schritte braucht es, um ein Toastbrot zu toasten.” In Kleingruppen vergleichen sie dann ihre Ergebnisse, um sich auf eine gemeinsame Version zu einigen.
Diese Übung zeigt sehr schön, wie Visualisierung in der Kommunikation wirken kann: Einerseits sieht man, welche Vorannahmen getroffen werden – “Das ist doch logisch” (und deshalb lässt man einen Schritt weg) – wer sich etwa in Details verliert (manche beginnen beim Einkauf der Toastbrotpackung im Supermarkt) und welche Schritte von manchen mitgedacht und von anderen übersehen werden (z. B. der Temperaturregler).
Indem ich sichtbar mache, worüber wir sprechen, kann ich Menschen abholen und schneller auf einen Nenner bringen. Und das ist jetzt nur eine Möglichkeit des Nutzentransfers. (Abgewandelt von www.drawtoast.com )

Anna: Das ist wirklich eine tolle Übung, die zeigt, welches Potenzial im Visualisieren steckt. Und das macht mir richtig Lust, noch mehr zu zeichnen. Wenn ich aber ehrlich bin: Ich merke immer noch einen Widerstand in mir und weiß, ich brauche noch mehr Übung. Hast du einen Tipp für mich, wie ich anfangen kann?

Karins Tipps:  

  • Starte mit kleinen Schritten, dafür täglich.
    • Zeichne zum Beispiel pro Tag einen Begriff. Oder ergänze deine Notizen da und dort mit einfachen Bildern.
    • Du musst das Rad nicht neu erfinden. Es gibt unzählige Schritt-für-Schritt-Anleitungen im Internet, einfache Dinge zu zeichnen. Oder suche dir mittels Bildsuche im Netz ein Icon, das du abmalst. Es geht ums Tun, ums Üben, das Lockern der Hand, das “Denken mit Stift”.
  • Lasse dich von anderen Zeichner:innen und ihren Zeichnungen inspirieren. Vergleiche dich und dein Können aber immer nur mit dir selbst und nicht mit dem anderer. Das hält dich bei Laune und deine Motivation höher.
  • Hab Freude am Tun und lass die Perfektion los. So bleibst du dran und findest mit der Zeit deinen eigenen Stil.

Anna: Sehr coole Tipps, Karin. Herzlichen Dank für die neue Motivation! Ich mag sofort loslegen und etwas ausprobieren.

Karin: Das freut mich! Dann sehen wir uns beim nächsten Agile Sketching Training.

Kurz und bündig – das Schwarz auf Weiß

75 % unserer Neuronen im Gehirn sind für die Verarbeitung von Bildern verantwortlich die restlichen 25 % kümmern sich um unsere anderen Sinne.
Den Großteil der Informationen nehmen wir über unsere Augen auf. Die Verarbeitung von Bildern erfolgt damit 60.000 Mal schneller als jene von Worten.
Ohren senden 100.000 Bits pro Sekunde an das Gehirn. Augen senden 10 Millionen Bits pro Sekunde an das Gehirn. Das sind 100 Mal so viele!

Titelbild: Taru Huhkio, Unsplash

Geschrieben von

Karin Hofmann Karin Hofmann Wer  Visionen  hat,  soll  laut  Helmut  Schmidt  zum  Arzt  gehen  –  oder  er  braucht eine verlässliche persönliche Assistenz, die bei der Umsetzung der Vision unterstützt. Karin Hofmann nimmt unserem Gründer und Geschäftsführer mit freundlicher Diskretion viele Details der täglichen Arbeit ab und behält den Überblick wie über seinen Kalender. Was ihren eigenen Kalender betrifft, ist Karin gerne Herrin über ihre Zeit, damit sie die Zeit vergessen und im Tun aufgehen kann. Als Product Owner der Agile-Sketching-Gilde hält Karin es wie Albert Einstein: „Logik bringt dich von A nach B, Vorstellungskraft überall hin.“ Die Kommunikationstrainerin und autodidaktische agile Visualisiererin unterstützt Unternehmen und Personen beim Finden ihrer Bildsprache und beim Stärken ihrer kommunikativen Fähigkeiten. Bilder sind für sie Inspirationsquellen und der Schlüssel zu einem besseren Verständnis im Miteinander. In Vorträgen schafft sie mit Wort-Bild-Botschaften Struktur und erleichtert so den Blick auf das „Big Picture“.

Teammitgliedsprofil

Anna Czerny Anna Czerny Anna Czerny begleitet Menschen beim Entdecken ihrer Stärken und Potenziale. Als Program Manager für Scrum4Schools in Österreich will sie innovative Impulse ins Bildungswesen bringen, damit Schüler:innen von heute zu Gestalter:innen von morgen werden. Annas Vision ist, dass Mut, Kreativität, Teamfähigkeit und Eigenverantwortung schon während der Schulzeit zu etwas Selbstverständlichem werden.​ Deshalb trainiert sie Lehrkräfte und Schüler:innen in der agilen Lernmethode Scrum4Schools.

In der täglichen Zusammenarbeit mit Anna schätzen wir besonders ihre Offenheit und ihre Energie beim Vernetzen von Menschen und Wissen. Inspiration findet sie beim Austauschen und Lesen, und dank ihrer Hobbys Yoga, Tanzen und Schreiben behält sie immer einen klaren Kopf. Gemeinsam mit Laura Vollmann-Popovic, Program Manager Scrum4Schools in Deutschland, hat sie ehrgeizige Pläne für Scrum4Schools.​

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