In 15 Monaten einmal quer durch mein Homeoffice

Seit nunmehr 15 Monaten sitze oder stehe ich im Homeoffice. Längst sind der tägliche Weg zur Arbeit, die Fahrt mit der Bahn oder dem Auto oder die wöchentlichen Flüge zu meinen Kunden vergessen. Der Wechsel der verschiedenen Räumlichkeiten innerhalb meines Zuhauses ist der neue Alltag. Ich habe dabei Ecken in meiner Wohnung kennengelernt, die mir vorher nie so bewusst aufgefallen waren.

Termine, Meetings und Arbeitssessions sind bei mir untermalt von Kinder-, Haustier- und Hausgerätegeräuschen oder dem ständig klingelnden Postboten. Sätze wie “Du bist noch gemutet”, “Könnt ihr meinen Bildschirm sehen?“ oder “Sorry, ich war noch in einem anderen Call” begleiten mich durch mein derzeitiges Arbeitsleben, genauso wie meine Kolleg:innen bei borisgloger. Und daher möchte ich euch einen Einblick in meine letzten 15 Monate geben.

Wie habe ich das bis hierhin überhaupt überstanden und wie will ich es in Zukunft überstehen? Eins ist sicher: So schnell wird sich die jetzige Situation nicht ändern. Auch 2021 werden uns Lockdowns, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, Homeoffice, Homeschooling und was es nicht noch alles mit Home gibt, begleiten. Für mich ist es jetzt an der Zeit, die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen und vor allem Zeit, Tipps und Tricks in der (Remote-) Zusammenarbeit auszutauschen.

Ich möchte euch einige Ideen aus meinem Arbeits- und Trainingsalltag an die Hand geben: Probiert sie aus, passt sie auf euch an, macht ‘was draus.

Zwischenmenschliches

  • Definiert gemeinsam im Team „Spielregeln“ und „Faktoren des Gelingens“ für eure Zusammenarbeit. Dinge wie: Wir kommen pünktlich. Wir sprechen uns mit Namen an. Wir geben uns regelmäßig Feedback. Wir nutzen unsere Kamera und wir schaffen einen sicheren Raum zum Austausch.
  • Trefft euch ein Mal wöchentlich virtuell in eurem Team/eurer Abteilung und schnackt einfach nur. Tauscht euch über private Dinge aus und gebt euch gegenseitig die Aufmerksamkeit, die ihr remote benötigt.
  • Erschafft eine virtuelle Kaffeeküche als Austauschplattform, in der alles geteilt werden kann, egal ob GIFs, Sprüche des Tages oder einfach Bilder aus dem Homeoffice.
  • Nutzt bspw. Kudos-Karten, um euch gegenseitig zu sagen, was ihr besonders an dem anderen Teammitglied schätzt und was euch bei der Person positiv aufgefallen ist.

Infrastruktur

Eine geeignete Infrastruktur besteht für mich aus drei wesentlichen Komponenten: Kommunikationstools, Arbeitstools bzw. Artefakte sowie Räumlichkeiten. Folgende Kriterien habe ich für mich festgehalten aus den letzten 15 Monaten:

  • Einigt euch auf einheitliche Kommunikations- und Arbeitstools, damit Daten und Unterlagen alle an einem Ort sind und jede:r weiß, wo alles zu finden ist.
  • Richtet euch einen Support-Kanal in eurem Kommunikationstool wie bspw. Teams ein. Mein Tipp: Sucht nie länger als 5 Minuten nach etwas. Nutzt die Schwarmintelligenz des Teams/Unternehmens.
  • Unterteilt euer Homeoffice in sogenannte Zonen: Arbeit, Spaß, Pause, Privat. Solltet ihr, wie ich, kein eigenes Arbeitszimmer haben, richtet euch einen Arbeitsbereich ein, den ihr abends wieder verstauen könnt. Laptop und Schreibmaterialien werden zusammengeräumt und in meinen Schrank gepackt. So bleibt mein Zuhause mein Wohlfühlort, an dem ich privat sein kann.

Meetings & Verantwortungen

Meetings abhalten ist immer eine Herausforderung, egal ob vor Ort oder remote. Folgende Erkenntnisse hatte ich in den vergangenen 15 Monaten:

  • Klarer Fokus, Abfragen der Erwartungshaltung aller Teilnehmenden und eine strukturierte Agenda helfen bei der zeitlichen Durchführung und der Erreichung der Meetingziele.
  • Verantwortlichkeiten innerhalb des Meetings sollten eindeutig sein: Wer hat den Hut auf für die Durchführung, wer den Hut für die Timebox, wer den Hut für Fokus auf das Thema und wer dokumentiert das Ganze?
  • Ich selbst akzeptiere keine Termineinladungen mehr, die kein klares Ziel haben, mit Agenda und dedizierten Zeiten. Unsere Zeit ist wertvoll und sollte respektiert und nicht unnötig verschwendet werden.
  • Zusätzlich gilt bei mir immer das Prinzip der Freiwilligkeit: Die, die da sind, sind die Richtigen. Alle die nicht da sind, können sich die Informationen im Nachgang holen.

P. S.: Diese Tipps lassen sich auch wunderbar vor Ort anwenden.

Technik, Tools & Tricks

Meine wichtigsten Erkenntnisse aus den vergangenen Monaten:

  1. Ein separater oder dedizierter Arbeitsplatz hilft bei der Trennung zwischen Arbeit und Privat und erlaubt mir, abzuschalten und mein Zuhause wieder zu genießen.
  2. Regelmäßige arbeitsfreie oder After Work Sessions mit meinem Team sind notwendig, um gemeinsam zu reflektieren, zu überlegen und uns auszutauschen.
  3. Gutes Equipment wie ein höhenverstellbarer Tisch, ein guter Stuhl und ein Headset ermöglichen es mir, mich freier zu bewegen.
  4. Funktionierende, interaktive, kollaborative und miteinander verknüpfte Tools für die Zusammenarbeit im Team und mit Kunden, die einheitlich verwendet werden, sparen Zeit und Nerven.
  5. Last but not least: Kein virtuelles Treffen wird jemals ein echtes Treffen ersetzen können. Nutzt eure Zeit und trefft euch mit den Menschen, die euch wichtig sind – unter Einhaltung der Regeln, versteht sich. Virtuelle Treffen können jedoch super optimiert werden. (Weitere Tipps für Remote-Treffen findet ihr hier.)

Interesse geweckt und Lust auf mehr? Dann schaut bei einem unserer Trainings „Produktive Teamarbeit im Homeoffice“ am 20. Juli, 11. August. oder 8. September vorbei oder kontaktiert mich direkt, um euch individuell beraten zu lassen.

Auf die nächsten 15 Monate und dass wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen.

Titelbild: JP Lockwood, Unsplash

Geschrieben von

Lena Jessen Lena Jessen

Strategisches Denken und praktisches Umsetzen – Lena Jeßen kann beides. Zwischen diesen Polen schafft die Industriekauffrau und internationale Betriebswirtin Klarheit über den Weg zum Ziel. Mit ihrem Wissen in Design Thinking und agilen Entwicklungsmethoden hat sie mit und für Ingenieur:innen Produkt- und Qualitätssicherungsstrategien entworfen und gezeigt, dass „New Work“ auch im traditionellen Engineering funktioniert. So war Lena maßgeblich für die Entwicklung der #nwing-Konferenz des VDI verantwortlich. Aus Lenas Sicht sind für die gemeinsame Entwicklung von etwas Neuem vor allem zwei Dinge wichtig: die eigene Lust am Lernen und die Fähigkeit, zuzuhören und Fragen zu stellen. Damit gelingt nicht nur eine offene und ehrliche Kommunikation, die ein Wir-Gefühl schafft, sondern auch die Rückkehr der Einfachheit in die verschiedensten Abläufe und Prozesse – und das ist schließlich das Ziel der Agilität.

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