Kollegiales Lernen mit Peer Method Coaching

Durch das Peer Method Coaching haben wir einen Rahmen für gemeinschaftliches Lernen etabliert. Dadurch können wir hierarchische Strukturen im Sinne von: „Eine Person weiß es besser und bringt es den anderen bei“ eliminieren, und die Teilnehmer:innen werden aktiver in ein kollektives Lernen integriert. Darüber hinaus wird das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Gruppe bzw. Organisation gestärkt. Wir kommen Weg vom Konsum-Lernen mit der Erwartungshaltung, dass jemand das Wissen gibt, und kommen hin zu einer aktiveren Auseinandersetzung mit der Materie. Dadurch kommt das Wissen aller Einzelnen auf den Tisch und alle können etwas dazulernen.

Was ist Peer Method Coaching?

Vor circa einem halben Jahr haben wir (Franzi und Moritz) uns gemeinsam überlegt, wie wir einen geschützten Rahmen schaffen können, in welchem sich vor allem neue Kolleg:innen bei borisgloger für sie neue Themen (z. B. Product Vision Board, Business Model Canvas) erarbeiten können. Der Rahmen sollte dem Motto treu sein: Ich beherrsche etwas, wenn ich in der Lage bin, es zu erklären bzw. sogar jemandem beizubringen. Das Ergebnis ist das „Peer Method Coaching“: Kolleg:innen vertesten oder präsentieren in einem gemeinsamen Online-Termin ihre Konzepte, etwa für Workshops, und erhalten Feedback von der Gruppe. Wir haben die Einladung insbesondere an die neuen Kolleg:innen gerichtet und eine Agenda erstellt – damit war der Rahmen geschaffen.

Wer profitiert davon?

Im Grunde profitiert das ganze Unternehmen vom Peer Method Coaching. Alle können teilnehmen und Feedback erhalten und genauso auch Feedback zu bestimmten Themen geben. Die Organisation entwickelt sich hin zu einer lernenden, sich selbst helfenden Organisation.

So sind wir vorgegangen

Als erstes haben wir uns überlegt, wer die Zielgruppen des Peer Method Coachings sind.
Dafür haben wir User Storys erstellt, die uns als Orientierung dienen:

Als Newbie möchte ich gerne meine agile Methodenkompetenz ausbauen, um beim Kunden den “borisgloger way of consulting” aktiv leben zu können.

Als Glogi möchte ich gerne einen geschützten Rahmen zum Ausprobieren haben, um sicherzustellen, dass ich mein neu erworbenes Wissen richtig verstanden habe.

Anschließend haben wir uns auf einen Termin geeinigt, an dem viele Kolleg:innen grundsätzlich Zeit haben (bei uns der Freitagnachmittag). Der Termin findet jede Woche statt und es gilt das Motto: Die, die da sind, sind die Richtigen.

Der Zeitrahmen beträgt eine Stunde pro Woche bzw. zwei Slots für Themen. Warum nur eine Stunde? Ganz klar: Wir folgen dem Prinzip der Verknappung, um den Termin wertvoll zu machen und eine starke Fokussierung zu haben (und es ist Freitagnachmittag). Es ist in den vergangenen Monaten auch manchmal vorgekommen, dass es gar keine Themen gab, auch nicht spontan. Dann findet der Termin einfach nicht statt.

Wir, die Gastgeber:innen dieses Events, haben uns vorab Rahmenbedingungen überlegt, die uns helfen, möglichst effizient eine strukturierte Stunde zu gestalten.

Die Standardagenda sieht folgendermaßen aus:

  • Check-in (5 Minuten)
  • Slot 1: Wer, welches Thema (15 Minuten Präsentation, 10 Minuten Feedback)
  • Slot 2: Wer, welches Thema (15 Minuten Präsentation, 10 Minuten Feedback)
  • Check-out (5 Minuten)

Unsere Erfahrung zeigt: Gerade am Anfang (zum Beispiel bei den ersten drei Treffen) ist es empfehlenswert, das Meeting zu moderieren und auf die Agenda inklusive Timebox zu achten. Danach entwickelt sich eine Eigendynamik.

Außerdem haben wir Faktoren des gemeinsamen Gelingens festgehalten, auf die wir uns immer wieder berufen können.

  • Wir fangen pünktlich an und hören pünktlich auf.
  • Die, die da sind, sind die Richtigen.
  • Die Themen werden vorab von den Teilnehmer:innen, die etwas vorstellen wollen, selbst bestimmt und eingetragen.
  • Es gilt FCFS (first come, first served).
  • Es wird der „Bitte nicht stören“-Modus auf MS Teams eingestellt: Wir arbeiten fokussiert und leben Digital Detox (keine Handys, keine Mails, keine Nachrichten).
  • Wir zeichnen die einzelnen Slots auf, um das Wissen auch für die Abwesenden verfügbar zu machen.
  • Jede:r Präsentierende ist vorbereitet und entscheidet über das Thema und die Art und Weise der Präsentation.
  • Alle dürfen konstruktives Feedback geben.

Wichtig ist: Dies sind die Faktoren des Gelingens, auf die wir uns mit den Teilnehmer:innen der ersten Sitzung geeinigt haben. Diese gelten danach für alle Sitzungen. Ihre Faktoren des Gelingens können in Ihrem Kontext anders aussehen. Unsere sind nur als Orientierung zu sehen.

Noch ein Punkt zum Thema Feedback: Gerade am Jobanfang erfordert es viel Mut, in diesem Format etwas zu präsentieren, deshalb sollte das Feedback in jedem Falle wertschätzend sein und dem oder der Kolleg:in konkrete und konstruktive Hinweise liefern, mit denen sie oder er sich verbessern kann.

Warum funktioniert Peer Method Coaching?

  1. Die Teilnehmer:innen merken, dass ihnen das kollektive Lernen wirklich hilft. Sie unterstützen sich gegenseitig und nutzen gerne die Gelegenheit, einander besser kennenzulernen.

Ich kann mich mit anderen Newbies austauschen und komme mit Leuten außerhalb meines Teams in kleiner Runde zusammen. Gerade in Remote-Onboarding-Zeiten ist das wichtig! Ich bekomme durch die eingebrachten Themen mit, was für Initiativen und Ansätze es im Unternehmen gerade gibt und auch, was dahintersteht. Das geht in so einem Teams-Post ja schon mal unter oder wird nicht so ausführlich geschildert. Außerdem wird das agile Mindset hier nochmal vertieft. Mir gefällt, dass das Peer Method Coaching ein Slot in meinem Terminkalender ist, den ich für meine Themen nutzen kann, aber auch wenn ich ‘nur’ Feedback gebe, ist er wertvoll für mich.

O-Ton unserer Kollegin Yvonne Scholliers

2. Wir schaffen einen geschützten Rahmen, in welchem alle, die wollen, sich von einer Peergroup Feedback einholen können, bevor sie etwas direkt auf dem Markt oder beim Kunden testen.

Am Peer Method Coaching gefällt mir, dass es von uns (Newbies) an uns (Newbies) gerichtet ist. Der Austausch und das gegenseitige Kennenlernen passieren ‘automatisch’. Es ist ein guter Rahmen, um sich auszuprobieren und Feedback einzuholen. Bislang habe ich noch keine eigenen Themen mitgebracht, freu mich aber schon darauf, wenn ich bald etwas einbringe und mir Feedback, andere Gedanken und Sichtweisen dazu einhole! Auch als Teilnehmerin und Feedbackgeberin lerne ich Neues, indem ich teilhaben darf an den Herangehensweisen der bg-Kolleg:innen zu ihren Themen.

O-Ton unserer Kollegin Bettina Kohlmeyer

Titelbild: Andrea PiacquadioPexels

Geschrieben von

Franziska Link Franziska Link Als ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Hochschule hat Franziska Link schon vielfach bewiesen, dass sie mit komplexen Sachverhalten umgehen und diese einfach und verständlich darstellen kann. In ihrer Tätigkeit als Consultant setzt sie diese Stärke ein, um Klarheit in die Teams zu bringen und einen Rahmen zu schaffen, der den gegenseitigen Austausch ermöglicht und das Lernen fördert. Franziska Links Credo: Wenn alle am selben Strang ziehen, können auch alle davon profitieren. Diese Einstellung lebt sie nicht nur im beruflichen Leben, sondern auch im privaten. Sie brennt für Themen wie Nachhaltigkeit sowie Shared Economy und ist gerne unterwegs. Der Kontakt mit anderen Kulturkreisen ist für sie eine Inspirationsquelle, um sich neue Fähigkeiten anzueignen.

Teammitgliedsprofil

Moritz Müller Moritz Müller Für Moritz Müller ist Agile das erste Konzept, in dem das Lernen aus Fehlern nicht nur eine leere Worthülse ist, sondern tatsächlich eminenter Bestandteil. Er ist der Ansichtdass eigentlich alle Menschen nach diesem Ansatz arbeiten sollten – gemeinsam im Team unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten, eigenverantwortlich und selbstorganisiert. Seinen Schwerpunkt als Consultant sieht er daher auch im Empowerment der Mitarbeitenden und Kunden.  Moritz hat Freude daran, Menschen zu befähigen, sich weiterzuentwickeln. Sein besonderes Interesse gilt dabei der öffentlichen Verwaltung, in der er großes Potenzial für die Einführung von agilen Methoden sieht. Der Veränderung begegnet er selbst zunächst zurückhaltend, weil er sich gerne erst einen Überblick verschafft. Durch diese reflektierte Herangehensweise gelingt es ihm, sich und seine Umgebung auf das vorzubereiten, was kommt.  

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