Was regt dich auf? Kultur beginnt bei dir!

Wenn ich manche Menschen auf einem sehr abstrakten Level über ihre Unternehmenskultur sprechen höre, habe ich den Eindruck, dass sie im Endeffekt ihre Werbebroschüre rezitieren. Aber die Unternehmenskultur verstehen bedeutet, erst einmal zu verstehen, wofür die Mitarbeiter:innen im Unternehmen stehen. Denn nur, wer seinen inneren Kompass lesen kann, weiß, in welche Richtung er oder sie (bewusst oder unbewusst) läuft.

Kulturwandel beginnt bei dir selbst und dem Artikulieren DEINER Werte. Nur wenn wir unsere eigenen Werte kennen, können wir herausfinden, ob die Unternehmenskultur zu uns passt und ob wir dazu beitragen möchten, diese Kultur zu leben und weiterzuentwickeln.

Beispielwert: Nachhaltigkeit

Wenn einer unserer persönlichen Werte „Nachhaltigkeit“ ist und wir auch privat vieles daran ausrichten, im Sinne der Nachhaltigkeit zu handeln, so ist der Mensch in der Regel auch intrinsisch motiviert, diesen Wert im Unternehmen zu leben und voranzutreiben.

Hier aber der Fehler

Viele Menschen und somit auch Arbeitnehmer:innen kennen ihre eigenen Werte nicht und können somit gar nicht im Sinne der Unternehmenskultur handeln, weil sie Arbeit als Leistung verstehen und nicht als sinnvollen Beitrag zu einer besseren Welt.

Genauso können viele Arbeitgeber:innen ihre Unternehmenswerte und Kultur nur schwammig artikulieren und keine Richtung angeben, weil sie diese nicht kennen.

© Vijay Verma, Blush

Mythos „Cultural Fit“

Zu Deutsch: kulturelle Übereinstimmung. Zwei Körperschaften treffen aufeinander, die zuvor isoliert voneinander Glaubensätze, Werte und Prinzipien entwickelt haben, also ihre eigene Kultur. Bei Zusammenstoß dieser beiden Körperschaften hofft man auf eine Übereinstimmung – also, am besten wäre es, dass ähnliche Glaubenssätze bestehen und ähnliche Werte und Prinzipien gelebt werden.

Wenn beide Körperschaften ihre Werte allerdings nicht kennen, können sie nicht schlussfolgern, ob sie zusammenpassen.

Systemic Fit

Dennoch sprechen wir von Cultural Fit. Nach meinen Beobachtungen steht Cultural Fit synonym für: „Wer ist/wird kein:e Widersacher:in sein?“ „Wer wird nicht aus der Reihe tanzen?“ „Wer passt ins statische System?“ „Wer sieht so aus wie ich?“ „Wer wird am wenigsten stören?“ Daher sollten wir uns überlegen, ob wir hier nicht von “Systemic Fit” sprechen – das Passen in ein System als das Passen in eine Kultur.

Das ist die Komfortzone, aber kein Cultural Fit!

Was treibt Mitarbeiter:innen wirklich an?

Cultural Fit sollte ein Konzept für das Screening potenzieller Kandidat:innen sein, um festzustellen, welche Art von kulturellem Einfluss sie auf die Organisation haben würden. Dies basiert auf der Übereinstimmung von Überzeugungen, Werten und Verhaltensweisen zwischen dem oder der Mitarbeiter:in und dem Arbeitgeber.

Wir sollten also herausfinden, was unsere Kolleg:innen und Mitarbeiter:innen wirklich antreibt. Welche Überzeugungen leiten ihr Denken und Handeln? Welche Veränderungen wollen sie in der Welt sehen? Welcher innere Kompass lenkt ihre Handlungen?

Nur wenn wir das wissen, können wir eine AUTHENTISCHE Kultur leben.

Wenn ein Unternehmenswert „Sport und Vitalität“ ist und ein Unternehmen die Gesundheit seiner Mitarbeiter:innen und seiner Kund:innen unterstützt, so wird ein:e Mitarbeiter:in, der oder die diesen Wert auch persönlich verankert hat, ihn selbst antreiben und im Umgang mit anderen leben.

Beispielwert: „Jugendlichkeit“

Ein Unternehmen, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, jung und jugendlich zu bleiben, findet einen Cultural Fit mit Kandidat:innen, die ebenfalls davon überzeugt sind, dass Jugendlichkeit elementar ist. Das kann sich im Kleidungstil zeigen, aber auch dahingehend, dass diese Person ständig am Puls der Zeit bleibt und somit schnell neue Trends einfängt. Eine solche Person ist motiviert, diese Trends ins Unternehmen zu übertragen und dafür zu sorgen, dass es als jung und modern wahrgenommen wird.

Um diese Synergie zu schaffen, muss das Unternehmen wissen, dass Jugendlichkeit sein Wert ist und herausfinden, ob dies auch ein wichtiger Wert für den oder die Kandidat:in ist.

Zum Schluss gebe ich dir noch eine Liste mit Werten mit, die du mit folgender Frage reflektieren kannst: Regt es dich auf, wenn dieser Wert privat oder/und im Unternehmen nicht gelebt wird? Mit dieser Reflexion näherst du dich deinen eigenen Werten.

  • Agilität
  • Diversität
  • Sport und Vitalität
  • Nachhaltigkeit
  • Jugendlichkeit
  • Innovation
  • Bewusstseinswerdung
  • Hohe Qualität
  • Humor
  • Intellekt
  • Großzügigkeit
  • Antrieb
  • Performance
  • Geduld
  • Zukunftsorientiert
  • Engagement
  • Intrinische Motivation
  • Achtsamkeit

Oder schau einfach in der Freien Werte-Enzyklopädie und im Lexikon der Werte weitere Werten und Definitionen nach.

Wenn dich dieses Thema noch weiter interessiert, dann kannst du in meinem Vortrag auf der Agile Female am 13. Juli 2021 mehr erfahren.

Titelbild: 傅甬 华, Unsplash

Geschrieben von

Lucy Larbi Lucy Larbi Lucy Larbi geht grundsätzlich davon aus, dass Veränderungen mit Verbesserungen verbunden sind. Sie selbst ist dafür das beste Beispiel: Ihre Studien hat sie in vier Ländern absolviert, anschließend haben sie anspruchsvolle Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit unter anderem nach Äthiopien und Algerien geführt. Wirtschaftliche Verbesserungen sind ihr auch als Gründerin des Deutschland-Zweigs von „Future of Ghana Germany“ ein Anliegen. Mutig immer wieder das Ungewisse zu wagen, ist nur eine der Stärken von Lucy Larbi. Sie ist eine exzellente Kommunikatorin, die sich sowohl in Teams eingliedern als sie auch führen kann. Für das Erreichen gemeinsamer Ziele bringt sie die Fähigkeit mit, komplexe Sachverhalte für alle verständlich darzustellen und sie zeigt vor, dass sich Weitblick und pragmatisches Handeln nicht ausschließen.

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