Praktische Tools für den ScrumMaster vor dem 1. Sprint – ein Beispiel

Es ist soweit: Das „Go“ des Managements ist da! Ein Product Owner, ein ScrumMaster und das Entwicklungsteam haben sich gefunden. Aber bevor der Startschuss für den ersten Sprint fallen kann, muss aus der Gruppe ein Team werden. In dieser Situation nimmt der ScrumMaster die Rolle des Facilitators ein.

Sehen wir uns also an, wie ein ScrumMaster die Kolleg:innen dabei unterstützen kann, zu einem echten Team zusammenzuwachsen!

Das Team auf die gemeinsame Vision einschwören

Im Idealfall hat der Product Owner die grobe Produktidee in eine attraktive Vision übersetzt. Ihre ganze Kraft kann eine Vision aber nur dann entfalten, wenn sich jedes einzelne Teammitglied damit identifizieren kann. Der ScrumMaster hat die Aufgabe, das Team bei diesem Bekenntnis (Commitment) zur Vision und bei der Ausrichtung daran (Alignment) zu unterstützen.

Kreisarbeit. Wir sind uns wahrscheinlich darin einig, dass es nicht ausreicht, die Vision einfach nur zu präsentieren. Der ScrumMaster sollte einen Raum schaffen, in dem alle Gedanken und Empfindungen zur Vision geteilt werden können. Eine Möglichkeit ist, das in einem Workshop mit der klassischen Kreisarbeit zu erarbeiten: Jedes Teammitglied bekommt die Möglichkeit, sich zu äußern und seine Sichtweise mit der Gruppe zu teilen. Fragen oder Kommentare können andere erst dann stellen bzw. abgeben, wenn sie selbst an der Reihe sind. Der Kreis kann bei Bedarf mehrfach durchlaufen werden. Diese Form des Austausches können Sie auch wunderbar remote durchführen.

Gallery Walk. Eine weitere Möglichkeit: Die Teammitglieder schreiben ihre Gedanken zur Vision auf Post-its auf: Was habe ich gehört? Was gefällt mir? Was fehlt mir? Im Anschluss findet ein Gallery Walk statt, bei dem die einzelnen Post-its präsentiert werden. In einem Remote-Setting können Sie für diesen Zweck Kollaborations-Tools, wie bspw. miro nutzen. Sind alle Gedanken geteilt, holt der ScrumMaster das Commitment der Teammitglieder ein.

Mit meinen Teams bevorzuge ich das schriftliche Commitment: Jedes Teammitglied unterschreibt die erarbeitete Vision zum Beispiel auf einem Flipchart, das im Teamraum gut sichtbar aufgehängt wird. Durch diese Visualisierung bleibt das Commitment präsent. Eine schöne Art, die Vision auch im Homeoffice vor Augen zu haben, hat mir kürzlich ein Teammitglied präsentiert: Die Produktvision hatte sie handschriftlich auf schönes Papier übertragen und als Hintergrundbild auf ihrem Desktop gespeichert.

Ziele und Erwartungen des Teams: das Team-Canvas

Durch das Commitment hat der Product Owner nun eine Gruppe von Menschen um sich gesammelt, die sich mit der Produktvision identifizieren. Die Aufgabe des ScrumMasters ist es jetzt, der Gruppe dabei zu helfen, zu einem echten Team zusammenzuwachsen. Ein Hilfsmittel, das ich in meinen Projekten gern nutze, ist das Team-Canvas.

Mit Hilfe dieser Leinwand schafft das Team Transparenz über die individuellen und gemeinsamen Ziele, Motivatoren und Erwartungen. Aus dieser Transparenz heraus kann Vertrauen erwachsen, das ein Grundpfeiler hochproduktiver Teams ist. Das Team-Canvas beleuchtet sowohl die persönliche als auch die Team-Ebene. Im Zentrum steht dabei die Vision, die auf beiden Ebenen wirkt.

Hier ist ein Team-Canvas, das ich zusammen mit meinem Team in einem Kickoff-Workshop erarbeitet habe.

Das Team-Canvas gibt eine Struktur vor, die beim Team-Building eingesetzt werden kann. In meinem Beispiel hat das Team das Canvas genutzt, um sich erst einmal kennenzulernen und eine gemeinsame Basis zu finden. Genauso kann das Tool eingesetzt werden, um ein bestehendes Team wieder auf die Vision, gemeinsame Ziele und Stärken zu fokussieren.

Haben Sie das Team-Canvas schon einmal eingesetzt? Wie sind Ihre Erfahrungen damit? Welche Tools finden Sie hilfreich für Ihre Praxis? Ich freue mich über einen regen Austausch!

Titelbild: Fauxels auf Pexels

Geschrieben von

Stefanie Moeller Stefanie Moeller

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