Scrum: Und täglich grüßt das Murmeltier

Wie oft passiert es, dass Filme Sie an Ihre Arbeite erinnern? Mir ist dies mit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und Scrum vor kurzem passiert. Wer den Film nicht kennt: Er handelt von dem zynischen Wetteransager Phil, gespielt von Bill Murray, der am Murmeltiertag zur Live-Berichterstattung in die Kleinstadt Punxsutawney in Pennsylvania geschickt wird. Blöderweise wird er in einer Zeitschleife gefangen und erlebt ein und denselben Tag ein ums andere Mal: den Murmeltiertag. 

Was hat das mit Scrum zu tun? 

Klar, Iterationen! Ein ums andere Mal hat Bill Murray die gleiche Timebox (einen Tag) oder den gleichen Sprint um seine gesteckten Ziele (Sprintgoals) zu erreichen. Phil kann es zuerst nicht glauben, und so wiederholt sich der Tag erstmal, ohne dass Phil aktiv eingreift.

So geht es einigen in Transformationen. Orientierungslos gucken die Teams sich um und verschwenden meist nicht nur einen Tag. Manche Teams sind in ihren Arbeitsformen fest verankert, weil ihre Erfahrung ihnen dazu rät oder weil sie Widerstand gegen das Neue verspüren.

Kommunizieren Sie bei Transformationen ein klares Ziel (Vision), damit Ihre Mitarbeitenden nicht wie Phil Tage verschwenden. Vermitteln Sie ihnen das Warum, die Notwendigkeit für die Transformation und ein Bild des angestrebten Zustands. Die Vision muss vor dem Start des Unterfangens erarbeitet werden – mit den Mitarbeitenden. Beziehen Sie sie ein, damit sie von der Vision motiviert und angesprochen werden. Denn aus der Vision leiten sich Mission, Strategie und konkrete Arbeitsschritte ab (Roadmap, Portfolioplanung). 

Am Anfang war Verwirrung

Hier hören die Parallelen aber zum Glück nicht auf. Phil erkennt seine einmalige Situation und macht, was ihm beliebt: Er bricht die Regeln und lebt sich in seiner neuen Freiheit aus. Dummerweise nicht sehr zielorientiert. Unter anderem nutzt er sein Wissen aus, um mit Frauen zu flirten, er raubt eine Bank aus und macht einen drauf, aber er wacht immer wieder am selben Tag auf mit demselben Song von Cher, den er so sehr hasst. Diese Ideen bringen ihn also nirgends hin. Scrum-Teams müssen sich am Anfang auch erst finden und ihre Limits erkunden. Sie rauben zwar keine Bank aus, aber es kann vorkommen, dass sie mit ihrem Produkt in die falsche Richtung laufen.

Schaffen Sie Fokus durch häufige Feedbackschleifen, WIP-Limits und ein kurzes, priorisiertes Backlog. Scrum bietet Ihnen und Ihrem Team mit der Review und Retrospektive gute Möglichkeiten, am Ende von jedem Sprint oder Tag Ihr Produkt bzw. Ihre Arbeitsabläufe zu verbessern.

Dann Widerstand 

Der Song und die ewige Wiederholung desselben Tages treiben Phil in die Verzweiflung. Er versucht, der Zeitschleife durch Suizid zu entkommen oder indem er das arme Murmeltier entführt. Ich hoffe, dass es hier wenig Parallelen zu Ihrer Transformation oder Ihrem Scrum-Team gibt. Aber die Stimmung kann während einer Transformation durchaus kippen. Widerstand ist die Folge.

Nutzen Sie die täglichen Dailys und anderen Meetings, um solche Missstände schnell zu antizipieren und ihnen entgegenzuwirken. Vielleicht ist es auch notwendig, die Vision erneut zu schärfen – also die Fundamente Ihrer Zusammenarbeit zu festigen. Falls es doch zu einem Kollaps kommt und die Lieferfähigkeit und Stimmung des Teams dramatisch sinkt, sollten Sie eine:n Transformationsexpert:in zur Hilfe rufen – ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung.

Phil hat zum Glück keinen Erfolg mit seiner Verzweiflungstat.

Danach die Einsicht 

Schließlich nutzt Phil die ständigen Iterationen des gleichen Tages, um ihn zu verbessern. Er will den perfekten Tag kreieren. Genauso wie ein Scrum-Team nutzt er sein Wissen aus vorherigen Iterationen, um die eigene Entwicklung voranzutreiben. Er rettet Katzen von Bäumen, hilft Obdachlosen. Mit jeder Tat wird der Tag ein Stück besser, dabei lernt er auch seine Grenzen kennen: Er kann nicht jeden retten, trotz vieler Versuche. Am Ende schafft er der Zeitschleife zu entkommen, indem er den perfekten Tag schafft.

Ein Scrum-Team fängt wie Phil in einer komplexen Umgebung an. Mit jeder Iterationsschleife, die es durchläuft, mit jedem Inkrement und dazugehörigem Feedback kommt es dem Zielzustand, der Vision näher. Phil erhält jeden Tag direkt Feedback, genauso wie das Scrum-Team in der Review zum Produkt und in der Retrospektive zu seinen Arbeitsweisen.

Im Unternehmenskontext heißt das: Bewahren Sie Ruhe. Es sind kleine Änderungen und viele Iterationen bis zum gewünschten Resultat. Erwarten Sie keine großen Änderungen über Nacht. Nutzen Sie verschiedene Ansätze wie Pairing und abwechslungsreiche Retroformate, um neue Anreize zum Erreichen der Vision zu schaffen. 

Wenn Schluss ist, ist Schluss

Phil versucht alle zu retten und muss feststellen, dass dies nicht geht, obwohl er den Tag in- und auswendig kennt. Was ihm fehlt, ist ein Product Owner. Der schafft im Scrum-Team den Fokus durch ein kurzes Backlog und klare Sprintziele, die sich mit der Vision decken. Der ScrumMaster als sein Coach und Facilitator ist hier gefragt.

Die Krux sind in Unternehmen oft die vielschichtigen Aspekte, die der Product Owner beim Priorisieren beachten muss. Wenn er oder sie Frust und Irritation in seinem Team vermeiden möchte, muss er die Teamtransformation mit der des Unternehmens in Einklang bringen, damit das Team sich nicht wesentlich schneller oder langsamer als der Rest der Organisation transformiert.

Achten Sie auf das Murmeltier

Achten Sie darauf, dass Ihre Sprints nicht zum Murmeltiertag verkommen und Sie echte Veränderungen vorantreiben. Im Gegensatz zu Phil können Sie sich auch eine:n Mentor:in oder Berater:in holen, der oder die Transformationen bereits kennt und Sie am besten zum gewünschten Ergebnis leiten kann.

Titelbild: Eli Allan, Unsplash

Geschrieben von

Steffen Bernd Steffen Bernd Ob es Prozesse, Organisationen oder ihn selbst betrifft – Verbesserungen sind Steffen Bernds Leidenschaft. Vor allem, wenn dabei konstruktives Feedback und Motivation Hand in Hand gehen. In seinem Werkzeugkoffer findet er dafür neben den agilen Methoden auch Coaching- und effektive Kommunikationsansätze. Als erfahrener und zertifizierter Business Coach mit einer Affinität für Sprachen versteht er sich sowohl auf das Analysieren als auch auf das kreative Zusammenarbeiten. Seine Schwerpunkte setzt er in Lean Six Sigma, agile Prozessbegleitung und effektiver Kommunikation. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit seinem Sohn, beim Crossfit oder als ehrenamtlicher Lifecoach für Hilfsorganisationen.

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