Herbstidylle & Post-its: Agil & kooperativ lernen auf dem Agile Coach Camp

Agiles Arbeiten braucht agiles, kooperatives Lernen, und wie könnte das besser klappen, als wenn Expert:innen im Bereich Agilität zusammenkommen. Endlich wieder live und in Farbe konnte das heurige Agile Coach Camp stattfinden. Für viele war es die erste größere Präsenzveranstaltung, seit die Pandemie unser Leben und unsere Arbeitswelt einmal komplett durchgerüttelt hat. Auch wenn wir gelernt haben, remote genauso effektiv und kreativ zusammenzuarbeiten, sind wir doch alle soziale Wesen und freuen uns über Begegnungen im echten Leben.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin davon überzeugt, dass digitale Zusammenarbeit auch reale Zusammenarbeit ist. Doch wenn es ums Socializen geht, dann ist Zoom oder MS Teams nicht die richtige Plattform. Dafür eignet sich ein entlegenes Hotel in idyllischer Herbstlandschaft schon besser.

Was ist ein Barcamp?

Agile Coach Camp also: Sie denken jetzt vielleicht an Lagerfeuer-Romantik und beschwingte Leichtigkeit im Zelt, doch das ist es nicht. Das (Bar)Camp ist ein offenes Tagungsformat ohne vorab festgelegte Agenda. Motivierte Menschen, die ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre Leidenschaft einbringen, bestimmen Inhalt und Ablauf. Die sogenannten Teilgebenden sind jene Teinehmer:innen, die ein Thema in die Agenda einbringen und mit den interessierten Anwesenden diskutieren oder erarbeiten wollen. Diese Form des voneinander Lernens ist besonders wirkungsvoll, da man sich nur mit jenen Themen befasst, die für einen aktuell relevant sind. Auf dem diesjährigen Agile Coach Camp waren etwa 30 Agilist:innen vor Ort. Normalerweise wären es noch vielmehr, doch aufgrund der Corona-Situation wurde der Teilnehmer:innenkreis auf zwei Wochenenden je zur Hälfte aufgeteilt.

So entsteht die Agenda

Zu Beginn der Veranstaltung hat uns Veronika vom Organisationsteam gefragt, ob wir ein Thema mitgebracht haben. Wir sollten es auf große Post-its schreiben und reihum in einem kurzen Pitch vorstellen. Danach wurde gemeinsam festgelegt, an welchem Ort und zu welcher Zeit im Laufe der Veranstaltung das Thema auf die Agenda kommen sollte. Von den insgesamt 30 Anwesenden brachten etwa die Hälfte ein eigenes Thema mit, manche sogar zwei. Ich hatte auch ein Thema dabei und gemeinsam mit meiner Kollegin Laura vorgestellt.

Laura und ich haben uns vor mehr als zwei Jahren bei einer ähnlichen Veranstaltung kennengelernt. Seitdem treffen wir uns immer wieder, um voneinander zu lernen. Wir tauschen Leseempfehlungen aus und unterstützen uns bei vertrackten Problemen. Dieser Austausch und diese Co-Creation ist ein unglaublicher Mehrwert für uns beide, weil wir aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Erfahrungen auf ein und dieselbe Situation draufschauen und so zu unterschiedlichen Lösungsansätzen kommen.

In unserer Session beim Barcamp ging es um das Agile People Manifesto, das wir zusammen ins Deutsche übersetzt haben. Gemeinsam mit einer kleinen Runde interessierter Professionist:innen haben wir die Übersetzung diskutiert, kritisch reflektiert und die Anwendbarkeit in agilen Kontexten abseits der IT evaluiert.

Was hat das mit Lernen zu tun?

Laura und ich haben neue Perspektiven mitgenommen, die für uns interessant und relevant sind. Wir haben zum Beispiel gelernt, dass einzelne Worte, wenn man sie sinngemäß aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, bei unterschiedlichen Menschen ganz Unterschiedliches auslösen. Dieses Feedback ist für uns sehr wertvoll, da der Transfer in die Praxis genau an dieser Art von Missverständnis scheitern könnte. Darauf werden wir beide in unserer Rolle als Unternehmensberater:innen jetzt besonders achten. Für uns ist Lernen ein sozialer Prozess aus Impulsen, Üben, Reflektieren, Fehler machen, neue Fragen stellen. Und das immer und immer wieder. Nicht theoretisch, sondern praktisch im TUN und anhand von konkreten relevanten aktuellen Frage- und Themenstellungen.

Wenn Sie dieses Erlebnis gemeinsamen Lernens auch kennenlernen möchten, halten Sie Ausschau nach Barcamps, Open-Space-Konferenzen oder Meetups. Diese finden in allen Teilen der Welt zu den unterschiedlichsten Themen statt und bieten einen wunderbaren Ort, um Wissen zu teilen, sich auszutauschen, neue Leute kennenzulernen und Spaß zu haben. Auch wir von borigloger veranstalten immer wieder (Online-)Meetups. Kommen Sie doch einfach mal vorbei.

Mehr zum Thema agiles und kollaboratives Lernen erfahrt ihr im Podcast Insights by Boris Gloger: Wie starte ich organisationales Lernen, Elisabeth Petracs (borisgloger)?

Titelbild: Priscilla Du Preez, Unsplash

Geschrieben von

Elisabeth Petracs Elisabeth Petracs In ihren mehr als 20 Jahren Arbeitserfahrung, die Hälfte davon in agilen Teams und als Agile Coach, hat Elisabeth Petracs vor allem eine zentrale Erkenntnis gewonnen: Mutige Menschen bringen nicht nur die gesellschaftliche Entwicklung voran, sondern auch die der Unternehmen. Als Wissensmanagerin weiß sie: Veränderungsmomente bieten Unternehmen die ideale Chance, um eine lernende Organisation aufzubauen. So sieht sie, wo andere Veränderungsdruck spüren, den Raum, zu mobilisieren und aktiv zu gestalten. Ihre ersten Berührungspunkte mit Agilität hatte sie als Fachexpertin in einem crossfunktionalen Software-Entwicklungsteam in der Telekommunikationsbranche. Seither hat sie auch abseits von der IT zahlreiche Teams begleitet, die ihre Zusammenarbeit und ihre Arbeitsweisen umstellen wollten. Für sie steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen immer im Mittelpunkt. Sie ist davon überzeugt, dass Menschen selbst wissen, wie sie ihre Organisation verbessern können, wenn sie die Chance dazu erhalten. Außerdem sei Co-Creation der pragmatischste Weg für Innovation, so die Design-Thinking-Expertin. Ihre Freizeit verbringt Elisabeth am liebsten mit ihrem Sohn auf dem Baseball-Platz oder mit Büchern – sowohl lesend als auch schreibend.

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