Schreibtipp: 3 Fragen, um deine Gedanken zu sortieren

Neulich fragte mich eine Kollegin, was sie mit ihrem Blogbeitrag machen soll: wegwerfen oder weiter überarbeiten? Wegwerfen würde zwar wehtun, aber sie wusste nicht, ob der Überarbeitungsaufwand gerechtfertigt war. Dabei waren wir beide begeistert, als sie mir den Beitrag zum ersten Lektorat gab: Sie schrieb über eine Gruppe faszinierender Führungskräfte, die offensichtlich ihrer Branche voraus waren. Der Beitrag kam von Herzen, aber doch fehlte ihm etwas. Und nun fühlte sie sich blockiert.

Vermutlich gibt es so viele Arten, Schreibblockaden zu lösen, wie es Schreibende gibt. Meine liebste Methode, (meine) Schreibblockaden zu überwinden, beruht auf einer persönlichen Vorliebe: Ich arbeite an der Struktur. Das heißt: Ich sammle Material, wühle mich hindurch, analysiere, sortiere, miste aus. Was mich an dieser Vorgehensweise fasziniert, ist, dass ich im Arbeiten an der Struktur meine eigenen Gedanken (und als Lektorin die Gedanken anderer) begreife und Erkenntnisse daraus gewinne.

Diese drei Fragen helfen mir dabei, an der Struktur meiner Texte zu arbeiten und die Texte anderer zu lektorieren:

1.    Hast du die richtigen Schwerpunkte gesetzt?

Beispiel: Du willst eine Checkliste mit 5 Punkten schreiben. Dann stellst du fest, dass du zu einem Punkt unverhältnismäßig viel geschrieben hast. Zu den anderen 4 fällt dir kaum etwas ein und du mühst dich damit ab, sie aufzufetten.

Lösung: Streich die 4 Punkte, zu denen dir nichts einfällt und mach aus dem einen umfangreichen Punkt einen eigenen Beitrag. Du wirst sehen: Wenn du dem einen Schwerpunkt, der dir offensichtlich am wichtigsten ist, mehr Raum gibst, ergibt sich ganz von alleine eine neue Struktur und möglicherweise eine neue Checkliste.

2.    Passt die Struktur zum Inhalt?

Beispiel: Du hast in deiner Arbeitspraxis etwas Spannendes erlebt und glaubst, andere könnten daraus lernen. Nun schreibst du das Erlebte genauso nieder, wie es sich zugetragen hat. Dann stellst du fest, dass du zwar einen Erlebnisbericht geschrieben hast, aber nicht weißt, was andere daraus lernen sollen.

Lösung: Probiere aus, was passiert, wenn du dich von der chronologischen Struktur (die Reihenfolge, in der du etwas erlebt, gehört, gelesen, verstanden hast) löst und ganz unabhängig davon die zentralen Erkenntnisse niederschreibst. Leg deinen Text zur Seite und schreib einen kurzen Abstract (oder einen Tweet = 280 Zeichen), in dem du die wichtigsten Punkte aufzählst. Suche nach den logischen Kategorien (diese könnten gleichzeitig deine Zwischenüberschriften sein), die zu deinem Inhalt passen. Anschließend kannst du deinen Text thematisch strukturieren, z. B. nach der Innensicht auf das Team und der Außensicht auf den User. Vergiss nicht, Schlussfolgerungen aus deinen Beobachtungen zu ziehen oder deine eigene Wahrnehmung einzubringen. Das ist es, was deinen Text interessant macht.

3.    Hast du deine Gedanken zu Ende gedacht?

Beispiel: Du erlebst einen Schlüsselmoment, endlich löst sich ein Knoten, der dich schon lange gedrückt hat. Nun willst du diese Erkenntnis niederschreiben. Aber beim Schreiben kommst du vom Hundertsten ins Tausendste, ohne dich wirklich verständlich auszudrücken.

Lösung: Beim Schreiben und vor allem beim Überarbeiten entwickeln sich deine Erkenntnisse weiter. Lass auch vollkommen neue Erkenntnisse zu, selbst wenn sich der Text dann sehr weit von deiner ursprünglichen Idee entfernt. Betrachte dazu deinen Text, als ob ihn jemand anders geschrieben hätte. Such nach den Mustern, die dir bisher noch nicht aufgefallen sind. Welche Themen kehren wieder? Welche Teile fallen aus dem Muster heraus? Wo redest du um den heißen Brei herum? Spüre diesen Stellen nach und frage dich, was du noch nicht explizit gemacht hast, das zum Verständnis beitragen würde. Auch wenn das bedeutet, dass du frühere Überzeugungen über Bord werfen und manche Dinge ganz neu denken musst.

Bonustipp: Was soll ich tun, wenn ich nur wenig Zeit zum Überarbeiten habe?

Wenn du schnell und effektiv überarbeiten willst, dann tu genau das. Geh schnell über deinen Text, identifiziere das Wichtigste, streich alles, was dazu nicht beiträgt und deinen Text unnötig beschwert, bau die Stellen aus, an denen offensichtlich etwas fehlt, gib den Text möglichst schnell jemand anderem zu lesen – auch wenn du noch nicht zu 100 % zufrieden bist – und arbeite mit dem Feedback weiter.

Und jetzt?

Die Kollegin hat ihren Beitrag mittlerweile noch einmal überarbeitet. Sie hat die Struktur dem Inhalt angepasst. Ihr Stil wurde merklich gelöster und der Text liest sich nun richtig gut. Überzeug dich selbst.

Jetzt bist du dran. Schreib mir deine Fragen, Kommentare und Feedback. Ich freue mich darauf, von dir zu lernen.

Titelbild: Patrick Tomasso, Unsplash

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