Die Un-Gleichung

Morgen bin ich 1000 Tage Teil eines Netzwerks, einer Gemeinschaft, eines Teams. Vor 1000 Tagen habe ich mir einen Verbündeten gesucht. Einen Verbündeten der anders ist, vermeintlich „genau das Richtige“ und „perfekt“.
Ich bin müde. Am Wochenende ist Schlaf mein wichtigstes Gut. Ich muss auftanken, Kräfte bündeln, manchmal sogar mit Worten sparen.
„Warum machst du das?“, werde ich oft gefragt.
Es ist stressig, es ist anstrengend, kräfteraubend, es bringt mich oft an meine Grenzen und doch stehe ich jeden Morgen auf, setze mich fast täglich in einen Zug, steige wöchentlich in ein Flugzeug und wechsle nahezu täglich mein Hotelzimmer. Wozu? Weil ich wachse, ich entwickle mich, ich lerne, ich gehe an meine Grenzen und oft darüber hinaus. Es ist eine Kraft hinter der Kraft, die mich antreibt. Täglich, stündlich, fast jede Minute.
Ist mein Partner perfekt? Nein, aber ebenso wenig bin ich es. Ich habe nach einem Verbündeten gesucht, der mir jeden Tag zeigt, dass es nicht das makellose Perfektsein, das Allwissen und Über-den-Dingen-stehen ist, das mich antreibt, das mich verbindet, magisch anzieht, über meine Grenzen treibt und jeden Tag aufs Neue motiviert, genau das zu tun, was ich tue.
Ich muss Teil sein der Veränderung. Ich muss Menschen zeigen, dass die vielen Stunden hinter Schreibtischen, in unpersönlichen Büroräumen und zähen Meetings nicht ein notwendiges Übel sein müssen. Es soll die Kraft werden, die sie ermutigt, anders zu sein und ihre Arbeitswelt in Frage zu stellen. Das nicht-perfekte Umfeld wird der Motivator mitzugestalten, Teil zu sein.
Unsere Arbeit hat sich verändert, wir müssen das auch. Unser Führungsverständnis muss den Puls der Zeit fühlen. Unsere Organisationen, Firmen und Vereine … unsere Verbündeten schreien nach Wachsen und Entwicklung, und wir können ihnen dabei helfen, die verschiedenen Melodien wieder zu einer Symphonie zu dirigieren. Das möchte ich jeden Tag aufs Neue sagen, manchmal möchte ich es sogar schreien.
Ich habe viele Kollegen kommen und gehen sehen. Ich habe Freunde gewonnen und auch diese haben sich neue Verbündete gesucht. Doch ich bin hier.
Es kommen neue Kollegen, und Kollegen wachsen zu neuen Freunden. Ich werde ihnen Gespräche anbieten, unterstützend zur Seite stehen, eine Schulter zum Anlehnen in schweren Zeiten sein. Werde ich sie gehen sehen? Vermutlich. Denn ich bin noch nicht am Ende.
Noch lange nicht.

Foto: CC0 Creative Commons – pixabay, nandhukumar