Geheimnisse einer wirklich guten Vision

 

Vision – ein verbranntes Wort.

Doch warum eigentlich? Warum gibt es einen Beißreflex, wenn man als Consultant davon spricht? Schließlich ist die Vision die treibende Kraft eines Unternehmens. Ohne eine klare Vision hätten wir heute kein iPhone. Ohne eine Vision hätten wir heute keine Wikipedia. Ohne eine Vision hätte Neil Armstrong vielleicht nie den Mond betreten.
Eine klare, emotional ansprechende Vision ist auf der einen Seite der Grund, warum sich Menschen aufopfern, warum sie an ihre Grenzen und weit darüber hinausgehen. Sie ist der Grund, warum sie einen Sinn in ihrem Handeln erkennen.
Auf der anderen Seite wird sie verlacht und nicht ernst genommen. „Vision – das haben die da oben sich wieder ausgedacht.“ – Solche Sätze hört man in Unternehmen öfter, als es gesund wäre. Es gibt viele Gründe dafür, warum eine Vision nicht zieht. Einer der gravierendsten Gründe ist aber, dass die Vision für mich als Mitarbeiter keine Relevanz hat: Ich erkenne keinen Sinn darin. Ich will nicht schon wieder die Leier „10% mehr von dem, was wir haben“ hören. Ich will Sinn. Ich will einen Nutzen erkennen und ein Bedürfnis damit befriedigen. Ich will die Welt ein Stück verändern.
 

Ist es wirklich so schwer, eine gute Vision zu entwerfen?

Im Grunde ist es nur notwendig, sich über folgende Punkte klar zu werden:

Eine Vision ist das „Why“, das ich als richtig erkenne. Eine einfache Frage, die viel zu häufig in unserer Kommunikation missachtet wird: Warum tue ich eigentlich, was ich tue?
Hier einige Beispiele von Visionen, die die Welt verändert haben.
John F. Kennedy in seiner berühmten Man on the Moon Speech:
 

“I believe that this nation should commit itself to achieving the goal,

before this decade is out, of landing a man on the moon

and returning him safely to the earth.”

 
Bzw. die Vision von Wikipedia:

“Stell Dir eine Welt vor, in der jeder einzelne Mensch freien Anteil an der Gesamtheit des Wissens hat.”

 
Oder Martin Luther King in seiner berühmten Rede „I have a dream“:

“I have a dream that one day this nation will rise up, and live out the true meaning of its creed: ‘We hold these truths to be self-evident: that all men are created equal.’”

 
Eine Vision ist keine mit Tonnen von Text beladene Powerpoint-Präsentation. Ich verwalte sie nicht, sondern sie ist der Grund, warum ich jeden Tag aufstehe. Ein Satz, ein Bild, ein Gedanke, der mich treibt.
Eine sehr schöne Möglichkeit, um sein eigenes Why herauszufinden, ist diese einfache Übung:
Nimm dir einen Monat lang jeden Tag 10 Minuten Zeit und schreib auf, was dich ausmacht. Was will ich bewirken? Warum handle ich, wie ich handle? Man lernt sich selbst völlig neu kennen – versprochen.
Was man damit dann macht? Nicht nur predigen, sondern handeln. In jedem Gespräch, in jeder Handlung zeigen, was die eigene Vision ist.
 

Video: Was wir von Babys lernen können – Kooperation

 
Scrum ist überall! 😃 Nein, Spaß beiseite. Wer sich mit den Arbeiten von Jesper Juul und Gerald Hüther auseinandersetzt und wie ich erleben darf, wie ein Baby lernt, der kommt als Scrum-Enthusiast nicht umhin, eine Parallele zur Entwicklung und Lieferfähigkeit von Teams zu ziehen.
Wie kooperiert bereits ein Baby und wie reagieren die Eltern darauf? Was können wir daraus für die Arbeit mit Teams lernen?
Viel Spaß beim Anschauen – Boris
 

Der ganz andere MBA

 
Ich wollte lernen, wie Executives in den großen deutschen und internationalen Unternehmen denken. Mein Ziel war es, unsere Kunden besser zu verstehen. Was lag also näher, als ihre Welt mit dem Blick durch ihre Brille kennenzulernen und zu erfahren, was diese Executives wissen, wie sie die Welt sehen und was ihnen so beigebracht wird.
Gedacht, getan – ich schrieb mich an einer der führenden Hochschulen ein, um ein MBA-Programm zu absolvieren: St. Gallen. Warum St. Gallen? Ich wollte wissen, wie die europäische Wirtschaftselite denkt, Programme an amerikanischen Universitäten wären mir zu einseitig gewesen. Das passende Programm war schnell gefunden: Global Executive MBA. Wenn schon, dann tatsächlich die globale Perspektive kennenlernen. In Brasilien und Südafrika hatte ich bereits gearbeitet und sie noch einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben, würde mich sicher nicht langweilen. Da war ich mir sicher.
Die beiden ersten Module fanden in St. Gallen statt, und natürlich begann das Programm mit Ökonomie und dem St. Galler Management Modell. Ich las mich in Theorien zur Makro- und Mikroökonomie ein und quälte mich durch ein Buch, das nicht trockener und schwerer geschrieben sein konnte. Selbst Adorno und Luhmann würden den Hut vor diesen Satzmonstern ziehen. Und dann ging es los: Professor Jenewein startete das Modul mit dem Thema Führung und ich traute meinen Ohren nicht. Er erzählte in anderen Worten und mit anderen Beispielen, anders akzentuiert, aber sonst sehr ähnlich, den Inhalt meines Buchs “Selbstorganisation braucht Führung” . Nein – er hatte es nicht gelesen, war aber auf ähnliche Dinge gestoßen wie ich. Er erklärte es zwar nicht mit agilen Begriffen und setze es auch in andere Kontexte, doch es fiel mir schwer, einen Unterschied zu sehen.
Dann kamen wir zur Ökonomie. Das war für mich Neuland, wenn auch nicht völlig unbekannt. Doch wir lernten nicht nur über Angebot und Nachfrage, sondern beschäftigten uns auch mit der Spieltheorie, mit der Funktionsweise der Finanzmärkte und damit, wie Blasen zu erkennen sind. All das war neu für mich, und dann kam das St. Galler Management Modell an die Reihe. Ich dachte, ich lese nicht richtig: Management ist ausschließlich dazu da, eine reflexive Praxis zu leben und ständige Reflexionen zu generieren. Alles, was mit Entscheidungen zu tun hat, ist nicht mehr Management, sondern eben Sacharbeit.
Wo bin ich da hineingeraten? Das ist doch das Mindset, das ich den Kunden beibringen will. Ich wollte wissen, wie sie ticken, und dachte, sie lernen an den Universitäten etwas anderes. Ich war auf meinen Widerstand vorbereitet gewesen, aber doch nicht darauf, dass in St. Gallen genau das erzählt wird, was ich selbst denke. Zum Teil sehr ähnlich, zum Teil sogar erweitert. Naja, aber da waren ja auch noch die anderen Kurse: Change Management und Financial Accounting in Rio de Janeiro. Das würde sicher anders werden.
Die Leseliste für diese Kurse war tatsächlich sehr altbacken. Kotter und ein Basiskurs zur doppelten Buchführung. Ich war beruhigt, es würde also doch noch traditionell werden. Doch es kam wieder anders: Klar, wir lernten die Grundlagen der doppelten Buchführung und der Professor aus Brasilien brachte uns die Liebe zum Accounting als Finanzsprache bei. Er wollte klarmachen, dass wir mit dieser Sprache in der Lage sind, unsere Unternehmen darzustellen, für die Geldgeber und für die Banken. Und schon war ich an meine eigenen Ideen zur Agilität erinnert. Es ging ihm darum, Unternehmen nach außen hin transparent zu machen, mit Hilfe klar definierter Begriffe und Kennzahlen, die für die Wirtschaft einfach sinnvolle Größen darstellen. Ich war begeistert. Aus Accounting wurde in meinem Kopf plötzlich ein Tool, um in agilen Management-Frameworks endlich auch die Businessseite des Themas zu zeigen. Ein wie ich finde noch völlig unbeleuchtetes Thema. Und ja: Es mag Leute geben, die das alles ablehnen, doch Unternehmen verändern unsere Welt – wie mir in Kapstadt wieder einmal bewusst geworden ist. Dazu später mehr.
Noch viel interessanter wurde es, als der Professor für Change Management die Bühne betrat. Ich dachte: “Jetzt kommen die vielen klassischen, ohnehin bekannten Ideen dazu.” Und was passiert: Er erklärt mehr oder weniger, dass es – um einen Change einzuleiten – Ziele braucht, die für die Beteiligten nützlich sind. Nur wenn jeder etwas davon hat, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen, wird etwas in Bewegung kommen. Also sind die klassischen Ziele von Unternehmen überhaupt nicht sinnvoll. Wir haben uns ein Fallbeispiel nach dem anderen angesehen: Ähnliche Unternehmen, die vor den gleichen Herausforderungen standen, einer Veränderung zu begegnen. Die einen waren erfolgreich, weil sie mit den Menschen arbeiteten, die anderen waren es nicht, weil sie Maßnahmen für oder über die Menschen hinweg gesetzt hatten. Wieder betonte der Professor, dass es ein starkes “Why” braucht, um einen Change einzuleiten.
Also wurde ich wieder heftig enttäuscht, denn ich hatte erwartet, das Mindset erklärt zu bekommen, das ich in vielen Unternehmen antreffe. Das wollte ich ja verstehen und doch bekam ich etwas gänzlich anderes, nämlich eine Bestätigung meiner Arbeit der letzten 15 Jahre. An sich genial und es wurde sogar noch besser, denn kurze Zeit später konnte ich dieses Wissen im Kreise von Top Executives der deutschen Wirtschaft anbringen – und oh Wunder, es wurde dort verstanden. Die Top Executives sind möglicherweise sogar schon da, wo ich sie nicht vermutet hätte.
Dann fuhr ich nach Kapstadt. Im Modul zum Strategic Management musste das alte Denken doch zu finden sein. Ich hatte sogar das Glück, in einer der Gruppen zu sein, die sich mit den 5 Wettbewerbskräften von Porter herumärgern musste, doch ansonsten wurde strategisches Management als Change Management einer Organisation begriffen. Eine Organisation wurde als System von Konversationen verstanden. Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Ackoff und Luhmann als Grundlage von Organisationen und die klare Aussage, dass jede Strategie nur so gut wie die Implementierung ist. Dass nur das System selbst in die Richtung gehen kann und dass man ein Netzwerk aus Commitments schaffen muss. Genau darüber hatte ich doch in den Jahren zuvor geschrieben – nicht so abgehoben, weil ich dachte, das ergebe keinen Sinn. Naja, und dann sprechen die Professoren von Episoden und Systemen und zeigen uns Unternehmen, die genau so funktionieren.
Was soll ich sagen, so nach dem ersten Drittel des Studiums: Ich bin enttäuscht, aber positiv. Mehr und mehr Menschen werden mit diesem neuen Mindset konfrontiert. Nicht jeder versteht es sofort oder akzeptiert es. Denn die tiefer sitzende Botschaft ist, dass wir in einer komplexeren Welt leben, als wir es uns alle eingestehen. Der Ausgang von Interventionen ist nicht sicher. Aber es wird immer ein Resultat geben und häufig ist dieses Resultat besser als das System zuvor.
 
Wer sich für den Global Executive MBA interessiert: Ich kann ihn nur empfehlen.

Tun Sie, was Sie lieben?

Wissen Sie, wie einer meiner letzten Arbeitstage vor dem Urlaub aussah? Ich war mit einer Kollegin in Bremen frühstücken und besprach noch einige Details zu einem neuen Kunden. Dieser Kunde ist gerade dabei, sich komplett agil aufzustellen. Ich hatte dort zwei Gespräche wegen des neuen Einsatzes und traf Menschen in Leitungspositionen, die offen für ehrliches Feedback sind. Sie freuen sich geradezu darüber, eine ehrliche Meinung zu hören. Wir redeten in unseren ersten Treffen bereits über Themen, die ihnen wirklich am Herzen lagen und ich besprach mit ihnen erste Ideen und Lösungsansätze dafür. Wir hatten eine Menge Spaß – passende Modelle und Erfahrungen sprudelten aus mir heraus. Ich schwieg an Stellen, an denen sich mein Gesprächspartner selbst die Antwort gab und half mit Antworten und Fragen, wo ich etwas beisteuern konnte. Kennen Sie das Gefühl, im Flow zu sein? Ich war mittendrin und es war wirklich schön.

Lost in joy

Danach spazierte ich über den Marktplatz und kaufte Souvenirs und Kuchen für den Abschied bei meinen derzeitigen Kunden. Einerseits machte es mich etwas traurig, auf Wiedersehen zu sagen, andererseits freue ich mich auf den neuen Kunden mit seinen Herausforderungen und auf die offene Atmosphäre, die ich bereits spüren durfte. Auf der Rückfahrt im Zug nach Stuttgart arbeitete ich am Abschlussfeedback für meinen Kunden und zeichnete an den Superkräften meines Teams. Es ging mir darum, meinem alten Team etwas zu hinterlassen, das die Menschen einerseits daran erinnert, dass jeder seine Stärken hat und andererseits bekam jeder von mir eine Ministatue der Bremer Stadtmusikanten als Zeichen dafür, dass sie alle zusammengehören und gemeinsam mehr erreichen können als alleine. Sie haben sich beeindruckend entwickelt und es fällt mir leicht zu sehen, was noch in ihnen steckt und in den nächsten Monaten noch geboren werden kann. Beim Zeichnen hatte ich mich im Zug über einen kompletten Vierertisch ausgebreitet. Eine Mitreisende fragte mich: „Was wird denn das?“ Ich erkläre es ihr und konnte mir den Nachsatz nicht verkneifen: „Cool, was? Ich werde sogar dafür bezahlt.“ Schmunzelnd zeichnete ich weiter und ertappte mich mal wieder beim Gedanken, dass ich den besten Job dieser Welt habe. Zwischendrin las ich über die 5 Dysfunktionalitäten eines Teams und korrigierte noch den Blog einen Kollegen. Dann juckte es mich in den Fingern, selbst noch einen zu schreiben. Inzwischen war es kurz vor 21:00 und ich hatte zwei Züge verpasst, weil es mir gerade wichtiger war, diesen Blog zu Ende zu schreiben.

Die beste Work-Life-Balance

Das Amüsante, das mich letztendlich immer wieder verwundert, wenn ich mir selbst zuschaue, ist das Bewusstsein, dass ich das früher nicht getan hätte. Hätte mich ein Arbeitgeber gebeten, bis spät in die Nacht quer durch Deutschland zu reisen, beim Frühstück über Kundenprobleme zu reden – ich wäre schneller weg gewesen, als er schauen hätte können. Das Lustige ist nur, dass ich nun tatsächlich das gefunden habe, was mir Spaß macht, wofür ich liebend gerne lese, diskutiere und bis spät in der Nacht schreibe. Die Energie wird dadurch nicht weniger, sondern mehr. Für mich ist das Schlagwort “Work-Life-Balance“ nur wichtig, solange ich nicht tue, was ich liebe.
Und sollte es mal anders sein, lebe ich in einer Firma, die mich ohne Probleme mal eine Auszeit machen lässt. Eine Firma, die eine Kollegin in den nächsten Tagen eine dreimonatige Weltreise antreten und eine andere nächstes Jahr den Appalachian Trail in den USA gehen lässt. Ganz ohne Bürokratie. Eine Firma, wo wir beim letzten Consultingtag einen Organisationsstuhl aufgestellt haben, um die Firma für sich selbst sprechen zu lassen und wo wir gerade das Modell des konsultativen Einzelentscheids ausprobieren. Am Ende eines solchen Blogs sollte eigentlich immer ein Ratschlag stehen oder zumindest eine Frage aufgeworfen werden. Aber das Einzige was ich derzeit sagen kann, ist: Schön, dass ich bei Boris Gloger Consulting angekommen bin und schön, dass ich nun tun kann, was mir wirklich am Herzen liegt.
Vielleicht doch ein kleiner Ratschlag am Rande: Ich hatte genug Gelegenheit, viel Geld mit einem 40-Stunden-Job zu verdienen. Im Gegensatz zu dem, was ich jetzt mache, bereue ich kein bisschen, dass ich ihn sausen ließ. Das Lustige ist ja: Ich müsste nicht mal so viel arbeiten, aber es macht mir einfach Spaß. Wenn Sie also das Gefühl haben, Sie sollten etwas anderes tun: Fühlen Sie mal vor, ob es nicht eine Möglichkeit dazu gibt und machen Sie sich selbst ein großes Stück glücklicher – mit dem Job, den Sie wirklich lieben.

Der Grundpfeiler meines Lebens: Dankeschön!

Danke zu sagen hat eine unglaubliche Kraft. Im Laufe der Zeit verändert es Dinge im Großen wie im Kleinen. Ich durfte das am eigenen Leib erfahren, als ich eine der schwierigsten Phasen meines Lebens durchlaufen habe. Es war eine Zeit, in der anscheinend alles schief lief. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich mein gesamtes Geld verloren und war von äußeren Umständen bedroht, die mir unerklärlich waren. Ich hatte mich früher immer damit gerühmt, niemals unterzugehen, niemals aufzugeben und immer über Wasser bleiben zu können, das Bild des „Last Man standing“ war tief in meinem System verankert. Als diese für mich übermächtigen Schicksalsereignisse mich zu bedrohen anfingen und auf mich niederprasselten wie Hammerschläge auf einen Amboss, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben seit meiner Kindheit wirklich aufgegeben. In dieser Phase meines Lebens war völlig unklar, wie es weitergehen sollte. Jeden Tag haderte ich damit, dass es schlimmer werden könnte und zweifelte an der Einfachheit des Lebens.
Dank des Zuspruchs meiner Familie passierte aber dann etwas Unglaubliches. Ich fing an, meinen Blick auf die Dinge zu richten, die ich als gut empfand und ich begann, dankbar zu sein. Am Anfang fiel es mir richtig schwer. Wenn es viele bedrohliche Dinge im Leben gibt, ist es oft schwer, die kleinen Dinge zu finden, für die man dankbar sein kann. Irgendwann fing ich einfach damit an. Zunächst glaubte ich nicht einmal daran, ich sah nur einfach keinen anderen Ausweg mehr.
Ich fing an, im Stillen dankbar für jeden geschenkten Tag zu sein. Vorher hatte ich vor jedem Tag Angst: “Wird heute der Tag sein, an dem alles noch viel schlimmer wird?“, fragte ich mich jeden Morgen. Plötzlich begrüßte ich den Tag mit Dankbarkeit. Ich dankte dafür, einen weiteren Tag erleben zu dürfen, zu sehen, wie die Sonne aufging und mich von den Strahlen wärmen zu lassen. Ich fing an, Dankbarkeit für die Spaziergänge zu empfinden, die ich machte und die meinen Kopf frei machten. Ich bedankte mich für jede Minute, in der ich mich mit anderen Dingen beschäftigte, als darüber nachzudenken, wie schlimm noch alles werden könnte.
Allmählich passierte wirklich Seltsames: Dinge gingen zu meinen Gunsten aus, ohne dass ich mir erklären konnte, wie das so einfach möglich war. Jemand bot an, mir zu helfen. Obwohl es zu seiner Arbeit als Selbstständiger gehörte, hat er mir nie etwas dafür in Rechnung gestellt. Probleme begannen sich reihum einfach in Luft aufzulösen, während es mir selbst immer besser und besser ging und ich dankbarer und dankbarer für die Kleinigkeiten des Lebens wurde.

Verrückt oder System?

Ganz ehrlich, ich kann mir bis zum heutigen Tag nicht ganz erklären, warum das so ist und ich habe meine Erfahrungen lange mit niemandem geteilt, weil ich dachte: Wenn ich es mir nicht erklären kann, müssen mich alle anderen für verrückt halten. Aber wenn wir uns die neueste systemischen (Bewusstseins-)Forschungen und Change-Management-Methoden ansehen, wird diese Dankbarkeit gerade gelehrt. Einer der einfachsten Mechanismen diesbezüglich lautet: Worauf wir uns konzentrieren, davon bekommen wir mehr. Dementsprechend beginnen manche Firmen ihre Retrospektiven oder Meetings mit einer Runde, in der jeder sagen kann, wofür er gerade dankbar ist. Manche Firmen starten am Freitag eine Dankeslawine per Mail: Einer fängt an, Danke zu sagen und verschickt es an alle. Wer auch einmal für irgendetwas Danke sagen möchte, macht weiter.
Ich habe mich auf die Dankbarkeit für die guten Sachen in meinem Leben eingelassen und seitdem werden es mehr und mehr. Manchmal sitze ich vor meinen Leben und bin fassungslos, wie viele positive Dinge rund um mich passieren. Mit der Zeit wurde das Dankbarsein für mich zu einer Grundlebenseinstellung und das hat mich, meine Freunde, die Art der Dinge, die in meinem Umfeld passieren, grundlegend verändert. Keine einzige dieser Veränderungen war in irgendeiner Art und Weise negativ.
Hätte ich nur noch eine Minute zu leben und die Gelegenheit, den Menschen rund um mich noch etwas mitzuteilen, dann wäre es wohl das: Sei dankbar und höre auf dein Herz. Und übrigens: Danke, dass ich hier sein durfte, es war eine wirklich wunderschöne Zeit.

Progress not perfection

Was haben der Beruf eines Consultants und agiles Arbeiten gemeinsam? Die Antwort darauf ist: ständiges Feedback auf dem Weg zur Meisterschaft. In Consulting Organisationen kommen neue Kollegen frisch von der Universität in das Unternehmen und lernen das Business von der Pike auf. So schnell wie möglich werden sie ins kalte Wasser geschmissen und mit den Kunden und deren Projekten konfrontiert. Das ist sehr anstrengend, denn natürlich wissen die neuen Kollegen zunächst gar nicht, ob sie sich beim Kunden richtig verhalten. Auf keinen Fall wollen sie den Ruf der Firma ruinieren, gleichzeitig ist ihnen aber klar, dass sie noch viel zu wenig wissen – trotzdem sollen sie so schnell wie möglich eigenständig agieren. Das sollen sie auch tun, aber dabei tappen sie oft in eine Falle: die Falle der Perfektion.

Lernen heißt machen

Wer in unserem Job nach Perfektion strebt, der läuft nicht los. Zu groß ist die Gefahr, etwas Falsches zu sagen, sich dumm anzustellen und schnell beginnt man vor lauter Angst eine Stunde Vorbereitung nach der anderen zu investieren. Das ist löblich, nach den neuesten Studien (u.a. von Daniel Goleman: Focus – The Hidden Driver of Excellence) lernt man aber nur dann effektiv, wenn man Feedback bekommt. Feedback benötigt setzt allerdings das „Machen“ voraus, man muss also etwas tun und sich der Kritik aussetzen. Lernen ist laut Piaget u.a. das Enttäuschen von Erwartungen, also zu bemerken, dass etwas noch nicht so ist, wie man geglaubt hat, dass es ist. Nimmt man dieses Feedback aber ernst, macht man dank des Feedbacks immer mehr Fortschritt (progress). 10.000 Stunden in etwas zu investieren, ohne Feedback durch Kunden, Anwender, Freunde, Kollegen bedeutet nur, dass man 10.000 Stunden etwas tut, ohne besser zu werden, oder? Gut, aber es gibt ja auch noch die Selbstreflexion, mag nun der eine oder andere entgegenhalten. Man tut etwas und schaut sich an, ob das Getane oder Erzeugte so ist, wie man es selbst gerne hätte. Stimmt, doch jetzt schlägt oft der Perfektionist zu, der versteckt in der eigenen Psyche hockt. Man ist so kritisch mit sich selbst, dass man sich nicht mehr den Erfolg des Machens gönnt. Alles, was man produziert, bringt am Ende nur etwas hervor, das bekrittelt wird. Das wiederum erzeugt kein positives, also das Lernen ermöglichende Feedback, sondern nur negative Kritik. Also Folge davon wird das Lernen noch schwieriger.
Dem kann man mit einem Leitsatz entgehen: Progress not perfection! Dieser Leitsatz ist in sich systemisch, denn er sagt, dass es keinen Stillstand gibt. Es gibt kein Ende. Es gibt keine Perfektion, denn es geht noch besser. Mit Hilfe dieses kleinen Sätzleins wird deutlich: Es geht darum, jedes Mal, mit jeder Anstrengung, mit jeder Handlung, etwas besser zu werden.
Als Consultant musste ich das ganz schnell lernen. Immer dann, wenn ich etwas erzeugt hatte, waren meine Kunden und Kollegen nur halb zufrieden. Sie hatten immer etwas zu bekritteln. Das war gut so, ich konnte das nächste Mal, bei der nächsten Iteration etwas verbessern. Das war viel Arbeit und hat viel Mühe gemacht, vor allem dann, wenn eine Deadline zu halten war. Doch kam die Deadline, naja, dann war das Beste fertig, das zu diesem Zeitpunkt fertig sein konnte. Nicht mehr und nicht weniger. Genau so funktioniert auch agiles Arbeiten. Man traut sich, ist mutig, und wagt zu scheitern. Man liefert etwas ab (ob in Sprints oder nicht, ist da ganz egal) und zeigt es her. Manchmal wagt man etwas und muss anschließend zugeben, dass es eine doofe Idee war. Na und? Nur so lernt man etwas. Der Job des Consultants und agiles Arbeiten sind sich in dieser Hinsicht sehr ähnlich und das ist wohl der Grund, weshalb wir alle bei Boris Gloger Consulting so gerne lernen. Wir machen jeden Tag Fehler und lernen daraus. Das Feedback ist wichtig, nur so können wir jeden Tag Fortschritte machen.

Mir fällt nichts ein – ein Tipp zur Produktivität

Da will man einen Blogpost schreiben und dann fällt einem nichts ein. Das ist nervig, denn es ist ja nicht so, als hätte ich alle Zeit der Welt und könnte es mir leisten, einfach nur mal so rumzusitzen. (Da fällt mir ein, ich könnte mal einen Tipp dazu schreiben, dass ich einfach nichts machen will. Es gibt sogar eine Feature in „Psychologie heute“, in dem das Nichtstun als wichtiger Aspekt der Produktivität erklärt wird.)
Aber es ist doch komisch: Man will sich Zeit nehmen, sitzt im Café seiner Wahl (in meinem Fall im McDonalds in einem Industriezentrum), hat den Double Espresso vor sich, den Laptop ausgepackt und möchte etwas schreiben. Für den Blogeintrag am Montag. Der soll besonders gut werden und daher sollte da auch etwas wirklich Sinnvolles stehen.
Aber wie es eben so ist: Genau dann hat man eine Blockade. Wer etwas zu sehr will, der verkrampft. Ein anderes Problem, und das geht mir immer wieder so: Ich bin einfach ständig auf der Suche nach der perfekten Umgebung fürs Schreiben, nach dem richtigen Editor. Word ist okay, wenn ich mit dem Verlag arbeiten muss, aber einfach so zum Schreiben gibt es mittlerweile Hunderte von kreativen Lösungen, die alle um einiges besser sind. Doch die meisten haben den gleichen Fehler: Sie überfordern den Schreibenden mit zu vielen Funktionalitäten. Produkte, die mehr können, als der Autor wirklich braucht. Produkte, die Listen erstellen, Kommentarfunktionen anbieten und die Dokumente für 1000 Devices gleichzeitig verfügbar machen. (Das könnte ein anderer Blogbeitrag: Wie einfach es wäre, wenn ein Product Owner die Funktionen auf das absolut Notwendige beschränken würde (siehe dazu: „Rework“ von Jason Fried).
Ich würde ja am liebsten alles in meinem Lieblingstool Evernote schreiben (darin entsteht auch gerade dieser Blog), doch die OS X-Variante stört beim Schreiben mehr als sie nützt. Der Webeditor ist großartig – einfach und ablenkungsfrei, aber noch nicht ideal. Kann aber alles, was man braucht.
Jetzt habe ich noch Medium entdeckt, eine Blogging-Plattform von Evan Williams, dem Gründer von Twitter und Blogger. Wirklich großartig für Blogger. Da überlege ich sofort, ob wir unsere eigenen Blogs auf www.medium.com übersiedeln. Das hätte den Vorteil, noch einfacher schreiben zu können und gleichzeitig noch einfacher eine Community bilden zu können. Ich bräuchte mich auch nicht mehr darüber zu ärgern, dass sich unsere Website derzeit nicht für das Lesen von Blogeinträgen auf Mobile Devices eignet. Fragen über Fragen, die mich vom eigentlichen Produzieren eines neuen Blogbeitrages abhalten.
Moment, da ist er ja: Das, was ich geschrieben habe. Ich wollte einen Tipp zur Produktivität schreiben und was habe ich gemacht: Einen geschrieben und gezeigt, wie man sogar dann, wenn man nicht weiß, was man schreiben will, einfach einen Blogeintrag schreiben kann. Das Mittel der Wahl dazu: Freewriting. Dazu gibt es das wunderbare Buch „Writing without teachers“ von Peter Elbow.
Beim Freewriting schreibt man völlig wertungsfrei auf, was einem gerade durch den Kopf geht, ohne abzusetzen. Und wenn einem nichts mehr einfällt, schreibt man auf, dass einem gerade nichts einfällt und schon kommen die Ideen nach einiger Zeit wieder in Fluss. Um es in Anlehnung an die Open-Space-Methode zu sagen: Was auch immer dabei rauskommt – es ist das Einzige, das rauskommen konnte.
Das ist wahre Produktivität: in sich hineinzuhören und der eigenen Stimme zu folgen.
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Ist Work-Life-Balance für Frauen in der Unternehmensberatung eine Farce?

Im Allgemeinen heißt es, die Arbeit in einer Top-Unternehmensberatung oder Anwaltskanzlei sei ein knochenharter Job für alle, die ganz oben mitspielen wollen. Diese Meinung wird fleißig genährt: In der Anwaltsserie „Suits“ wird mehr als deutlich, wie hart junge Anwälte arbeiten müssen. Also: Karriere macht, wer exzessiv arbeitet. 16-Stunden-Tage, Übernachten in der Kanzlei und das ständige Leben auf Abruf gehören dazu. Und ja: Das ist die Realität in einigen Kanzleien und Unternehmensberatungen. Auch in meinem eigenen Beratungsunternehmen gibt es in Projekten viele intensive Arbeitseinheiten. Oft sind wir mit unseren Gedanken mehr als 12 Stunden am Tag in irgendeiner Form bei der Arbeit.
Nicht jeder will diese Arbeitsbelastung mitmachen, das ist vollkommen klar. Eine meiner Dozentinnen im Lehrgang „Leading Professional Service Firms“ an der Harvard Business School erzählte uns, dass sie sich von ihrem tollen Job bei McKinsey verabschiedet hatte, weil sie auch noch ein Familienleben haben wollte. Sie möchte mit Freunden arbeiten, also mit Menschen, von denen sie mehr weiß als den Namen und ihr berufliches Fach. Die Karriere bei McKinsey hat sie für eine Assistenz-Professur an der Harvard Business School aufgegeben und sie war klar in ihrer Aussage: Der Job bei McKinsey war toll. Sie hatte ihn gerne gemacht, aber sie wollte auch noch etwas anderes. Und leider war das bei McKinsey nicht möglich.

Die Komplexität der Möglichkeiten

Bis vor ein paar Jahren war das eigentlich gar kein Problem. Im traditionellen Rollenverständnis der 1980er und 1990er war das nämlich ganz einfach: Der Mann machte Karriere, die Frau gab ihren Beruf zugunsten der Kinder auf. Selbst wenn sie sich am Arbeitsplatz kennengelernt hatten und beide erfolgreich waren, war für sie meistens mit dem ersten Kind die Karriere zu Ende. Aus der Fern- und Wochenendbeziehung, die die beiden als Berater gelebt hatten, wurde eine Wochenendbeziehung, in der er völlig fertig abends von ihr vom Flughafen abgeholt wurde und selbst am Wochenende noch arbeiten musste. War sie auch Beraterin (was – siehe oben – nicht ungewöhnlich war), blieb sie bei den Kindern und passte ihre Karriere an. Oft auch zuungunsten ihres Lebens-Gesamteinkommens.
Doch dieses Schema löst sich allmählich auf. In den Unternehmen von heute arbeiten immer mehr gut ausgebildete Frauen mit Magisterium oder Doktorat und sehen überhaupt nicht ein, warum sie ihre Karriere aufgeben sollten. Eine meiner Kolleginnen sagt ganz offen: „Ich will mit meinem Partner Zeit verbringen und Karriere machen.“ Geld verdienen kann sie genau so gut wie er. Gleichzeitig fragen sich vor allem Frauen aber: Wie kann das funktionieren? Reisen gehört im Consulting Business nun einmal dazu und mal davon abgesehen, dass es Spaß macht: Weltweit wächst der Bedarf nach den fahrenden Spezialisten. Die Aufträge werden nicht weniger, sondern zahlreicher.
Wir bei Boris Gloger Consulting werden uns dieser Herausforderung, Beruf und Familie vereinen zu können, sogar noch extremer stellen müssen als viele andere Unternehmensberatungen. Unser Consulting- und Assistentinnen-Team besteht zu 80 Prozent aus Frauen und sie halten 80 Prozent der Führungspositionen in unserem Unternehmen. Sie bilden die neuen Berater_innen aus, sie sind unverzichtbar für unseren Verkauf und sie sind am deutschen Markt die Top-Expertinnen für die Skalierung von Scrum, Scrum im ERP-Umfeld und Scrum in der Hardwareentwicklung. Viele Firmen setzen beim Thema „Agiles Management“ auf ihre Kompetenz. Ich bin jedes Mal wieder auf ihre überragenden Auftritte bei Konferenzen stolz. Ihr Engagement ist beispiellos, kurz: Wir können auf sie nicht verzichten. Gleichzeitig gilt für uns: Wir wollen selbst vorleben, was wir unseren Kunden täglich erklären. Das bedeutet auch, dass wir selbst anders wirksam und agil arbeiten. Wir nutzen Scrum, um uns zu organisieren. Wir streben es an, nur die Dinge zu tun, die wir machen wollen. Dabei ist uns wichtig, selbst als Team aufzutreten. Wir nehmen uns daher viel Zeit dafür, den Teamgeist zu stärken, indem wir auch als Team arbeiten. Alle zwei Monate organisieren wir einen Company Retreat, der uns auf den neuesten Stand bringt.

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Jobsharing, Kinder im Büro – warum nicht?

Doch bei all dem steht der Kunde im Fokus. Scrum zwingt uns förmlich dazu, uns immer wieder darauf zu fokussieren, was dem Kunden nutzt. Unsere Kunden fordern von uns Höchstleistungen. Und das bedeutet oft, dass auch bei uns die Work-Life-Balance kurzfristig nicht immer ausgewogen ist. Deshalb habe ich mir als Unternehmer – und der bin ich nun einmal auch – schon vor einigen Jahren die Frage gestellt: Wie erhalten wir die Gesundheit unseres Teams und wie gehen Familie und Beruf zusammen? Was machen wir, wenn unsere genialen Frauen Kinder bekommen wollen? Und nebenbei gesagt: Ich freue mich sehr auf diesen Moment. Werde ich als Arbeitgeber dann ganz auf sie verzichten müssen, oder noch schlimmer: Werden sie überhaupt gehen, weil sie sich eine Familie neben dem Job als Beraterin nicht vorstellen können? Denn ehrlichgesagt gibt es auch in den Köpfen meiner Kolleginnen noch oft die alten Rollenvorstellungen. Aus Sicht des Unternehmens wäre das eine Katastrophe. Nicht nur, dass es extrem schwer ist, für Ersatz zu sorgen und dass es viel Zeit und Geld gekostet hat, sie auszubilden – nein, ein Unternehmen kann nur groß werden, wenn die Gemeinschaft, die es aufbaut, eine gewisse Beständigkeit hat. Ein Team braucht Jahre, um wirklich gut zu werden und die Kultur eines Unternehmens entsteht nicht in zwei Wochen.
Was also tun? Die Diskussion darüber haben wir bereits begonnen. Eine unserer Assistentinnen hat letztens spaßhalber gesagt: „Hunde können wir ins Büro ja mitnehmen, aber die Kinder wohl nicht.“ Darauf antwortete ich: „Und weshalb nicht? Was hindert uns denn daran, die Kleinen mitzunehmen?“ Ich war es, der nun ungläubiges Staunen erntete. Es braucht Fantasie, um in unserem Beruf neue Formen des Arbeitens zu erfinden. Diese Fantasie braucht es nicht nur von mir als Firmenchef, sondern von uns allen.
Wir könnten zum Beispiel Arbeiten völlig anders verteilen. Wer sagt denn, dass sich die Mutter-Beraterin nicht im Pairing mit einer anderen die Aufträge teilen kann? Vielleicht arbeitet die Jüngere bzw. noch kinderlose Consultant beim Kunden und hat einerseits einen Coach und andererseits jemanden im eigenen Office, der versteht, was draußen passiert. Die Mutter kann im Büro Meetings und Workshops vorbereiten oder die Dokumentation fertigstellen. Logischerweise kann man die Kleinen auch mal in den Kindergarten bringen und vielleicht für ein oder zwei Tage eine Kinderbetreuung engagieren, damit die Mutter auch mal wieder selbst zu einem Workshop fahren kann. Das geht alles – wenn man nur will!
Als jungem und erfolgreichem Consulting-Unternehmen stellt sich uns die Frage, wie „Das Neue Arbeiten“ als Consultant aussehen kann. Für viele Aspekte haben wir die Antworten noch nicht gefunden, aber wir sind auf dem Weg.

Die Work-Life-Balance ist tot – es lebe die Vielfalt!

Wie sieht das gute Leben aus? Eric Schmidt hat Recht, wenn er sagt, dass die Debatte um die richtige Work-Life-Balance auf einem mechanistischen Menschenbild beruht, das einfach nicht passt (siehe “Google Execs Have Ideas on How to Run Your Business”). Wer „Leben“ und „Arbeit“ in zwei verschiedene Waagschalen legt, der setzt zwei verschiedene Entitäten (wie Äpfel und Birnen) voraus, die irgendwie miteinander in Einklang zu bringen sind.

Die höchste Tugend des Menschen ist das glückliche Leben

Diese Grundannahme ist schon deshalb suspekt, weil es in den verschiedenen Sphären des Lebens (Arbeit, Familie, Freundschaft, Gesellschaft, Glaubensgemeinschaft usw.) einen gemeinsamen Nenner gibt, nämlich menschliches Handeln. Warum dann nicht ganz allgemein fragen, welches Handeln wir anstreben möchten – und zwar nicht als Angestellte, Eltern oder Freunde, sondern als Menschen?
Hier hilft uns Aristoteles mit dem Begriff der Areté weiter, der landläufig mit „Tugend“ übersetzt wird, aber eigentlich so etwas wie die Bestform beschreibt. Die Areté beschreibt das, wozu etwas oder jemand geschaffen ist. Die Areté des Auges liegt im guten Sehen, die Areté des Messers im guten Schneiden, und die Areté des Menschen liegt in einem guten, glücklicken Leben, das von Wissen und Handeln geprägt ist.
Ein Blick in die Nachrichten reicht, um ein Bild für die vielen Dinge zu bekommen, für die Menschen nicht geschaffen sind. Wir nennen solche Tätigkeiten demütigend oder erniedrigend, weil sie die davon betroffenen Menschen entstellen. In unserem Alltag erleben wir immer wieder Menschen, die ihrem eigenen Handeln mit Resignation, Verachtung oder gar Ekel gegenüberstehen. Auf der anderen Seite des Spektrums kennen wir alle die Situationen, in denen sofort klar wird, was den Menschen auszeichnet. Ich denke da an Visionäre und Pioniere ebenso wie die Helden des Alltags, die “Dinge” wie Liebe und Freundschaft, Solidarität und Gerechtigkeit, Kollegialität und Kooperation am Leben erhalten.

Bildquelle: Doug Menuez - Fearless Genius. The Digital Revolution in Silicon Valley 1985-2000.

Bildquelle: Doug Menuez – Fearless Genius. The Digital Revolution in Silicon Valley 1985-2000.

Was ist das Beste, das wir unseren Mitarbeitern geben können?

Es kann sich also lohnen, das gute Leben nicht als Balanceakt zwischen Beruf und Familie zu sehen, sondern als eine ethische Herausforderung. Es geht darum, aus den unendlichen Angeboten zur Lebensführung zu schöpfen, um das gute Leben zu realisieren. Die um Attraktivität bemühten Arbeitgeber sind daher schlecht bedient, wenn sie versuchen, es allen Recht zu machen. Vielmehr sollten sie für sich herausfinden, was das Beste ist, das sie ihren Mitarbeitern geben können – und das in den Mittelpunkt von allem stellen.

Anders gesagt: Jeder Job, den wir ergreifen, jede Tätigkeit, für die wir uns entscheiden, fordert andere Aspekte menschlichen Handelns heraus.
Ich habe Menschen kennengelernt, die den ganzen Tag nur auf das Ende der Arbeit warten, um am Abend ein Motorrad im Keller zusammenzubauen, mit den Kindern zu spielen oder am nächsten großen Open-Source-Projekt mitzuwirken. Bei Pixar und Apple sind Menschen so von ihrer Arbeit eingenommen, dass sich die Privatsphäre inklusive Kind und Hund für Wochen zum Arbeitsplatz verlagert.
Wir Arbeitnehmer müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass es vorgefertigte Lebensentwürfe gibt, die uns schon irgendwie ein gutes Leben bescheren werden. Wir sind keine Sims, deren Zufriedenheit mit den richtigen Handlungsmustern steigt. Wir müssen selbst herausfinden, was wir in unserer aktuellen Lebenssituation wirklich wollen – und uns dann den Raum dafür nehmen, um es voll und ganz zu tun.
[quote author = “Carol Bartz”] “I have a belief that life isn’t about balance, because balance is perfection … Rather, it’s about catching the ball before it hits the floor.”[/quote]

Wer ist eigentlich … Damla Koc?

Wie beschreibst du deinen Eltern und Freunden deinen Arbeitsalltag bei Boris Gloger Consulting?
Ich bin Beraterin für agile Produktentwicklung. Ich helfe Teams mithilfe von Scrum, ihre Projekte strukturiert, on time und qualitativ hochwertig zu produzieren. Erstaunlich finden meine Familie und Freunde, dass ich selten in einem Büro arbeite oder teilweise keinen fixen Arbeitsplatz habe. Als Consultant habe ich immer mein Notebook dabei und kann von überall arbeiten, ob im Zug, am Flughafen oder an einem Beistelltisch bei meinem Team.
Welchen Beruf wolltest du als Kind unbedingt ergreifen?
Ich wollte Menschen helfen, wenn es ihnen nicht so gut geht, aber nicht Ärztin sein. Meine Lehrerin hat mir damals vorgeschlagen, es doch als Psychologin zu versuchen. Meine Vision, die ich mit 8 Jahren hatte, habe ich letztendlich erreicht: Ich bin Arbeits- und Organisationspsychologin geworden.
Wie siehst du deine bisherige Karriere? Viel Zufall oder überwiegend sorgfältige Planung?
Sowohl als auch. Meine Ausbildung habe ich geplant und auch dementsprechend verfolgt. Ich wollte Arbeits- und Organisationspsychologin werden und habe meine Fächer sowie meine Praktika alle in diesem Bereich absolviert. Auch meine Diplomarbeit habe ich in der Arbeits- und Organisationspsychologie geschrieben.
Zufall: Ich bin durch Zufall in die Politik gekommen. Ich wollte schon immer die Welt verändern und bin in meinem Bezirk politisch aktiv geworden. Durch eine Weiterempfehlung bekam ich die Chance, auf der Liste der Bezirksvertretung im 15. Wiener Bezirk zu sein und durch die Bezirksbevölkerung gewählt zu werden. Ich wurde 2005 als jüngste Bezirksrätin Wiens gewählt.
Zufall und Planung: Boris Gloger Consulting
Ich wollte Consulting im agilen Bereich machen und habe durch eine Kollegin erfahren, dass Boris Gloger Consulting eine Stelle frei hätte. Bewusst gewählt hatte ich den Bereich agile Beratung und durch Zufall habe ich erfahren, dass ich bei Boris Gloger Consulting die Möglichkeit dazu hätte.
Damla_Koc
Gibt es ein bestimmtes Ritual in der Arbeitswoche, auf das du nicht verzichten könntest?
Meine morgendlichen To Do´s. Ich arbeite sehr gerne strukturiert, und um immer einen Überblick über meine To Do´s zu haben, schreibe ich oder gehe ich gedanklich meine Termine und To Do´s in der Früh durch. Ich kann auf diese 5-10 Minuten in der Früh kaum verzichten.
Unter all den Projekten, die du für Boris Gloger Consulting realisiert hast: Welches ist dein All-Time-Favourite?
Ich hatte bei einem Projekt ein Team, das Scrum anfangs sehr skeptisch gegenüberstand und das auch beim Intro-Training immer wieder bekundete. Wir starteten die Entwicklung des Produkts mit Scrum. Der erste Sprint war ein voller Erfolg und das Team erreichte in seinem 1. Sprint weitaus mehr, als es sich vorgenommen hatte. Kurz vor dem Review war das ganze Team vor Vorfreude so nervös, seine Leistungen dem Management und anderen Gästen präsentieren zu dürfen. Es ist für mich immer wieder schön zu sehen, wenn Teams in Reviews stolz ihre Leistungen präsentieren.
Drängende Kundenanfragen, E-Mail-Flut, Meeting-Marathon oder als Consultant jeden Tag an einem anderen Ort: Was ist dein Geheimrezept, um im hektischen Arbeitsalltag einen kühlen Kopf zu bewahren?
Ich priorisiere meine Aufgaben und To Do´s, somit habe ich immer einen Überblick und vor allem einen klaren Kopf. Ich versuche immer fokussiert zu bleiben und eine Sache zu beenden, bevor ich zur nächsten übergehe.
Was ist für dich das Besondere an der Arbeit bei Boris Gloger Consulting?
Für mich sind es zwei Aspekte:
Unsere Projekte, die immer wieder verschieden sind, geben mir die Möglichkeit, in verschiedenen Bereichen sowie mit verschiedenen Teams zu arbeiten. Ich genieße die Abwechslung in meinen Projekten und unsere Erfolge.
Unser Team, in dem wir trotz Entfernung und unterschiedlichen Standorten immer Kontakt haben und halten. Wir sind ein buntes Team mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Stärken, in dem es an Ideen und Hilfestellungen niemals mangelt und es macht Spaß, miteinander zu arbeiten.
Gibt es eine Marotte, mit der du deine Kollegen regelmäßig auf die Palme bringst?
Ich schreibe teilweise Blogs und Texte, ohne einen einzigen Beistrich zu setzen. Ich habe dann zum Glück Kollegen, die meine Texte reviewen und gefühlte 1000 Beistriche setzen. Ich bemühe mich inzwischen, mehr Beistriche zu setzen, aber Altlasten loszuwerden gestaltet sich teilweise schwieriger als gedacht.
Was machst du in deiner Freizeit, um runterzukommen?
Wenn ich im Flugzeug sitze und weiß, ich lande in Kürze in Wien, komme ich bereits runter von meinem Projektstress. Nach Hause kommen ist für mich gleichzeitig runterkommen. Ich verbringe meine Freizeit sehr gerne mit Familie und Freunden. Ich bin Wienerin und liebe Wien einfach, für mich gibt es nichts Schöneres, als in der Stadt herumzuschlendern und einen Kaffee zu genießen.
Scrum ist für mich…
eine agile Methode, die es Teams ermöglicht, selbstorganisiert, zufrieden und erfolgreich Produkte zu entwickeln.