Scrum4Schools: Agiles Arbeiten im verteilten Hochschulprojekt

Ein weiteres SCRUM4SCHOOLS-Projekt nimmt Fahrt auf. Gemeinsam mit der FH des BFI in Wien, einer berufsbegleitenden Studieneinrichtung, mit der wir schon frühere Produktentwicklungserfolge wie unsere Scrum-Checklist für Android und iOS feiern konnten, entwickeln wir nun eine Lernplattform, auf der wir das Wissen unserer Consultants an einem Ort im Internet konsolidieren und als Open Source anbieten. Als Product Owner des Projekts bin ich natürlich sehr gespannt, wie den Studenten das Arbeiten mit Scrum gefällt. IT-Genie Sebastian Mühlbauer ist nicht nur unser Kollege bei borisgloger consulting, sondern auch Teil des studentischen Entwicklerteams schon machen konnte. Welche Erfahrungen er in diesem Projekt gemacht hat, verrät Sebastian Mühlbauer im folgenden Interview.
Hi Sebastian, welche Rahmenbedingungen gelten für das Projekt?
Im Rahmen unseres Studiums müssen wir ein zweisemestriges Projektpraktikum absolvieren. Dabei sollen wir neben dem regulären Studium gemeinsam mit einem echten Auftraggeber ein Projekt durchführen. Unsere Projektgruppe hat sich für borisgloger consulting entschieden, weil es der einzige Auftraggeber war, der uns angeboten hat, agile Methoden auszuprobieren. Zurzeit sind wir fünf Personen exklusive FH-Projektbetreuer und dir als Product Owner.
Hast du vor diesem Projekt schon einmal mit agilen Methoden gearbeitet?
Nicht wirklich. Sowohl in meinem jetzigen als auch in meinem letzten Studium habe ich immer mit traditionellen Projektmanagementmethoden gearbeitet. Unter anderem haben wir ein fiktives Projekt nach den Regeln des IPMA/PMA Projekthandbuchs durchgespielt.
Wie hast du den Einstieg in Scrum empfunden?
Vor allem die vielen Scrum-spezifischen Begriffe waren anfangs nicht leicht merkbar – Eselsbrücken haben aber recht gut geholfen. Dadurch, dass wir in Scrum mit dem Prinzip “Learning by Doing” eingestiegen sind, hat es nicht allzu lange gedauert bis zumindest der Scrum-Flow gesessen hat. Man lernt aber immer noch jeden Tag etwas Neues dazu. Das Spannendste, was ich mitnehmen konnte, war die Fokussierung auf ein funktionierendes Minimum Viable Product statt auf das komplett fertige Produkt. Die Methodik stammt aus dem Lean-Startup-Konzept. Man entwickelt nur das Mindeste, das man braucht, um das Produkt zum Fliegen zu bringen. Wenn wir nur unser Endprodukt als Ziel gehabt hätten, hätten wir wohl um einiges länger dafür gebraucht, einen funktionierenden Prototyp zu erstellen.
Das Projektteam arbeitet an verteilten Orten. Wie bekommt ihr das mit der Synchronisation hin?
Unsere Kommunikation und Kollaboration findet größtenteils über das frei zugängliche Slack und Trello statt. Für Dateien verwenden wir eine Google Drive, die auch in der kostenlosen Version mit den zwei Tools verbunden werden kann. Die Lernplattform entwickeln wir zentral auf einem Webspace, der uns von borisgloger consulting zur Verfügung gestellt wurde. Da alle unsere Teammitglieder nebenbei berufstätig sind, mussten wir die Scrum-Meetings auf unsere speziellen Bedürfnisse anpassen: Wir haben alle zwei Wochen ein eineinhalb- bis zweistündiges Skype-Meeting, bei dem das Entwicklerteam aus Wien mit dem Product Owner in Stuttgart die Synchronisation abwickelt. Darüber hinaus sieht sich das Entwicklerteam auch immer wieder auf der Fachhochschule. Wir versuchen Besprechungen also in unseren FH-Alltag einzubinden, um effizient arbeiten zu können.

Dein Studium ist berufsbegleitend. Konntest du agile Methoden schon in deine Arbeit einfließen lassen?
Da ich durch das Projekt meinen Weg zu borisgloger consulting gefunden habe: ein ganz klares Ja. Auch darüber hinaus konnte ich in diversen ehrenamtlichen Projekten, in denen ich mitarbeite, bereits Teile des agilen Projektmanagements umsetzen – sei es die Visualisierung auf Taskboards oder die Verbesserung der Meetingkultur mit dem, was wir in der Scrum-Einschulung von Damla Nalbant gelernt haben. Ich versuche hier, konstant Neues zu probieren und meinen Horizont in diesem Bereich zu erweitern. Bis jetzt hat es gut geklappt.
Sebastian, vielen Dank für das Interview – ich wünsche dir noch viel Erfolg im Projekt.

Scrum4Schools: Lernen für die Zukunft

Seit einigen Monaten berichten wir auf unserem Blog immer wieder über das Projekt Scrum4Schools. Wieso ich mich gerne so intensiv mit dem Thema beschäftige? Der nächsten Generation, den von Natur aus neugierigen und wissbegierigen Schülerinnen und Schülern, soll es schon in ihrer Ausbildung möglich sein, sich selbstbestimmt und intrinsisch motiviert Wissen anzueignen. Der angenehme Nebeneffekt: Sie lernen damit bereits in ihrer Ausbildung, wie man in Teams selbstorganisiert arbeitet und eignen sich agiles und wirtschaftliches Denken an. Schüler und Studenten sind aus heutiger Sicht zu wenig vorbereitet für die Arbeitswelt und werden ins kalte Wasser gestoßen, solange sich das Bildungssystem nicht anpasst. Reines Auswendiglernen bereitet nicht mehr auf das vor, was in der Arbeitswelt von heute gefragt ist. Die wichtigsten Kompetenzen sind Eigeninitiative, Selbstverantwortung und Selbstorganisation sowie die Fähigkeit, Dinge zu hinterfragen.
Dem Magazin „junior//consultant“ habe ich im April 2018 zu meinem persönlichen Werdegang und zu unserer Initiative ein Interview gegeben. Mir war es wichtig, mein Herzensprojekt vorzustellen, vor allem die Chancen und Ziele, die Scrum4Schools mit sich bringt: Sollten Schüler und Studenten wirklich ihre Arbeitsweise ändern und was haben sie im Endeffekt davon? Mehr Aufwand? Sind die Lernergebnisse um so vieles besser, dass es sich lohnt, das gesamte Bildungssystem auf Dauer zu revolutionieren? Wenn ihr neugierig auf Antworten seid, dann empfehle ich euch mein Interview auf der Medienplattform für junge Consultants – hier könnt ihr es nachlesen. 
Passend zum Projekt haben wir eine Checkliste konzipiert, mit deren Hilfe sich Scrum4Schools-Projekte in Eigenregie umsetzen lassen. Den Download findet ihr auf unserer Scrum4Schools-Website. 

Foto: CC0 Creative Commons – pixabay, Pixapopz

Scrum4Schools an der Hochschule München: Wie es den Studierenden gefallen hat – ein erstes Feedback

Das ist auch für uns echte Pionierarbeit: Unser erstes SCRUM4SCHOOLS-Projekt an der Hochschule München ist abgeschlossen. Nun sind wir natürlich sehr gespannt, wie unseren Masterstudenten und -studentinnen das Arbeiten mit Scrum gefallen hat. Welche Erfahrungen sie mit dem Kurs gemacht haben und welche Vor- und Nachteile sie in Scrum sehen, haben uns Franziska und Julia für unseren Blog verraten.
Hast Du vor diesem Seminar schon einmal von Scrum gehört?
Franziska: Für mich waren Agiles Management und Scrum bis zu diesem Kurs neu. Erst als ich im Freundeskreis von meinem neuen Seminar erzählt habe, erfuhr ich, dass Freunde von mir teilweise schon mit Scrum gearbeitet hatten oder es ihnen zumindest ein Begriff war.
Julia: Ich habe mit der Scrum-Methodik bereits für ein IT-Projekt gearbeitet und habe es in der praktischen Umsetzung als sehr sinnvoll empfunden. Scrum für ein Research- bzw. akademisches Paper zu nutzen, war allerdings eine komplett andere Ausgangssituation und auch Neuland für mich.
Wie hast Du den Einstieg in die Methode empfunden, wenn Du jetzt zurückdenkst?
Franziska: Zunächst war die Arbeitsweise nach Scrum im Rahmen unserer Projektarbeit etwas ungewohnt, allerdings haben alle Gruppen schnell hineingefunden – nicht zuletzt durch die Vorbereitung in Form von Theorie und Übungen durch Prof. Günzel. Wir haben sicherlich nicht genau wie ein richtiges Scrum Team gearbeitet, aber es hat auf jeden Fall geholfen, die Arbeit zu koordinieren und zu gestalten.

Julia

Julia

Julia: Der Kurs war komplett anders aufgebaut, als ich es bisher kannte, und zu Beginn war ich sehr skeptisch, da ich gern selbstorganisiert und nach meinem eigenen Tempo arbeite. Das sollte und kann meiner Meinung nach auch von einem Masterstudenten erwartet werden. Als wir dann angefangen haben, uns mit unserem Thema zu beschäftigen und es nach der Scrum-Methode zu erarbeiten, fand ich es nach dem dritten Sprint eigentlich ganz gut. Nicht zuletzt, weil wir durch die regelmäßigen Präsentationen auch von anderen Gruppen Ideen bekommen haben, die wir auf unseren Fall anwenden konnten.
Was hat Dir im Scrum-Kurs gut gefallen?
Franziska: Ich fand die Übungen im Vorfeld gut. Sie haben spielerisch an Scrum herangeführt und somit einen “soft start” ermöglicht. Auch den Team-Building-Faktor fand ich super. Da das unser erstes Mastersemester war, konnten wir uns durch die Übungen gleich besser kennenlernen, was für die anschließende Gruppenarbeit sicher von Vorteil war. Sehr angenehm fand ich auch die wöchentlichen Meetings, bei denen wir regelmäßiges Feedback vom Professor und unseren Kommilitonen bekamen. So konnten wir offene Fragen klären und den einen oder anderen Fehler in unserer Arbeit beheben.
Julia: Ähnlich wie Franziska fand ich das regelmäßige Feedback der anderen Gruppen zu den bisherigen Ergebnissen gut. Die kritische Reflexion hat uns geholfen, Abweichungen von der Thematik zu vermeiden. Zudem waren die Akzeptanzkriterien, die zu Anfang festgelegt wurden, super hilfreich. Mit ihnen konnten wir innerhalb unserer Gruppe genau definieren, was für unsere User Story zu tun ist. Übrigens habe ich das Konzept der User Stories als sehr sinnvoll empfunden, da es sich leicht in mehrere Teilergebnisse aufsplitten ließ.
Was hat Dir im Scrum-Kurs nicht so gut gefallen?

Franziska

Franziska: Zu Anfang des Semesters haben wir in der Vorlesung ein wenig theoretisches Wissen mitbekommen
und danach einige spielerische Übungen zu den Konzepten bzw. der Arbeitsweise hinter Scrum gemacht. Was ich bei den Übungen etwas vermisst habe, war eine Nachbesprechung der Ergebnisse und der Ausblick, was dies letztlich in Hinblick auf agiles Management und Scrum bedeutet.
Julia: Ich fand die wöchentlichen Sprints zu kurz. Man schafft in diesem Zeitrahmen keine fundamentalen Ergebnisse und die Aufbereitung der Präsentation, wenn man parallel dazu noch andere Verpflichtungen an der Uni hat und sich mit der Gruppe koordinieren muss. Mein Vorschlag wäre: zweiwöchige Sprints. Eine weitere Konzeptschwäche waren die Rollen des Product Managers und Scrum Masters. Die Rollen Product Owner und Scrum Master, gemäß der Scrum-Methodik, finde ich gut, nur leider konnten wir diese nicht so gut für die Arbeit an unserem Research Paper anwenden. Meine Teamkollegen und ich waren gleichwertig am Inhalt und an wichtigen Inhaltsentscheidungen beteiligt. Daher hatten wir alle eigentlich die Position von (Development-)Teammitgliedern und zum Teil auch die des Product Owners eingenommen. Auch wenn wir es versucht haben, konnten wir die Rollen nur ausschnittweise in unserem Projekt unterbringen.
Glaubst Du, dass Du Scrum auch in Zukunft praktizieren kannst?
Franziska: Wie es der Zufall so will, erhielt ich vor einigen Wochen von meinem Arbeitgeber eine Einladung zu einem internen Workshop mit dem Thema “How does it feel to work agile”. Ich bin gespannt, ob ich das an der Hochschule Erlernte bereits anwenden kann bzw. wie sich das agile Arbeiten an der Hochschule von jenem an der Arbeitsstelle unterscheiden wird.
Julia: Ich hoffe es! Die Methode führt einfach schnell zu guten Ergebnissen und erspart viel Bürokratie gegenüber klassischeren Projektmanagementmethoden. Scrum kompetent anwenden zu können, ist heute schon in vielen Unternehmen sehr wichtig und ich denke, dass es zunehmend wichtiger wird. Daher finde ich es super, dass wir in der Uni schon Berührungspunkte mit Scrum und agilem Arbeiten haben.

Scrum4Schools an der Hochschule München: Im Review und in der Retrospektive voneinander lernen

Die neuen Abläufe in Prof. Holger Günzels Kurs Agile Management for Entrepreneurs an der Hochschule München haben sich mittlerweile eingespielt. In diesem Semester erarbeiten seine Studierenden die Studienarbeit mit Scrum4Schools. In Woche 3 dieses Kurses hat die Gruppe beschlossen, das wöchentlich stattfindende Review anders zu gestallten. Als Hauptveränderung haben sich die Studierenden darauf verständigt, die Ergebnisse jeder abgeschlossenen User Story ausgedruckt mitzubringen. Ziel war es, den kommunikativeren Austausch in der Gesamtgruppe zu fördern und mehr Feedback einzuholen. Davor hatte das Review der einzelnen Gruppen eher den Charakter eines Vortrags.

Woche 4 – voneinander lernen

Das veränderte Review

In dieser Woche läuft das Review bedeutend reibungsloser und lebendiger ab. Die Studierenden haben pro abgeschlossener User Story maximal zwei Powerpoint Slides vorbereitet. Sie haben diese ausgedruckt mitgebracht und zu Beginn der Stunde an einer der Wände im Seminarraum befestigt. Das Review beginnt. Die gesamte Gruppe formiert sich halbkreisförmig um die Ergebnisse des ersten Studierendenteams. Die Aufgabe bestand darin, herauszufinden, wie man die agile Kultur in einem großen traditionellen Automobilkonzern aktivieren kann. Während der Kurzpräsentation der Wochenergebnisse notieren viele der restlichen Studierenden ihr Feedback auf Post-its. Nach der Präsentation entsteht schnell ein Gespräch über die Lieferung. Es gibt viel positives Feedback, aber auch Ideen, wie das Team die einzelnen Punkte noch präzisieren kann sowie Anregungen zu hilfreichen weiterführenden Materialien.
Die Zeit für das Feedback ist aufgrund der acht Studierendenteams begrenzt. Diejenigen, die nicht mehr zu Wort kommen, kleben ihre Feedback-Post-its einfach zu den präsentierten Slides. Prof. Günzel ist mit den Veränderungen zufrieden: „Die Studierenden haben sich gegenseitig deutlich mehr Fragen gestellt und Feedback gegeben. Und auch zeitlich lagen wir sehr gut. So hatten wir nach dem Review genug Zeit für die Retrospektive in den einzelnen Teams.” Das Feedback von den Studierenden ist ebenfalls positiv. „Im Nachgang an den Kurs haben mir einzelne Studierenden erzählt, dass sie die Vorzüge des gegenseitigen Lernens durch diese Form der Präsentation sehr zu schätzen wissen“, sagt Prof. Günzel.

“Die Studierenden haben sich gegenseitig deutlich mehr Fragen gestellt und Feedback gegeben.”

Wann ist etwas fertig?

Mittlerweile haben die Studierenden vier Wochen an Ihrem „Produkt“ gearbeitet. Ergebnis des Kurses soll neben der schriftlichen Studienarbeit, die im Nachgang an die letzte Seminarstunde vollständig abgeschlossen wird, eine managementtaugliche Präsentation sein. Darin sollen die Studierenden ihr jeweiliges Thema ausarbeiten und präsentabel genug für einen Management-Pitch darstellen. Die Qualität der Ergebnisse der einzelnen Studierendenteams geht laut Prof. Günzel stark auseinander: „Viele Teams haben bereits die richtigen Inhalte auf ihren Folien. Aber die Form ist noch nicht für den Kontext ‚Management’ geeignet. Das fängt bei der Gestaltung der Folie an, hat aber auch viel mit der sprachlichen Ausarbeitung und präzisen Darstellung der Punkte zu tun.“
Für Prof. Günzel sind die im Review präsentierten Folien von einigen Teams noch keine abgeschlossenen und fertigen Teillieferungen des Endprodukts. Genau darin liegt aber die große Stärke von Scrum: Kontinuierlich fertige und potentiell auslieferbare Teilergebnisse zu produzieren. Entwicklungsteams, die neu mit Scrum zu arbeiten beginnen, müssen das in den ersten Sprints zunächst einmal lernen. Genauso ist es bei den Studierendenteams. Dabei hilft es, dass einzelne Teams genau das schon tun und ziemlich gute Ergebnisse im Review präsentieren. Das hilft auch den anderen Gruppen. Sie können voneinander lernen und der Qualitätsanspruch der gesamten Gruppe steigt kontinuierlich in jeder Seminarstunde.

Scrum fördert den Austausch und motiviert

Scrum fördert den Austausch und motiviert „Und das ist toll zu sehen“, findet Prof. Günzel. „Die Studierenden arbeiten engagiert mit und lassen sich auf das Experiment ein.“ Die Anwesenheit ist freiwillig, denn an der Hochschule München gibt es seit einigen Jahren keine Anwesenheitspflicht mehr in den Kursen. „Besonders in Modulen mit der Prüfungsform Studienarbeit müssen sowohl das Veranstaltungskonzept als auch die einzelnen Veranstaltungen stimmen – ansonsten kann es auch schon mal passieren, dass von 30 Studierenden nur fünf an der Stunde teilnehmen.“ Das war jedoch in diesem Seminar noch nicht der Fall. Prof. Günzel führt es auf die Interaktion mit ihm und auf die wesentlich intensivere Interaktion zwischen den Studierenden zurück. Jeder bekommt in jeder Seminarstunde kontinuierliches Feedback aus mehreren Perspektiven und entwickelt damit Stück für Stück die eigene Studienarbeit. Das motiviert offensichtlich. Wir sind auf die Endergebnisse gespannt.

Scrum4Schools an der Hochschule München: Auch Professoren lernen immer wieder dazu

Es sind noch gute zehn Minuten bis zur nächsten Seminarstunde von Prof. Holger Günzels Kurs “Agile Management for Entrepreneurs”. Rund die Hälfte der Studierenden sitzt bereits in verschiedenen Ecken des großzügigen Hörsaals, der wegen der flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten auch „Lehrraum der Zukunft“ genannt wird. Die Studierenden diskutieren angeregt und geben ihren Präsentationenden letzten Schliff für das gleich stattfindende Review der letzten Studienarbeitsiteration. Die Gruppe arbeitet in diesem Semester mit Scrum4Schools.

Woche 3 – Verbessern und optimieren

Arbeiten mit dem Taskboard – Transparenz entsteht

Mittlerweile befinden wir uns in der dritten Woche des wöchentlich stattfindenden Seminars. In der letzten Woche hat der erste Sprintwechsel, bestehend aus Review, Retrospektive und anschließendem Planning stattgefunden. Diesmal wirkt alles schon etwas eingespielter und die Präsentationen der inhaltlichen Konzepte der einzelnen Studierendenteams nehmen Gestalt an. Jedes Team hat im Review 10 Minuten Zeit, um seine aktuellen Ergebnisse zu präsentieren und Feedback einzuholen.
Die meisten Teams zeigen zum Start der Präsentation ihr Taskboard. Auf dem Taskboard ist auf einen Blick transparent, an welchen User Stories (=Teillieferungen des fertigen Produkts) das Team in der vergangenen Woche gearbeitet hat und welcher Studierende welchen Task (= Aufgabe) dabei übernommen hat. Um auch zwischen den Seminarstunden den Arbeitsfortschritt zu sehen, nutzen die meisten Gruppen ein digitales Board. Dazu bietet sich beispielsweise das frei verfügbare Programm Trello an.

Kontinuierliches Feedback statt Stress vor der Abgabe bringt bessere Ergebnisse

Die Studierenden aus den anderen Teams füllen während jeder Kurzpräsentation der verschiedenen Gruppen den im ersten Termin gemeinsam erstellten Feedbackbogen aus. Auch Prof. Günzel gibt nach jeder Kurzpräsentation eine Rückmeldung, worauf die jeweilige Gruppe sich noch stärker fokussieren kann – allerdings haben die meisten Teams die Aufgabenstellung richtig verstanden und arbeiten in die richtige Richtung. Bei manchen Teams gibt es mehr Feedback von Mitstudierenden und von Prof. Günzel. Sie sind bei der Bearbeitung der Aufgabenstellung nicht konkret genug geworden und müssen ihr Konzept nochmals überarbeiten. Prof. Günzel ist begeistert von dem Ansatz: „Normalerweise kommen die Studierenden – wenn überhaupt – wenige Tage vor der Abgabe zu mir, um sich Feedback für ihre Arbeiten einzuholen. Dann ist es meistens schon viel zu spät. Über die Arbeit mit Scrum gibt es kontinuierliches Feedback. Und das nicht nur von mir, sondern auch von anderen Studierenden.“

Verbesserung des Prozesses – wie ein effizienteres Review aussehen kann

Das Review und die anschließende Diskussion nach jedem Team haben länger gedauert als geplant. Wertvolle Zeit ging auch durch das Umstecken der Laptops zwischen den einzelnen Präsentationen verloren. Die Seminarstunde ist inzwischen fast zu Ende und Prof. Günzel bittet die Teams, die letzten fünf Minuten für eine kurze Retrospektive zu nutzen. Die Teams analysieren in der Retrospektive, wie sie ihre Zusammenarbeit in der kommenden Woche verbessern können. Er selbst reflektiert, was im Review passiert ist. Die Präsentationen, die die einzelnen Teams gezeigt haben, erinnerten ihn eher an klassische Seminarvorträge. Es gab viele PowerPoint-Folien und zum Teil waren die Folien auch noch nicht ganz fertig. Prof Günzel erinnert sich an das Ziel des Reviews: Das Einholen von Feedback zu abgeschlossenen Teilergebnissen.
Er hat eine Idee, wie er in der kommenden Woche das Review besser gestalten kann, und gibt seinen Studierenden drei Punkte mit:

  1. Im nächsten Review dürfen nur noch abgeschlossene User Stories vorgestellt werden.
  2. Pro User Story dürfen maximal zwei Folien erstellt werden, die die Studierenden ausgedruckt mitbringen und zu Beginn der Stunde an der Wand befestigen. Im Review geht dann die gesamte Seminargruppe von Teamwand zu Teamwand.
  3. Die Studierenden schreiben ihr Feedback zu den einzelnen Präsentationen auf Post-its und geben sie den einzelnen Gruppen mit.

Prof. Günzel erhofft sich dadurch einen reibungsloseren Ablauf des Reviews. Es geht ihm aber vielmehr darum, dass ein kommunikativerer Austausch in der Gruppe entsteht und die Studierenden sich gegenseitig mehr Feedback geben. Er ist gespannt, ob es funktionieren wird.
Die Erlebnisse von Prof. Günzel in seiner Reviewstunde zeigen, dass es kein Patentrezept dafür gibt, wie man Scrum4Schools am besten einführen sollte. Das Rahmenwerk muss immer auf den jeweiligen Kontext wie beispielsweise die Lernaufgabe und die zur Verfügung stehende Zeit angepasst werden. Dabei ist jeder gefragt. Und es braucht immer eine gewisse Zeit, bis eine Gruppe den optimalen Modus für sich gefunden hat. Grundvoraussetzung dafür ist die Bereitschaft, neue Dinge auszuprobieren und den eigenen Prozess kontinuierlich zu verbessern.

Scrum4Schools an der Hochschule München: Die Agilität erwacht

„Die Woche war viel zu schnell um“, „Das hatte ich anders verstanden“ oder „Wir sind fast fertig“. Das hört man von Scrum-Teams schon mal am Tag vor dem Review und somit am Ende eines Entwicklungssprints. Aber nicht nur dort, sondern auch in einer Wirtschaftsvorlesung von Prof. Holger Günzel an der Hochschule München. Er möchte nämlich mit seinen Studentinnen und Studenten in den nächsten sechs Wochen Scrum4Schools als Rahmenwerk für die Ausarbeitung von Studienarbeiten einsetzen.

Woche 2 – Definition of Done und die erste Lieferung

Der Ablauf

Zu Beginn des Sprint Plannings hatten die Studentengruppen eine Definition of Done erarbeitet. Dieser zufolge sollten sie die ersten relevanten Lieferungen, wie eine Agenda oder eine Literaturrecherche von drei relevanten Texten, bereits nach der ersten Woche abgeben. Prof. Günzel hat an alle Studierenden Bewertungsbögen ausgeteilt. Darauf finden sich zum einen die festgelegten Akzeptanzkriterien sowie die allgemeinen Constraints des Produktes Hausarbeit. Ziel ist es, dass jeder Studierende zu jeder Zeit die Bewertungskriterien für die Abschlussnote kennt und diese im Review für das Feedback zu den anderen Lieferungen nutzen kann.

Das erste Review

Jede Gruppe bekommt eine Timebox von 10 Minuten. Die erste Gruppe präsentiert. Die Zuhörer können auf ihrem Bewertungsbogen nur wenige Punkte abhaken und geben kräftig Feedback, was sie sich für die nächste Iteration vorstellen könnten. Prof. Günzel hält sich im Hintergrund. Die zweite Gruppe präsentiert. Anstatt inhaltliche Lieferungen zu präsentieren, hat diese Gruppe die Aufgabenstellung für sich neu geschrieben und vorher abgestimmte Rahmenbedingungen außer Kraft gesetzt. Sie haben ihre Arbeit nicht nach der Herangehensweise von Scrum strukturiert, sie haben auch kein Taskboard und damit einhergehend keine bewertbare Lieferung. Die Zuhörer sind irritiert und finden keine passenden Checkpunkte auf ihrem Feedbackbogen. Prof. Günzel muss eingreifen und erläutert erneut den Kontext sowie die Aufgabenstellung. Erst jetzt versteht die Gruppe, was das eigentliche Ziel ihrer Aufgabenstellung ist. Alle atmen auf, es sind ja noch fünf Wochen Zeit. Gut, dass es das Review gibt und sie somit schnell Feedback erhalten haben.

Die erste Retrospektive

Die Gruppen sitzen wieder beisammen und versuchen, auf ihre gemeinsame erste Woche zurückzublicken. Was ist uns bereits sehr gut gelungen? Wo können wir vielleicht noch etwas besser werden, damit wir nächste Woche wieder so gutes Feedback bekommen? In jeder Gruppe werden relevante Veränderungen identifiziert und in kleine Maßnahmen heruntergebrochen. Prof. Günzel beobachtet, dass sich jeder ein bis zwei Verbesserungen am Taskboard notiert.
Hier zeigt sich wieder einmal sehr schön: Man kann noch so viel vorab über die gemeinsame Zielstellung sprechen – erst beim Umsetzen kommen die Fragen und man erkennt, ob man den Kunden wirklich verstanden hat.

Scrum4Schools: Agile Studienarbeiten an der Hochschule München

„Warum müssen wir um Himmelswillen diese Tasks schreiben? Ich weiß doch, was ich machen muss.“ „So viel Overhead, wann haben wir mal Zeit zum Arbeiten?“ oder „Jede Woche liefern? Das ist zu wenig Zeit.“ Das sind beliebte Fragen von Entwicklungsteams, die sich mit dem Framework Scrum vertraut machen. Doch nicht nur in Unternehmen trifft man auf diese Bedenken, sondern auch in einer Wirtschaftsvorlesung von Prof. Holger Günzel an der Hochschule München. Er möchte nämlich mit seinen Studenten in den nächsten sechs Wochen Scrum4Schools als Experiment einführen und damit eine der Hausarbeiten erarbeiten lassen.

Woche 1 – Scrum kennenlernen

Die Aufgabenstellung

Prof. Günzel, in der Rolle des Product Owners, ist gut vorbereitet und hat sein Release-Ziel sauber formuliert. Jede Gruppe erhält eine eigene Aufgabenstellung, die in einen für Wirtschaftsstudenten relevanten Kontext eingebettet wurde. So sollen sie zum Beispiel laut Auftrag des Managements in einem großen Konzern Agilität einführen. Hierfür braucht es natürlich erst einmal eine Vision, Messkriterien für den Erfolg und die ersten Schritte, die getan werden müssen. All das soll in Form einer schriftlichen Arbeit erfolgen, damit das Management auch etwas in der Hand hat und zu einem späteren Zeitpunkt die Ergebnisse nachvollziehen kann. Die Constraints dieser Lieferung sind Zeit (6 Wochen), Organisationsvorgaben (Wir arbeiten in Dreier-Gruppen) und Arbeitsmethoden (Verwendung von Scrum und den damit verbundenen Artefakten). Als Akzeptanzkriterien finden sich die formalen Kriterien wie Zitier- und Quellenvorgaben, die Prof. Günzel an eine Studienarbeit stellt sowie das Verproben des Konzepts an mindestens drei Personen aus dem relevanten Kundenkreis. Inhaltliche Punkte, die er aus der Kundenperspektive mitgibt, verpackt er vorbildlich in User Stories. Hier finden sich Themen wieder wie Rollendefinitionen, Monitoringvarianten des Fortschritts, Pro- und Kontra-Argumente oder auch eine kleine Planung der nächsten Schritte.

Der Ablauf

Zu Beginn der Veranstaltung verteilt Prof. Günzel das Handout und Scrum-Checklisten von borisgloger consulting, die sehr gut an eine vorhergehende allgemeine Einführungsveranstaltung zu agilen Methoden anschließen. Wie in einem richtigen Sprint Planning erklärt er die Zielstellung und die einzelnen User Stories. Die Studenten haben im Anschluss die Möglichkeit, Verständlichkeitsfragen zu stellen und in die Verhandlung der Akzeptanzkriterien zu gehen. Nachdem Gruppen von je drei Studierenden gebildet sind, erarbeitet jede Gruppe eine eigene Definition of Done, in der sie ihre Qualitätskriterien beschreibt und ihre gemeinsame Arbeitsweise festlegt. Jede Gruppe soll auch die User Stories priorisieren und grob nach ihrer Größe schätzen. Für diesen Zweck verteilt Prof. Günzel Planning-Poker-Karten. Mit der daraus resultierenden Planung können nun die Taskboards mit den notwendigen Aufgaben pro User Story bestückt werden.

Und genau in dieser ersten Kennenlernphase sind Studenten eben auch nur Menschen, die eine neue Form der Zusammenarbeit und des Lieferns kennenlernen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie exakt die gleichen Fragen stellen wie andere Scrum-Teams. Wir sind gespannt, wie die erste Iteration verläuft und berichten weiter.

Scrum4Schools – auch die Schule darf Freude machen

 
Leonardo da Vinci soll gesagt haben, dass Studieren ohne Leidenschaft das Gedächtnis verdirbt – ohne Leidenschaft könne es nichts von dem behalten, was es aufnimmt. Und wer an seine eigene Schulzeit zurückdenkt, dem fällt vielleicht die eine oder andere Situation ein, in der man nicht immer mit Eifer dabei war: langweilige Themen, man musste mit dem ungeliebten Nachbarn zusammenarbeiten usw.
Wir wollen die Leidenschaft und Freude an Deutschlands Schulen zurückbringen.
Was würde passieren, wenn Schüler sogar vor dem Klingeln in den Unterricht starten oder sich freiwillig Hausaufgaben geben? Was würde passieren, wenn Lehrer sechs Wochen vor Ende des Schuljahres mit dem vorgegebenen Lehrplan fertig wären und Zeit hätten, sich der individuellen Herausforderungen ihrer Schüler anzunehmen? Wie das funktionieren kann, wollen wir mit 10 Pilotprojekten zeigen.
Gemeinsam mit befreundeten Kollegen aus dem In- und Ausland möchten wir die Schule anpassungsfähiger machen. Scrum4Schools als Rahmenwerk soll dabei als Grundlage dienen. Kleine, selbstorganisierte Gruppen bestimmen ihren eigenen Weg, der in die Richtung der gegebenen Lernziele führt. Für Lehrer und Schüler ist das eine Alternative zu bisherigen Unterrichtsformen.
“Scrum4Schools” ist eine Lernform, bei der Lernteams innerhalb eines festen Rhythmus Aufgaben lösen. Die einzelnen Schritte werden von den Teams dabei völlig selbstständig geplant. Der Lehrer/die Lehrerin legt das Lernziel fest und steht den Schülern beratend zur Seite, die sich selbst um die Erarbeitung des Wissens kümmern. Mit Scrum4Schools übernehmen die Schüler also selbstständig mehr Verantwortung für ihren Lernprozess. Die Folge davon sind intrinsische Motivation, Freude, persönliches Wachstum und bessere Resultate.
Lernen als selbstgewählte Herausforderung ist ein Schlüsselelement von Scrum4Schools. Die Ziele sind: effektiver zu lernen und sich selbst besser einschätzen zu können (Wer bin ich, was kann ich?). Gleichzeitig lernen die Schüler, im Team zu arbeiten und den Wert der Fähigkeiten ihrer Mitschüler zu schätzen. Sie machen die Erfahrung, dass Lernen nicht nur Kraft geben kann, sondern dass sie gemeinsam bessere Resultate erreichen können. Gemeinsam mit anderen etwas erreichen zu wollen, sich dabei einzubringen und Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen, ist auch eine wichtige Fähigkeit für die Arbeitswelt, in der agile Arbeitsweisen inzwischen zum Alltag gehören.
In den kommenden Wochen werden wir hier das Konzept hinter Scrum4Schools ausführlich erläutern und freuen uns auf Fragen, Anregungen und Diskussionen.