Sailboat Retrospektive
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Die Retrospektive dient im Scrum-Prozess vor allem dazu, aus den Erfahrungen des aktuellen Sprints zu lernen und so die Zusammenarbeit nachhaltig zu verbessern. Der Ablauf einer Retrospektive ist immer ähnlich und besteht im Wesentlichen aus fünf Schritten:

  • Check-in
  • Positiver Rückblick
  • Verbesserungspotenziale identifizieren
  • Maßnahmen definieren
  • Check-out

Dass es trotz vergleichbarer Abläufe eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten für Retrospektiven gibt, zeigt sich auf Websites wie Fun Retrospectives oder Retromat.

Wenn ich Teams durch eine Retro begleite, so nutze ich gerne Bildwelten, um die Kreativität im Raum zu stärken und die Teammitglieder zu neuen Sichtweisen anzuregen. Wie das funktioniert, möchte ich in diesem Blog-Beitrag am Beispiel der „Sailboat-Retro“ veranschaulichen.

Willkommen an Bord

Als sehr bildhafte Variante der Retrospektive eignet sich die Sailboat-Retro hervorragend, um von Beginn an zu signalisieren, dass alle Teammitglieder im selben Boot sitzen – und auf ein gemeinsames Ziel zusteuern. Der Name des Teams am Rumpf des Segelbootes unterstreicht das zusätzlich. In der Praxis bereite ich den Rahmen und die Grundstruktur bzw. wichtige Grundelemente der Bildwelt gerne schon vor dem Termin vor, um direkt starten zu können.

Zurückblicken, um voranzukommen

Nach dem Check-in, dem Ankommen im Raum, reflektiert das Team zunächst, was gut gelaufen ist. Für diesen positiven Rückblick bietet sich folgende Fragestellung an: Was ist der Wind in unseren Segeln? Was bringt uns voran? Was macht uns schneller?

Wenn das Team nun die Antworten auf Post-its gesammelt hat, macht es Sinn, diese direkt auf dem Flipchart zu clustern.

Es geht immer noch besser

Nachdem wir jetzt wissen, was gut funktioniert hat, geht es in weiterer Folge darum, Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Auch hier steige ich gerne mit Fragestellungen in die Bildwelt ein:

Der Anker steht in diesem Fall für Verlangsamung, für ein Hindernis des Vorankommens, während der Hai aufkommende, in der Zukunft liegende Gefahren symbolisiert.

Das Team überlegt, schreibt seine Antworten auf Post-its und klebt diese auf die Freifläche am Flipchart. Was thematisch zusammenpasst, wird direkt geclustert, um Muster zu erkennen. Wenn sich ein großes Thema ablesen lässt, ist der Fokus der Maßnahmenfindung für den nächsten Sprint einfach zu setzen. Ansonsten nütze ich gerne Dot-Votings, um zu priorisieren. Jedes Teammitglied bekommt dabei zwei Punkte, die je nach individuell empfundener Dringlichkeit an die vorhandenen Themen vergeben werden können.

Volle Kraft voraus – mit konkreten Maßnahmen

Im nächsten Schritt soll das Team nun sinnvolle, umsetzbare Maßnahmen für den kommenden Sprint definieren. Wie können wir Hindernissen ausweichen und Gefahren vermeiden? Was müssen wir tun, um noch schneller zu werden? Die Maßnahmen, die sich aus diesen Fragen ergeben, nimmt das Team aus der Retrospektive mit. Und versucht, diese sofort in den darauffolgenden Arbeitstagen umzusetzen. Nach dem Check-out ist der aktuelle Sprint abgeschlossen.

Visualisierung wirkt

Meiner Erfahrung nach sind Bildwelten eine tolle Möglichkeit, damit sich Teams besser auf die Fragestellung einlassen können. Durch das Verankern der Antworten auf dem Flipchart lassen sich Muster schnell erkennen, was das Stimmungsbild im Team meist noch besser sichtbar macht. Außerdem kann dieser visuelle Ansatz dazu führen, dass Teams gewisse Aspekte ihrer Zusammenarbeit noch einmal unter anderen Blickwinkeln betrachten.

Alles, was Sie dazu brauchen, sind ein Flipchart, zwei dicke und ein dünnerer Marker in unterschiedlichen Farben sowie Post-its oder statisch haftende Notizzettel. Probieren Sie es aus, es macht Spaß. Und lohnt sich.

 

Foto: CCO Creative Commons – Pixabay

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