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Stundenlang an der frischen Luft spielen, matschen, herumtollen – in Mödling bei Wien ist das ab sofort für Kinder ab drei Jahren möglich. Am heutigen Freitag findet die offizielle Eröffnungsfeier des Waldkindergartens Waldleos statt. borisgloger consulting unterstützte im Vorfeld nicht nur mit einer großzügigen finanziellen Spende – das Team legte kurzerhand auch selbst Hand an und baute im Wald eine Matschküche für die jungen „Bewohner“ des neuen Waldkindergartens.

Im Interview haben wir Julia Dorner, Initiatorin der Waldleos gefragt, welche Vorteile ein Waldkindergarten bietet.

 

Frau Dorner, die Waldleos eröffneten am 02.09.2019 zum ersten Mal die Pforten. Mit wie vielen Kindern starten Sie Ihre erste Gruppe?

Die Waldleos umfassen aktuell eine Gruppe von sieben Kindern. Im Laufe des Jahres werden noch weitere Kinder dazukommen.

Was erwartet die Kinder im Waldkindergarten? Beschreiben Sie uns doch bitte kurz den Alltag der Waldleos.

Die Kinder erwartet vor allem viel Natur, frische Luft, Raum, um sich ausreichend zu bewegen und – nicht zuletzt – die Stille des Waldes. Ein Tag bei den Waldleos startet beim gemeinsamen Treffpunkt beim Parkplatz Meiereiwiese Mödling (um 08:00 Uhr), von dem aus wir gemeinsam zu unserem Waldgrundstück gehen. Nach dem Morgenkreis, der gemeinsamen Morgenjause und dem Aufsperren unserer Hütte (ein wichtiges Ritual für die Kinder!) machen wir meist etwas gemeinsam oder wir geben Raum für das freie Spiel. Im Moment basteln und bauen wir sehr viel, da wir zusammen mit den Kindern unseren Waldort strukturieren und gestalten. Um 11:00 Uhr holen wir (oder ein Teil von uns) das Essen ab – wir werden mit täglich frisch gekochten Speisen von einem Mödlinger Restaurant beliefert (GIOs Mödling). Das Essen wird zu einem vereinbarten Treffpunkt geliefert, von wo wir es mit unserem Bollerwagen abholen. Zurück bei der Hütte essen wir gemeinsam, danach folgt eine „Ruhestunde“ und dann geht’s zurück zum Treffpunkt beim Parkplatz Meiereiwiese. Dort werden die Kinder um 14:00 Uhr wieder abgeholt.

Der Kontakt vom Menschen zur Natur ist – so suggerieren Medien – in unserer schnelllebigen und digitalisierten Zeit weniger denn je vorhanden. Die Menschen buchen Seminare zum „Waldbaden“, um zur Natur zurückzufinden, anstatt einfach einen Spaziergang im Wald zu machen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Diese Entwicklung ist mir nicht bis ins letzte Detail bekannt, aber was ich sicher weiß ist, dass der Mensch nur mit der Natur wirklich Mensch sein kann. Einerseits ist es sicherlich erfreulich, dass die Menschen erkennen, welchen Wert die Natur für ihre körperliche und geistige Gesundheit hat. Andererseits können punktuelle und zeitlich limitierte Naturerfahrungen nur in gewissem Maße in die Tiefe gehen.

Verbringt ein Mensch – schon in jungen Jahren – fast jeden Tag im Wald, mindestens fünf Stunden durchgehend täglich, bei jedem Wetter, im Zyklus der Jahreszeiten und reduziert auf die wesentliche Ausstattung, dann kann, finde ich, eine tiefgehende Integration der Naturerfahrung stattfinden und sich nachhaltig im Bewusstsein verankern. Bei Kindern hat das einen wesentlichen Einfluss auf ihre Entwicklung.

Waldleos-Initiatorin Julia Dorner (Foto Anna Cordes)

Welche Vorteile bietet ein Waldkindergarten konkret gegenüber einem herkömmlichen Kindergarten?

Hier kann ich gleich an die vorhergehende Frage anschließen. Das regelmäßige Sein im Wald bereichert die Kinder immens in ihrem Heranreifungsprozess: motorische Sicherheit, eine gestärkte psychische Widerstandsfähigkeit, Suchtprävention, ein stabiles Immunsystem, das Erleben vom Sinn des Gruppenzusammenhalts, Übernehmen von (Eigen-)Verantwortung – die Liste ist lang. Das Erleben von Stille, wie es heutzutage an nur wenigen Orten möglich ist, das Erleben der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit der Natur, der kreative Entfaltungsprozess durch das Spiel mit dem, was es gerade in der Natur gibt…Wer selbst nur einen Tag im Waldkindergarten verbringt, wird es selbst erleben und an den Kindern ablesen können, welche Bereicherung für sie der freie Naturraum und das Sein im „Kindergarten ohne Wände“ für sie hat.

Kinder werden von den Eindrücken der Natur positiv in ihrer Entwicklung geprägt. Würden Sie sagen, dass man in Zukunft auch über Waldschulen oder gar Walduniversitäten nachdenken sollte?

Ich möchte kein pädagogisches Konzept als DAS ultimative Konzept sehen – ich denke, es ist immer wichtig, dass bei der Wahl des Kindergartens, der Schule und anderen Einrichtungen die Interessen des Kindes im Vordergrund stehen sollten. Unbestreitbar ist, dass die Natur einen unglaublich positiven Effekt auf unsere Gesundheit hat – körperlich, wie psychisch. Ich bin mir sicher, dass es gerade in der schnelllebigen und stetig zunehmend technologisierten Welt von heute nie ein „zu viel“ an „in der Natur sein“ geben kann. Zum einen, weil sie uns gut tut, zum anderen, weil wir erleben, erfahren und auf allen Ebenen integrieren, warum die Natur unseres Schutzes bedarf. Hier schlägt sich die Brücke zum Thema Umweltschutz, der ja im Moment hochaktuell ist.

 

Vielen Dank für das Interview und die spannenden Einblicke! Wer mehr über die Waldleos erfahren möchte, kann sich hier informieren.

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