Working Out Loud – ein Hype, der bleibt?

Der Gedanke hinter Working Out Loud ist, ein Ziel zu erreichen – zum Beispiel in etwas besser zu werden. Dazu gehört es, auf oberflächliches Netzwerken zu verzichten und stattdessen Beziehungen zu Menschen aufzubauen, mit denen ich mich austauschen kann. Wir lernen, über unsere Arbeit zu kommunizieren und fördern uns so gegenseitig in unserer Entwicklung. Ich habe es selbst ausprobiert.

Vor gut zwei Jahren schwappte der Hype um „Working Out Loud“ (kurz WOL) auch nach Deutschland. Überall wurden WOL-Gruppen (sogenannte Zirkel) gestartet. Unternehmen wie Daimler oder Bosch haben die Methode in ihre Trainingsprogramme integriert. Die Idee selbst ist schon älter: 2010 teilte der IT-Berater Bryce Williams in einem Blogpost seine Gedanken zu einem Konzept, in Unternehmen neue Verhaltensweisen zu etablieren und aufzuzeigen, wie freiwillige Kooperation zwischen den Mitarbeitern funktionieren kann. Auf Basis dieses Blogs entwickelte John Stepper die „Working Out Loud“-Methode.

Was genau ist Working Out Loud?

Grafik von Working Out Loud

WOL ist im ersten Schritt eine Entscheidung: „Ich bin für mich und meinen Erfolg selbst verantwortlich.“ Das heißt, es geht darum, aktiv zu werden, eigenständig Ziele zu definieren („Was möchte ich erreichen?“) und diese zu verfolgen.

Im zweiten Schritt folgt die Methode: Eine selbstorganisierte Gruppe von vier bis fünf Personen arbeitet sich durch den von John Stepper entwickelten und in neun Sprachen verfügbaren Leitfaden, den Circle Guide. Jede Woche hat einen festgelegten Schwerpunkt, mit kleinen Aufgaben, die die Teilnehmenden bearbeiten und im wöchentlichen Meeting besprechen. Jeder setzt sich ein übergeordnetes Ziel, dass er mit Hilfe des Guides erreichen möchte sowie wöchentliche „Hausaufgaben“ bis zum nächsten Treffen. Im Meeting geht es vor allem um Reflexion und Erfahrungsaustausch. In Woche acht („Gewohnheiten“) erstellten wir z.B. ein persönliches Fortschrittsdiagramm. Eine Woche später reflektierten wir, inwieweit uns das Diagramm geholfen hat und was wir noch verbessern können.

Meine Erfahrungen mit WOL

Ich selbst habe WOL mit einer Gruppe aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis ausprobiert. Wir haben bewusst darauf geachtet, eine möglichst diverse Gruppe zu haben (Alter, Geschlecht, Beruf), um von verschiedenen Perspektiven zu profitieren.

In den ersten Wochen kam uns alles sehr langsam vor, als hätten wir nicht wirklich etwas geschafft. Doch genau diese kleinen Schritte sind es, die den WOL-Zirkel zu etwas Besonderem machen: Selbst, wenn man sich jeden Tag nur zehn Minuten Zeit nimmt, hat man am Ende der Woche ein Ergebnis, auf das man stolz sein kann. In Woche sechs lag der Fokus z.B. auf dem Thema „Sichtbarkeit“: In dieser Woche habe ich mir jeden Tag zehn Minuten Zeit genommen, um (1) meine Online-Präsenz zu reflektieren (auf welchen Plattformen bin ich unterwegs und mit welchem Ziel?), (2) mir zu überlegen, für welche Themen ich zukünftig wahrgenommen werden möchte und (3) mit den anderen Zirkel-Mitgliedern zu besprechen, wie sie meine Online-Präsenz wahrnehmen.

Wenn man sich zu hohe Ziele steckt, weiß man oft nicht, wo man ansetzen soll oder verliert schnell die Motivation. Durch die kleinen Schritte setzt man sich jede Woche erreichbare Ziele und die Gruppe hilft einem dabei, motiviert zu bleiben und sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Eine weitere Erfahrung war, wie groß die Rolle der intrinsischen Motivation ist: Wenn ich ein selbstgestecktes Ziel mit Unterstützung des WOL erreichen möchte, bin ich bereit, mehr Arbeit und Zeit zu investieren. Wird mir das Ziel vorgegeben, halte ich die 12 Wochen nicht durch oder erledige nur das Nötigste der Aufgaben.

Die wichtigste Erkenntnis aus dem Zwölf-Wochen-Programm war jedoch, wie wichtig der Austausch mit anderen ist: Hier entstehen viele kleine „Aha!“-Momente, ich habe blinde Flecken entdeckt („Daran hatte ich noch gar nicht gedacht!“) und durch die anderen jede Menge Inspiration bekommen (Literatur, Videos, neue Themen).

Working Out Loud für Unternehmen

Der Circle Guide ist zunächst für Individuen gedacht, die sich auf eigene Initiative zu einer Gruppe zusammenfinden. Jedoch lassen sich die Methode und das Mindset abgewandelt in Unternehmen verankern. Wie eingangs erwähnt hat Bosch WOL-Zirkel in sein Trainingsprogramm integriert und berichtet, dass das Zirkel-Programm „die Vorteile der Vernetzung für die Mitarbeiter greifbar macht“ und ihnen hilft, voneinander zu lernen. Andere Unternehmen (z.B. Sipgate) haben offene Zirkel oder, ähnlich wie bei der Open-Space-Methode, ein wiederkehrendes, offenes Meeting, wo neue Fragestellungen diskutiert und anschließend in kleineren Gruppen weiterbearbeitet werden. Ein weiterer Vorteil der Methode ist außerdem, dass man immer wieder von vorne starten kann, wenn man ein neues Ziel verfolgen möchte.

Doch egal, ob internalisiert oder für das Individuum: Eine unabdingbare Voraussetzung für einen erfolgreichen WOL ist die intrinsische Motivation. Wenn ich nicht vorhabe, etwas zu ändern oder ein Ziel zu erreichen, wird auch ein WOL-Zirkel nicht funktionieren.

Findet euren WOL-Zirkel

Wenn ihr nun neugierig geworden seid und die Methode ausprobieren möchtet, findet ihr hier weitere Informationen:

  • Mehr über John Stepper, sein Buch und WOL findest du hier.
  • Deinen eigenen Working Out Loud Circle findest du hier.

Ich freue mich über eure Kommentare und Erfahrungsberichte hier oder auf Social Media! Viel Spaß und Erfolg beim Working Out Loud!

Bild: Pexels License, Pressmaster

Geschrieben von

Paulina Heins Paulina Heins Der Kontakt mit vielen verschiedenen Kulturen führt unweigerlich dazu, dass man die eigenen Denk- und Handlungsweisen zu überdenken lernt. Mit Scrum hat Paulina Heins einen guten Weg gefunden, um diese Reflexionsstärke noch weiter zu professionalisieren und im täglichen Arbeitsleben sinnvoll einzusetzen. Von Natur aus neugierig sucht sie die Veränderung aktiv, weil Stillstand und Routine nur selten neues Potenzial zutage fördern. Paulina Heins hat einen sechsten Sinn dafür, Impediments zu erkennen und diese zu lösen. Dabei schafft sie es, neben den Bedürfnissen der Teammitglieder auch strategische Überlegungen im Blick zu behalten. Am liebsten arbeitet sie mit spielerischen Methoden, um komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen. Und vorzugsweise mit Teams, in denen man gemeinsam denkt, lernt sowie ungewöhnliche Ansätze ausprobiert.

TEILE DIESEN BEITRAG

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email