Trau, schau, wem - vom Umgang mit Vertrauen in Teams

„Seit ich ScrumMaster bin, vertrauen mir meine Kollegen weniger als vorher. Was kann ich tun?“ Diese Aussage einer Trainingsteilnehmerin taucht so oder so ähnlich immer wieder mal auf. ScrumMaster wünschen sich in der Regel „doppeltes Vertrauen“: Zum einen als Person und zum anderen in ihre neue Rolle. Vertrauen ist in der Teamarbeit äußerst wichtig, es ist eines von drei Einflusselementen lateraler Führung, neben Macht und Verständigung. Vertrauen reduziert Komplexität, macht salopp gesagt das Leben und Arbeiten einfacher, z.B bei Entscheidungsprozessen.Wollt ihr als ScrumMaster Vertrauen aufbauen und pflegen, können euch die 8 K´s des Vertrauensaufbaus sehr behilflich sein.

  • Suche und gestalte den Kontakt zum Team und zu den einzelnen Teammitgliedern. Kontakt schafft direkte gemeinsame Erfahrungen und damit die rational-emotionale Basis, auf der Vertrauen wachsen kann. Sei präsent, sei ansprechbar, zeig Dich. Niklas Luhmann spricht vom „Gesetz des Wiedersehens“ (Luhmann, „Vertrauen“ Enke Verlag, 1989) als Möglichkeit, Vertrauen zu „lernen“. Kontakt schafft Vertrautheit und daraus entsteht Vertrauen.
  • Sorge für Klarheit. Über Dich, Deine Ziele, Werte, Intentionen. Mach transparent, was Du denkst, fühlst und was Du warum tust. Halte mit möglichst wenig hinter dem Berg, aber kommuniziere so, dass Du nicht verletzt und abwertest. Gib Feedback über das, was Du im Team wahrnimmst, wie Du Deine Rolle interpretierst und handhaben möchtest. Klarheit schafft Sicherheit.
  • Zeige Kongruenz in dem, was Du sagst und wie Du handelst. Praktiziere Übereinstimmung in Deinem Reden und Handeln, nach innen ins Team und nach außen ins Management. Steht etwas Deiner Kongruenz im Wege, mach deutlich, warum das so ist. Bring Dich authentisch ein, zeige Dich so wie Du nun mal bist. Spiele keine Rolle, sondern lebe Deine Rolle als ScrumMaster, wie sie Dir entspricht. Kongruenz schafft Stimmigkeit.
  • Sei zuverlässig und halte Kontrakte (Commitments) unbedingt ein. Thematisiere, wie wichtig Dir Vereinbarungen sind und achte auch bei anderen auf ihre Zuverlässigkeit. Nutze solche Elemente wie Pünktlichkeit und Terminabsprachen, um Dich als kontraktfähig zu beweisen. Kontrakte schaffen Stabilität.
  • Zeige Konsequenz im „Guten wie im Bösen“ und ziehe Deine Vorhaben durch. Begründe Dein konsequentes Handeln und erkläre Sinn, Zweck und Funktionalität (auch wenn es an der einen oder anderen Stelle unpopulär ist). Besonders in der Verfolgung von Impediments kannst Du Konsequenz beweisen. Ebenso, indem du konsequent zeigst, dass Du zu wesentlichen Elementen von Scrum stehst z.B. den Artefakten. Konsequent sein kann andere auch mal nerven. Versuche es dann mit Klarheit und Humor. Vermeide Verbissenheit, sei nicht „päpstlicher als der Papst“. Scheu Dich nicht, auch mal die „Machtkarte“ zu ziehen. Konsequenz schafft wahrnehmbare Stärke und beweist Mut.
  • Pflege Kontinuität in dem, was Du tust und was Du vermittelst. Demonstriere kontinuierliches, stetiges Verhalten wo immer es geht. Es steht für Zuverlässigkeit und Stabilität. Sei für die Teammitglieder berechenbar, vor allem dann, wenn es um wesentliche Dinge geht. Kontinuität kannst Du z.B. beweisen, indem Du das Impediment Backlog pflegst und zuverlässig abarbeitest. Auch daran, wie Du mit Meinungen, Stimmungen und Verhaltensweisen umgehst, erleben Dich andere als kontinuierlich oder diskontinuierlich. Letzteres solltest Du möglichst vermeiden. Kontinuität schafft Vertrauen in die Zukunft.
  • Fördere und praktiziere Kooperation im Team. Suche jede Gelegenheit, in der Du auch als ScrumMaster Zusammenarbeit demonstrieren kannst. Sei hilfsbereit und unterstütze andere in ihrer Kooperation. Delegiere so, dass daraus die Möglichkeit gemeinsamer Unternehmungen entsteht, z.B. bei der Vorbereitung von Meetings und der Lösung von Impediments. Berücksichtige die Interessen der anderen so, dass Deine Kooperationsbereitschaft deutlich wird. In Kooperationsprozessen kannst Du den anderen zeigen, dass Du Vertrauen erwartest und verdienst und signalisiere ihnen einen Vertrauensvorschuss. Kooperation schafft ein hohes Maß an Gemeinsamkeit und Ausgleich.
  • Suche in Situationen, in denen Unterschiede ausgehandelt werden, wo immer es geht den Konsens (z.B. bei Meetings) und sei so oft wie möglich dialogbereit. Sei geduldig und nimm Dir die nötige Zeit, bis eine für alle wahrnehmbare win-win-Situation entsteht. Vermeide Debatten (von „battere“,schlagen), in denen Du als Sieger und Deine Teammitglieder als Verlierer dastehen, sondern praktiziere den Dialog. Auch „demokratische Abstimmungen“ sind häufig keine win-win-Situation, ebenso wie faule Kompromisse nicht optimal sind. Konsens schafft Harmonie und positive Energie.

„Man darf nicht unterstellen, dass Vertrauen im Lernprozess kontinuierlich wachsen und sich bruchlos auf immer wichtigere, folgenreichere Angelegenheiten ausdehnen kann.“ (N.Luhmann, „Vertrauen“ Enke Verlag, 1989). Der Aufbau und die Pflege von Vertrauen ist ein permanenter Prozess. Nimm Dein persönliches Vertrauensmanagement bewusst in die Hand, achte auf die besagten 8 K´s, die in engem Zusammenhang zueinander stehen. Lass den anderen in Deinem Scrum-Umfeld die Zeit, die sie brauchen, um Dir angemessen vertrauen zu können.TIPP: Die Werkzeugkästen für laterale Führung und gute Teamarbeit - die ScrumMaster Pro TrainingsNeu im Programm:KonfliktManagement - Soziale Konflikte erfolgreich bewältigen und moderieren

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bgloger-redakteur
August 10, 2012

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