Wer erkennt die wirklich guten Ideen?

Liegt es in der Natur des Menschen, neuartige Ideen abzulehnen und nach Gründen zu suchen, warum diese nicht funktionieren werden? In der Filmbranche ist das keine Seltenheit: Als der Vorschlag, „Deadpool“ aus der Marvel-Reihe zu verfilmen, auf dem Tisch von Managern der Filmindustrie landete, wussten diese nichts damit anzufangen, da Deadpool ein sehr unkonventioneller Charakter war. Sie sahen nur das Risiko, nicht den potentiellen Blockbuster, der daraus werden sollte.

Der konservative Verwalter

Justin Berg, Assistenzprofessor für Organisationsverhalten in Stanford, hat sich in einem „Zirkusexperiment“ mit der Frage beschäftigt, wer die guten Ideen erkennt. Er ließ verschiedene Gruppen Zirkus-Performances bewerten. Dabei stellte sich heraus, dass vor allem Zirkusdirektoren und -direktorinnen inakkurate Vorhersagen machten, besonders wenn es sich um neuartige Performances handelte. Als Manager waren sie darauf konzentriert, Risiken zu vermeiden, anstatt mit guten Ideen Erträge zu erzielen.Nun könnte man meinen, dass das Publikum offener für Neuheiten und jedenfalls zuverlässiger in den Vorhersagen ist. Immerhin ist es selbst die Zielgruppe, die später über den Erfolg entscheiden wird. Studien zeigen jedoch, dass dies nur der Fall ist, wenn es eine neuartige Serie oder Film zu Hause auf seinem Sofa als User sieht, nicht aber, wenn es als Testperson eingeladen wird. Dann nehmen die Testpersonen automatisch die Rolle des Managers ein und begehen denselben Fehler: Sie konzentrieren sich zu sehr auf Gründe, warum etwas nicht funktionieren wird und orientieren sich zu sehr an existierenden Prototypen. Auch die Ideengeber sind keine guten Vorhersager, da sie zu begeistert von ihrer eigenen Idee sind.

Der realistische Künstler

Aber es gibt eine Gruppe, die gute Vorhersagen macht: Peergroups. Im Zirkusfall also andere Zirkuskünstler. Wenn andere Künstlerinnen und Künstler die Arbeit ihrer Kollegen und Kolleginnen bewerten, ist ihre Trefferquote doppelt so hoch wie die von Managern, Managerinnen und Testpersonen. Daher sollten wir öfters unsere Kolleginnen und Kollegen vom selben Fach nach Feedback fragen, weil diese das Potential unserer Idee am besten evaluieren. Da sie kein Geld oder Aufwand in unsere Idee investieren, haben sie daneben die nötige Distanz für eine ehrliche Einschätzung.

Der euphorische Erfinder

Berg testete in einer Serie von Experimenten mit über tausend Erwachsenen deren Fähigkeit, den Erfolg verschiedenster neuartiger Produkte vorherzusagen. Die Testteilnehmenden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe wurde angehalten, sechs Minuten lang wie Manager zu denken und eine Liste mit drei Kriterien für ein erfolgreiches neues Produkt zu erstellen. Diese Gruppe hatte eine Trefferquote von 51%. Die Quote der zweiten Gruppe lag viel höher, bei 77%. Der kleine, aber feine Unterschied lag darin, dass sie die sechs Minuten vor dem Experiment anstatt in die Rolle des Managers in die Rolle des Erfinders schlüpften und gebeten wurden, während dieser Zeit originelle Ideen zu entwickeln. Dadurch wurde ihre Fähigkeit gestärkt, das echte Potential von etwas Unkonventionellem oder Neuartigem zu sehen.

Die beteiligte Peergroup

Nun könnte man glauben, dass Zirkusdirektoren, die vorher Künstler waren, besser im Einschätzen sind, aber leider belegen die Daten aus Bergs Experimenten Gegenteiliges. Reine Zirkuskünstler – oder besser gesagt Fachkollegen und -kolleginnen – sind die besten Vorhersager. Deshalb meine ich, dass das Wissen der Peergroups im Unternehmen zu selten genutzt wird, besonders in der kreativen Industrie. Daher ist mein Vorschlag, Rollenverteilung zu überdenken und Kolleginnen und Kollegen in kreative Prozesse einzubinden z. B. mit Co-Creation. Sie funktioniert besonders gut in der Kreativbranche (beobachtbar in der Spontankunst wie Improtheater, Jamsessions). Wir können beispielsweise Design Thinking für die Frage nutzen, an welchen Produkten wir arbeiten sollen. Ich meine, dass dies auch einen positiven Nebeneffekt hat: Empowerment, Austausch unter den Kolleginnen und Kollegen sowie intrinsische Motivation.

Wie kam Deadpool nun doch auf die Leinwand?

Der Teaser, den die Manager damals ablehnten, wurde geleakt (angeblich von Regisseur Tim Miller selbst) und die Comic-Gemeinde war begeistert. Der daraus entstandene Druck veranlasste die Manager umzudenken und den Film zu produzieren. Aktuell laufen bereits die Arbeiten am dritten Teil.Bild: Pexels License, Timo

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Team
Steffen Bernd
November 25, 2020

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