Die nächste große Transformationswelle (3/3): Aus 3 typischen Transformationsfehlern lernen

Bisherige Megatrends wie Digitalisierung und der Wunsch nach Agilität haben gezeigt: Es gibt drei Knackpunkte, an denen eine Transformation bisher noch immer geglückt oder gescheitert ist. Das kann bei der Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie – als neuem Megatrend – im Unternehmen lehrreich sein:

Fehler 1: Das TOP-Management managt nur

Die Management-Ebene möchte es, weist es an, gibt Budgets frei, macht aber nicht aktiv mit. Erkenntnis: Megatrends kann man nicht nur managen. Man kann sie mitmachen, vormachen und mittendrin sein und dabei selbst als Manager:in lernen, um zu sehen, mit welchen Schritten das langfristige Ziel erreichbar wird, welche Hürden genommen werden müssen und wo es Freude macht, neue Gestaltungsspielräume zu eröffnen. Das Management muss sich dabei gemeinsam mit den Umsetzungsteams permanent neu justieren.

Fehler 2: Die IT-Infrastruktur wird nur angepasst

Alle aktuellen Megatrends sind datengetrieben. Die IT wurde dabei bisher oft nur angepasst, aber nicht „revolutioniert“. Erkenntnis: Chief Technology Officers sollten nicht nur IT-Expertise mitbringen. Vielmehr müssen sie Entrepreneur:innen mit Technologie-Sachverstand, also willig und in der Lage sein, Entscheidungen darüber zu treffen, was das Unternehmen selbst umsetzen kann und wo es gezielt Partnerschaften (nicht Zulieferer) braucht. Dazu braucht es Interesse am Endkunden und den Geschäftseinheiten. Das passende IT-Umsetzungs-Knowhow findet sich dann schnell intern oder extern, z. B. bei Tech-Unternehmen, die die eigenen Kompetenzen sinnvoll ergänzen und zu Partnern in der Lieferung werden.

Fehler 3: Gedacht wird nur innerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen

Bisher wurden Transformationen in der Regel maximal in erweiterten Lieferketten gedacht. Erkenntnis: Damit die jetzt anstehende Transformation gelingt, muss in echten Ökosystemen rund um das Produkt und die Kund:innen gedacht werden. Das eigene Unternehmen wird Teil eines größeren Ganzen. Die Transformationen sind zu groß, um von einem einzelnen Unternehmen alleine beherrscht zu werden. In Ökosystemen denken heißt deshalb: mit Unternehmen, die zu einem passen, gemeinsam Ziele definieren, die erreicht werden – partnerschaftlich, mit geteilter Verantwortung und geteiltem Erfolg.

Was wir aus den 3 Fehlern lernen

Keiner hat aktuell den Stein der Weisen dafür gefunden, wie man Unternehmen hin zur Nachhaltigkeit transformiert. Deshalb halte ich mich an die agile Vorgehensweise, weil sie in genau solchen neuartigen Situationen hilft und zwar mit diesen Eckpunkten:

  • Vision: Was ist der Nordstern im unbekannten Umfeld? Wo wollen wir hin?
  • Teams mit einer End-to-end-Sicht: Wie entstehen stabile, crossfunktionale Teams mit den erforderlichen Kompetenzen, die nicht ausschließlich in Fachdisziplinen, sondern darüber hinaus denken?
  • Das Liefern in echten kleinen Schritten, kurzen Entwicklungszyklen und mehr Experimenten mit kleineren Produktteilen: Welches kleine, nicht perfekte Produkt (oder welchen Zugang zur Nachhaltigkeit) können wir vertesten?
  • Nach dem Liefern aus dem Feedback lernen: Wie nutzen wir das Feedback von Anwender:innen direkt für die Weiterentwicklung?

In diesen drei Beiträgen habe ich das große Thema Nachhaltigkeitstransformation für den Unternehmenskontext in drei Punkte übersetzt:

  1. Teil: Was ist Nachhaltigkeit und was bedeutet sie für mein Geschäftsmodell?
  2. Teil: Wie gehe ich sie im Unternehmen an und wie schaffe ich die Strukturen dafür?
  3. Teil: Was kann ich aus den Fehlern, die andere Unternehmen in der Vergangenheit bei großen Transformationsvorhaben gemacht haben, lernen?

Ein Beispiel von einem FinTech und einer Bank, die durch Co-Creation ihre Geschäftsmodelle erweitert haben, können Sie hier lesen. Was sind Ihre Gedanken zur nächsten Transformationswelle? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Wie können wir das Klimaziel 1,5 Grad erreichen? Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf dieses Ziel? Und wie soll die nächste Bundesregierung Sie dabei unterstützen? Alle Parteien sind Nachhaltigkeitsparteien. Informieren Sie sich doch im ersten Schritt einmal über die unterschiedlichen Parteiprogramme und machen Sie die Bundestagswahl am 26. September zur Klimawahl.

Titelbild: Anna Shvets, Pexels

Geschrieben von

Ssonja Peter Ssonja Peter Das agile Arbeiten hat Ssonja Peter als Führungskraft mehr begeistert und auch verändert, als alle Veränderungsprozesse davor. Ihre Meinung: Modernes Leadership im agilen Umfeld fördert durch Mit- und Vormachen eigenverantwortliches Arbeiten im Team und damit Intrapreneurship maximal. Als einen der wirksamsten Hebel hat sie dabei das kontinuierliche Liefern erlebt: Es erfüllt Teams mit Freude und Stolz, weil gemeinsam mit dem Kunden eine ideale Lösung gefunden wurde. Was muss man dabei als Führungskraft lernen? Tiefes Vertrauen in Mitarbeiter:innen und das „Loslassen“. Das Bankgeschäft kennt die Betriebswirtin und Bankkauffrau Ssonja Peter dabei bis ins kleinste Detail. Seit 2000 hat sie in verschiedenen Führungspositionen in deutschen Großbanken den fundamentalen Wandel der Branche selbst mitgestaltet. Dazu gehörten auch agile Transformationen im Rahmen von Digitalisierungsinitiativen.

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