So führt ihr Scrum4Schools in der Schule ein #4 – die Lerntafel

In der Einführungsstunde von Scrum4Schools werden Lernziel und Lernprodukt vorgestellt und die Lernteams bilden sich. Aber wie organisieren sich die Schülerinnen und Schüler nun genau in den kommenden Wochen? Zwei wichtige Elemente unterstützen dabei: Die Rolle der Strukturheldin bzw. des Strukturhelden und die Lerntafel.

Nachdem sich die Lernteams erfolgreich zusammengefunden haben (wie in Teil 3 beschrieben), bittet ihr sie, folgende Aufgaben zu erledigen:

– Sichtet alle vorgegebenen Lernschritte, übertragt sie vom Erkundungsauftrag auf Post-its und ergänzt mögliche eigene Lernschritte, die für die Erstellung des Lernproduktes fehlen.

– Ordnet anschließend alle Lernschritte der Wichtigkeit nach in einer Reihenfolge für die Bearbeitung, sodass klar ersichtlich ist, mit welchem Lernschritt das Team starten wird.

Lerntafel im Lernteam erstellen

Für das Ordnen der einzelnen Schritte kommt bei Scrum4Schools ein Taskboard zum Einsatz, die sogenannte Lerntafel. Die Lernteams nutzen sie, um die eigene Arbeit an dem Lernprodukt zu organisieren. Gleichzeitig sieht der Lerncoach mit einem Blick auf die Tafel des jeweiligen Lernteams sofort, woran das jeweilige Team aktuell arbeitet.

Mit Hilfe eines Flipchart-Blattes im Querformat, einigen Markern und kleinen Post-its erstellen die Lernteams ihre Lerntafel im Nu. Die Inhalte und die Anordnung der verschiedenen Elemente sind abhängig von den spezifischen Anforderungen der Lernsequenz. In der Regel zeichnen wir für die Einführungsstunde eine Lerntafel vor, die die Lernteams abzeichnen und individualisieren.

Hier seht ihr eine beispielhafte Lerntafel für ein Lernteam. Lernteilschritte können, müssen aber nicht auf der Lerntafel abgebildet werden.

Auf der hier dargestellten Lerntafel stehen oben rechts die Namen der Lernteam-Mitglieder.

Oben links ist Platz, um entweder die Lernziele oder die Problemstellung und Vision für das Lernprodukt zu notieren (vergleiche Box “Problemstellung & Vision”).

In der priorisierten Lernliste werden die Lernteilschritte darunter der Priorität nach geordnet abgelegt. Die Akzeptanzkriterien stehen häufig auf der Rückseite der Karten. So kann das Lernteam schnell überprüfen, ob der Lernschritt bereits abgeschlossen werden kann.

Der größte Teil ist für eine Tabelle reserviert, auf der das Lernteam die Lern- und Lernteilschritte darstellt, an denen es aktuell arbeitet. In die Spalte auf der linken Seite werden alle Lernschritte (User Stories) gezogen, die ein Lernteam im kommenden Sprint fertigstellen möchte. Die Spalte daneben mit Lernteilschritten (Tasks) ist optional. Jeder Lernschritt kann noch einmal in kleine Unteraufgaben unterteilt werden, die zur Fertigstellung des Schrittes nötig sind. Dies bietet sich vor allem bei längeren Sprintzyklen und komplexeren Lernschritten an. Um sich beim nächsten Treffen des Lernteams noch daran zu erinnern, wer an einer Aufgabe arbeiten wollte, notieren die Lernenden in der Regel ihren Namen auf den Lern- und Lernteilschritten.

In der Spalte “In Arbeit” hängen alle Lernschritte oder bei der Verwendung von Lernteilschritten alle Lernteilschritte, an denen das Lernteam aktuell arbeitet. Ziel ist es, dass alle Karten am Ende des Sprints in der Spalte “Fertig” hängen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das visuelle Management für Schülerinnen und Schüler auch schon ab einem sehr jungen Alter sehr eingängig ist. So hören wir häufig Aussagen wie: „Das ist ja wie eine To-do-Liste, nur organisierter“. Am einfachsten ist es, die Lerntafel analog auf einem Flipchart darzustellen. Nach der Unterrichtsstunde sammelt die Lehrkraft die Flipcharts ein und bringt diese zur nächsten Stunde wieder mit, sofern sie nicht im Klassenraum verbleiben können. Für den Fall, dass die Lernteams nicht häufig real zusammenkommen und virtuell arbeiten (beispielsweise aufgrund von Remote- und Homeschooling), kann auch mit einer digitalen  Lerntafel gearbeitet werden – etwa mit padlet, Planner (Office 365) oder Trello.

Wahl der Strukturhelden und Strukturheldinnen

Bevor der erste Sprint starten kann, sollte jedes Lernteam noch eine Strukturheldin oder einen Strukturhelden aus seiner Mitte wählen. Seine bzw. ihre Aufgabe ist – wie der Name bereits sagt – für Struktur in den Treffen und für die Einhaltung der Zeiten zu sorgen. Er oder sie tut alles in seiner bzw. ihrer Kraft stehende, damit das Lernteam optimal arbeiten kann. Falls Probleme oder Herausforderungen auftreten, die ein Strukturheld oder eine Strukturheldin nicht lösen kann, spricht er oder sie den Lerncoach an, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Da die Strukturierungstätigkeiten nicht die volle Zeit beanspruchen, arbeitet er oder sie wie jedes andere Lernteam-Mitglied auch an den Lernschritten mit.

Es bietet sich an, dass die Strukturhelden bzw. Strukturheldinnen ihre Rolle für mindestens drei Sprints ausüben, damit eine gewisse Regelmäßigkeit entsteht und sie eine Routine entwickeln können.

Wie geht es weiter?

Der wichtige Anfang ist geschafft: Die Rollen und Strukturen sind klar und das Lernprodukt bzw. -Ziel stehen fest. Idealerweise arbeiten die Lernteams zum Ende der Einführung bereits an dem ersten Lernschritt. Dann steht dem ersten Sprint nichts mehr im Wege – dazu mehr im nächsten Teil.

Habt ihr Fragen oder Anregungen? Unter www.borisgloger.com/scrum4schools findet ihr unsere S4S-Ansprechpartnerinnen, aktuelle Trainings für Lehrkräfte sowie die Scrum4Schools-Checkliste mit Details zu allen hier in der Blogserie aufgeführten Themen. Meldet euch gerne auch für unseren Scrum4Schools-Newsletter an, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Die Reihe: So führt ihr Scrum4Schools in der Schule ein

#1 – Grundlagen

#2 – den Rahmen schaffen

#3 – Treffen

#4 – die Lerntafel

#5 – der Sprint

Geschrieben von

Carsten-Hendrik Rasche Carsten-Hendrik Rasche Seine ersten Erfahrungen mit userzentrierter Produktentwicklung, mit Scrum und Agile hat Carsten Rasche direkt im Silicon Valley gesammelt. Den Arbeitspsychologen fasziniert natürlich, wie sich die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kund:innen auf die interne Organisation eines Unternehmens auswirkt. Im Zuge von Transformationsprojekten liegt seine Expertise im Bereich Organizational Learning & Coaching von Führungsteams. Neben Kundenprojekten hat Carsten die Initiative Scrum4Schools aufgebaut, welche die Anwendung von Scrum in Bildungseinrichtungen unterstützt. Als ausgebildeter Mediator bringt Carsten Rasche die Fähigkeit ein, in angespannten und komplexen Situationen die Ruhe zu bewahren, nüchtern zu analysieren und dadurch größere Klarheit zu schaffen. Wichtig ist ihm dabei, offen und wertschätzend auf Menschen zuzugehen und eine tragfähige Vertrauensbasis zu schaffen.

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