So führt ihr Scrum4Schools in der Schule ein #3 – die Treffen

Ein Aspekt, der Scrum so erfolgreich macht, sind die wiederkehrenden Meetings bzw. Treffen. Anwender von Scrum kennen das Daily Scrum, das Review oder die Retro. Aber wie organisieren sich die Schülerinnen und Schüler eigentlich bei Scrum4Schools? So viel vorab: Die Treffen sind angelehnt an die Originale und nur leicht abgewandelt. Der Einfachhalt halber verwenden wir bei Scrum4Schools deutsche Begrifflichkeiten. So heißen unsere Treffen in der Schule „Planung“, „Team-Synchronisation“, „Rückschau“ und „Feedbackrunde“.

In Scrum gibt es einen festen Taktgeber: die sogenannten Sprints. Sie umfassen jeweils den Zeitraum, in dem die Schülerinnen und Schüler einen oder mehrere Teile ihres Lernproduktes anhand der einzelnen Lernschritte erarbeiten und am Ende vor der gesamten Klasse präsentieren. Ein Sprint startet immer mit der Planung. Dieses erste Treffen geht der Frage auf den Grund „Was möchten wir zum Ende eines Sprints fertig haben?“

Sofern zwischen Sprint-Start und -Ende mehrere Schulstunden liegen, findet zwischen Planung und Sprintende noch ein weiteres Treffen, die Teamsynchronisation, statt. Hierbei treffen sich Schülerinnen und Schüler in ihren jeweiligen Teams und informieren sichgegenseitig über den Fortschritt ihrer Lernschritte. Der Sprint endet mit der Feedback-Runde. Jedes Lernteam stellt der Reihe nach den anderen Lernteams und dem Lerncoach kurz und knapp vor, was es im Sprint erarbeitet hat. Die anderen Lernteams und der Lerncoach geben direkt nach der Vorstellung eines Lernteams Feedback, das wiederum in die Planung für den nächsten Sprint mit einfließt. Der Sprint endet mit der Rückschau (Retrospektive), in der die Lernteams kurz auswerten, was in der Zusammenarbeit bereits gut funktioniert und was das jeweilige Team verbessern kann.

Scrum4Schools Treffen
Die Grafik zeigt die vier Treffen während eines Sprints. Der Sprint ist ein vorab definierter Zeitraum von meist 1-2 Wochen, in dem die Lernschritte für das Lernprodukt erarbeitet werden.

Sobald ihr euch mit den Begrifflichkeiten vertraut gemacht habt, kann es auch schon losgehen: Die erste Scrum4Schools-Unterrichtsstunde steht an!

Die Einführungsstunde strukturieren

Gerade wenn Schülerinnen und Schüler noch keinerlei Berührungspunkte mit Scrum hatten, solltet ihr euch zu Beginn Zeit nehmen – idealerweise mindestens eine Doppelstunde. Kurze und praxisbezogene Blöcke sorgen dafür, dass die Schülerinnen und Schüler Scrum spielend kennenlernen und neugierig auf die kommenden Wochen werden. Am Ende der Einführung haben die Schülerinnen und Schüler idealerweise einen Überblick, wie das Lernen mit Scrum funktioniert. Zudem bilden sich die Lernteams und das Lernprodukt sowie die Anforderungen an die Unterrichtseinheit, in der mit Scrum gelernt wird, werden festgelegt.

Die Einführung beginnt mit einem Überblick über Scrum – entweder in Kurzform durch den Lerncoach oder in Variante der eigenständigen Informationsbeschaffung durch die Kinder: Hierbei ruft der Lerncoach zu einer Internetrecherche über Scrum auf, die etwa 20 Minuten in Anspruch nimmt. Diese Version ist insbesondere für Kinder und Jugendliche ab etwa 12-13 Jahren geeignet.

Zusätzlich oder als Alternative bietet eine praktische Simulation, wie etwa das Ball-Point-Game, die ideale Basis, um den Schülerinnen und Schülern die Grundprämissen von Scrum näherzubringen: Die Lieferung von Ergebnissen in kurzen Zyklen und die dazugehörigen Treffen (Planung, Teamsynchronisation, Feedback-Runde und Rückschau). Beim Ball-Point-Game entwickelt eine Gruppe unter der strengen Zeitvorgabe von 15 Minuten und mit speziellen Regeln ein System, um die Bälle innerhalb einer Gruppe zirkulieren zu lassen. Anleitungen findet ihr bei borisgloger consulting und auf der Seite vom Projektmagazin.

Alternativ und bei einem größeren Zeitkontingent (mindestens 1 Stunde) kann man den Scrum-Prozess mithilfe einer Legosimulation kennenlernen, in denen mehrere Teams entweder eine Stadt oder einen Flughafen bauen. (Eine Anleitung findet ihr auf lego4scrum und hier auf Youtube.) Der Vorteil bei der etwas längeren Legosimulation: Hier wird nicht nur der Zyklus der Treffen deutlich, sondern auch die unterschiedlichen Rollen.

Lernziele und -produkt vorstellen

Nach einem ersten Überblick über die neue Methodik stellt der Lerncoach die Lernziele und das Lernprodukt vor. Im Vergleich zu klassischem Unterricht sind Lernsequenzen mit Scrum so angelegt, dass Schülerinnen und Schüler einen größeren Freiheitsgrad beim Erreichen des jeweiligen Lernziels und im Gestalten des Lernproduktes haben. Ideal sind also Lernziele und Lernprodukte, die sowohl die Bedeutung des Behandelten für die Lernenden aufzeigen und gleichzeitig motivieren.

Ganz wichtig: Die Schülerinnen und Schüler müssen wissen, was von ihnen am Ende erwartet wird. Dieser Zeitpunkt eignet sich ebenfalls für die Vorstellung des Zeitplans und zur Besprechung der Benotungs- und Bewertungskriterien. Sofern Individualnoten vergeben werden müssen, haben wir gute Erfahrung damit gemacht, wenn sich die Schülerinnen und Schüler in einem Lernteam gegenseitig benoten und diese Empfehlung der Lehrkraft mitgeben. Die finale Benotung erfolgt dann durch die Lehrkraft. Unsere Erfahrung: Die Schülerinnen und Schüler schätzen sich gegenseitig und ihre Beiträge zum Erreichen des Gruppenergebnisses in der Regel recht gut ein. Teilweise bewerten sie sich selbst zu streng und die Lehrperson kann durch die eigene Beobachtung korrigieren.  

In der Einführungsrunde bilden sich auch die Lernteams. Für den Lernkontext haben wir immer wieder festgestellt, dass kleinere Teams mit rund 4 +/-1 Personen wesentlich besser wirken als etwa die Zusammenstellung von 7 +/- 2 Personen im originären Scrum. So hat jedes einzelne Teammitglied die Möglichkeit, viele und vor allem auch tiefere Lernerfahrungen zu machen. Für die Lernteams gilt neben der kleinen Teamgröße die Grundvoraussetzung: In jedem Team müssen alle Fähig- und Fertigkeiten vorhanden sein, um das Lernprodukt am Ende zu erstellen. Das heißt im Schulkontext häufig, dass sowohl Leistungsstärkere und Leistungsschwächere in dem jeweiligen Fach in einem Lernteam sein sollten, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, die Lernteams zu bilden: 1) Die Lernteams finden sich selbst, 2) der Lerncoach stellt die Teams zusammen und 3) der Lerncoach stellt die Teams aus frei gebildeten Zweiergruppen zusammen. Je nach Klasse kann der Lerncoach hier vorab überlegen, welche Variante ihm passend erscheint und wie viel Freiraum er dabei geben möchte. Ein guter Mittelweg ist die Variante der Zweiergruppen, die dann vom Lerncoach final zusammengestellt werden.

Wie geht es weiter?

Im ersten Teil der Blogreihe beschreibe ich die Grundlagen von Scrum4Schools und die Rolle der Lehrperson. Der zweite Teil gibt Tipps für das Formulieren des Erkundungsauftrags und zeigt, wir ihr mit Lernschritten und Akzeptanzkriterien Struktur schafft. Im nächsten Teil erfahrt ihr alles über das Element der „Lerntafel“ und ich zeige auf, warum jedes Team einen Strukturheld oder eine Strukturheldin braucht.

Habt ihr Fragen oder Anregungen? Unter www.borisgloger.com/scrum4schools findet ihr unsere S4S-Ansprechpartnerinnen, aktuelle Trainings für Lehrkräfte sowie die Scrum4Schools-Checkliste mit Details zu allen hier in der Blogserie aufgeführten Themen. Meldet euch gerne auch für unseren Scrum4Schools-Newsletter an, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Die Reihe: So führt ihr Scrum4Schools in der Schule ein

#1 – Grundlagen

#2 – den Rahmen schaffen

#3 – Treffen

#4 – die Lerntafel

#5 – der Sprint

Geschrieben von

Carsten-Hendrik Rasche Seine ersten Erfahrungen mit userzentrierter Produktentwicklung, mit Scrum und Agile hat Carsten Rasche direkt im Silicon Valley gesammelt. Den Arbeitspsychologen fasziniert natürlich, wie sich die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden auf die interne Organisation eines Unternehmens auswirkt. Im Zuge von Transformationsprojekten liegt seine Expertise im Bereich Organizational Learning & Coaching von Führungsteams. Neben Kundenprojekten hat Carsten die Initiative Scrum4Schools aufgebaut, welche die Anwendung von Scrum in Bildungseinrichtungen unterstützt. Als ausgebildeter Mediator bringt Carsten Rasche die Fähigkeit ein, in angespannten und komplexen Situationen die Ruhe zu bewahren, nüchtern zu analysieren und dadurch größere Klarheit zu schaffen. Wichtig ist ihm dabei, offen und wertschätzend auf Menschen zuzugehen und eine tragfähige Vertrauensbasis zu schaffen.

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