So führt ihr Scrum4Schools in der Schule ein #1 – Grundlagen

Seit rund drei Jahren helfen wir Schulen und Universitäten mit Scrum4Schools dabei, ihren Unterricht schülerzentriert zu gestalten – abseits des klassischen Frontalunterrichts. Und das mit Erfolg: Mittlerweile wenden zahlreiche Weggefährten und Weggefährtinnen Scrum4Schools an oder interessieren sich neu dafür. Zudem expandieren wir stetig: Unsere Kolleginnen Laura und Anna treiben seit September letzten Jahres Scrum4Schools als Program Manager in Deutschland und Österreich immer weiter voran. Unsere gemeinsame Mission: Scrum4Schools als Standard im deutschen und österreichischen Schulsystem verankern.

Scrum ist nicht kompliziert

Insbesondere, wenn wir neu mit Schulen oder Hochschulen in Kontakt treten, hören wir oft: Gibt es eine Anleitung für Scrum4Schools? Die einfache Antwort: Jede Schule und jede Herausforderung ist natürlich ein wenig anders – aber die Rahmenbedingungen und Spielregeln von Scrum4Schools sind immer gleich.

In dieser Blogserie geben wir euch die Grundlagen an die Hand. Zunächst einmal sollten euch die Prozesse und das neue Vokabular nicht abschrecken: Scrum ist logisch und wesentlich weniger komplex als es anfangs scheinen mag. So sind auch alle verwendeten Elemente in Scrum4Schools weder neu noch sonderlich kompliziert. Im Gegenteil: Sie folgen ganz stark dem, was wir gemeinhin als gesunden Menschenverstand bezeichnen. Wir planen und entwickeln in einem kleinen Team den Teil einer Aufgabe innerhalb einer kurzen Zeitspanne – und holen uns am Ende eines solchen Zyklus Feedback ein. Dieses nehmen wir in die nächste Runde bzw. in den nächsten Sprint auf und vervollständigen so nach und nach die Aufgabe.

Spezielle Rollenbezeichnungen oder Namen für die regelmäßigen Treffen sind ein nettes Beiwerk, die uns dabei unterstützen, dieses Ziel zu erreichen. Nicht mehr und nicht weniger.

Wie starten wir mit Scrum4Schools?

Der Einfachheit halber beschränkt sich diese Anleitung auf das notwendige Grundwissen für das Einführen von Scrum in der Schule. Elemente wie das Schätzen der Größe von Lernschritten (User Stories) oder ein Lernfortschrittsmesser (Burn-Down-Chart) erhöhen die Komplexität und sind für den Start nicht von Belang. Wir empfehlen, diese erst dann einzuführen, wenn die Schülerinnen und Schüler mit der Methode vertraut sind.

Was wollen wir erreichen?

Im Lernkontext ist der erste Schritt, ein geeignetes Lernprodukt zu finden. Denn im Laufe einer Unterrichtseinheit mit Scrum eignen sich Schülerinnen und Schüler in kleinen Lern-/Scrum-Teams eigenständig und selbstorganisiert Wissen zu einem oder mehreren Inhalt/en über die gemeinsame Erstellung eines Lernproduktes an. Was ist ein Lernprodukt? Z. B. ein physischer Gegenstand wie das Zeitzeugenbüchlein, das Schülerinnen und Schüler der IMS Lanzendorf erarbeitet haben.  Genauso gut kann das eine selbst gestaltete Unterrichtstunde zu einem spezifischen Thema im Englischunterricht oder ein durch die Kinder selbst angeleitetes Experiment im Physikunterricht sein. Ihr seht: Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt!

Meine Empfehlung: Wählt für das erstmalige Ausprobieren ein überschaubares und abgestecktes Thema, mit dem die Kinder oder Jugendlichen innerhalb von maximal drei bis vier Wochen ein Lernprodukt selbst erarbeiten. Nachdem sie mit dem Vorgehen betraut sind, ist das Ausweiten der Methode auf die komplette Unterrichtsgestaltung in einem Schulhalbjahr denkbar.

Wir haben festgestellt, dass es hilft, zusätzlich die konkreten inhaltlichen Lernziele, die sich die Schülerinnen und Schüler im Zuge einer Unterrichtseinheit mit Scrum selbst erarbeiten, offen und transparent zu formulieren und diese auch zu kommunizieren. Idealerweise beinhalten die Lernziele eine kurze Beschreibung, welchen Nutzen die Auseinandersetzung mit dem Thema stiftet. Neben den inhaltlichen Lernzielen lernen die Kinder und Jugendlichen mit der Methode, wie man Gruppen und Teamarbeit strukturiert und zielbringend gestalten kann.

Welche Rolle nimmt der oder die Lehrende ein?

Im Lernprozess mit Scrum nimmt der oder die Lehrende eine neue Rolle ein. Da die unterschiedlichen Lernteams selbstorganisiert und eigenständig an ihren Lernprodukten arbeiten, kommen Lehrende in die Situation, die einzelnen Lernteams und deren Mitglieder individuell und dem jeweiligen Bedarf entsprechend zu begleiten und zu unterstützen. Eine Grundvoraussetzung für Lehrkräfte ist deshalb die Bereitschaft, neben der Definition eines Lernprodukts und der Lernziele weitere Vorarbeiten zu leisten, die ich im nächsten Blogbeitrag ausführe.

Weiter sollte ein Lerncoach festlegen, ob er oder sie spezielle Anforderungen während der Lernsequenzen vorgeben möchte: Welcher Zeitrahmen gilt? Sollen die Kinder und Jugendlichen Texte zur Vorbereitung lesen? Und: Wie erfolgt eine mögliche Benotung am Ende des Projektes?

Wie geht es weiter?

Im zweiten Teil meiner Blogserie lest ihr, wie ihr einen Erkundungsauftrag formuliert, wie Lernschritte die einzelnen Treffen strukturieren und welchen Rahmen die Akzeptanzkriterien bei den zu erledigenden Lernschritten geben.

Unter www.borisgloger.com/scrum4schools findet ihr aktuelle Trainings für Lehrkräfte sowie die Scrum4Schools-Checkliste und könnt euch für den Newsletter anmelden.

Bild: Pexels License, Olia Danilevich

Geschrieben von

Carsten-Hendrik Rasche Carsten-Hendrik Rasche Seine ersten Erfahrungen mit userzentrierter Produktentwicklung, mit Scrum und Agile hat Carsten Rasche direkt im Silicon Valley gesammelt. Den Arbeitspsychologen fasziniert natürlich, wie sich die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden auf die interne Organisation eines Unternehmens auswirkt. Im Zuge von Transformationsprojekten liegt seine Expertise im Bereich Organizational Learning & Coaching von Führungsteams. Neben Kundenprojekten hat Carsten die Initiative Scrum4Schools aufgebaut, welche die Anwendung von Scrum in Bildungseinrichtungen unterstützt. Als ausgebildeter Mediator bringt Carsten Rasche die Fähigkeit ein, in angespannten und komplexen Situationen die Ruhe zu bewahren, nüchtern zu analysieren und dadurch größere Klarheit zu schaffen. Wichtig ist ihm dabei, offen und wertschätzend auf Menschen zuzugehen und eine tragfähige Vertrauensbasis zu schaffen.

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