5 Schritte für einen gelungenen „T-Shaped-Skills“-Workshop

Mit dieser Anleitung kannst du mit deinem Team über das Thema „t-förmige Fähigkeiten“ (T-Shaped-Skills) sprechen und in eurem speziellen Kontext auf Fähigkeiten innerhalb des Teams auf der individuellen Ebene und der übergeordneten Teamebene eingehen.

Doch zunächst stellt sich die Frage:

Was bedeutet „t-shaped“?

T-Shaped-Skills sind Fähigkeiten, die ein Teammitglied breiter einsetzbar machen. Personen mit diesen Fähigkeiten verfügen über ausgezeichnete, tiefe Kenntnisse in speziellen Bereichen (vertikaler Balken des Ts), gleichzeitig sind sie auch mit gewissen Arbeitsbereichen ihrer Kolleg:innen zumindest so gut vertraut, dass sie mit ihnen produktiv zusammenarbeiten können (horizontaler Balken des Ts). Beispielsweise könnte ein T-Shaped-Professional über die Fähigkeit verfügen, perfekt in C++ zu programmieren, gleichzeitig kann diese Person auch andere Programmiersprachen verstehen, in Kontext setzen und sich darüber mit den Kolleg:innen austauschen.

Was nutzen t-förmige Fähigkeiten dem Team und den Teammitgliedern?

In einem Team mit t-förmigen Fähigkeiten hat jedes Teammitglied sein Fachgebiet, dass es sehr gut beherrscht. Darüber hinaus verstehen alle, was alle anderen im Team machen und können im Bedarfsfall unterstützen. So wird das Team insgesamt resilienter gegenüber Schwankungen in der Lieferfähigkeit und kann qualitativ hochwertigeren Output generieren.

Und schließlich erhalten die Teammitglieder einen Mehrwert durch die erhöhte Attraktivität ihres Profils auf dem Arbeitsmarkt. Der Mehrwert für die Teammitglieder entsteht also in ihrer Weiterentwicklung selbst, sie können einander unterstützen, beruhigter in Urlaub gehen, besser gemeinsam an Lösungen arbeiten.  

Insbesondere Scrum-Teams sind auf die erweiterten und ergänzenden Fähigkeiten ihrer Teammitglieder angewiesen, denn so können crossfunktionale Teams kontinuierlich hochwertige Produktinkremente liefern. Alle relevanten Fähigkeiten sollten mindestens zwei Mal vorhanden sein, um Engpässe zu vermeiden. Wenn außerdem neue Skills im Team aufgebaut werden, erhöht sich dessen Unabhängigkeit von anderen Teams und es kann Produkte wirklich end-to-end entwickeln.

Der T-Shaped-Skills-Workshop

Mit der nachfolgenden Anleitung in fünf Schritten kannst du selbst (oder dein ScrumMaster, Teamlead, Führungskraft etc.) einen Workshop mit deinem Team durchführen, um die individuellen t-förmigen Fähigkeiten der Teammitglieder zu verstärken. Die Dauer ist abhängig von der Teamgröße. Wir setzen für ein Team mit 6-8 Personen 90 Minuten an. Dieser Workshop macht transparent, welche Fähigkeiten im Team vorhanden sind und welche aufgebaut oder geteilt werden müssen. Er bildet die Grundlage für den gezielten Aufbau der T-Shaped-Teammitglieder.

Agenda für einen Workshop

1. Einleitung

Zu Beginn erklärst du allen Teilnehmenden, was T-Shaped-Skills sind und welche Vorteile sich daraus ergeben (oder du lässt sie einfach unsere Erklärung oben lesen). Sag ihnen, warum ihr heute diesen Workshop macht und auf welche Ergebnisse ihr hinarbeitet, damit die Teilnehmenden wissen, wie sie selbst zu einem guten Ergebnis beitragen und was sie sich von dem Workshop erwarten können. Das Ziel sollte ein gemeinsames Verständnis von T-Shaped-Skills sein sowie zu erfahren, welche Fähigkeiten im Team vorhanden sind und wohin sich das Team entwickeln möchte.  

  • Format: Präsentation

2. Bestandsaufnahme der Skills

Jetzt sind die Teammitglieder gefragt. Es geht darum, die Fähigkeiten zu identifizieren, die im Team vorhanden sind. In Stillarbeit notieren alle die eigenen Fähigkeiten und jene, von denen sie wissen, dass sie das eigene Aufgabenfeld im aktuellen Team sinnvoll erweitern würden, um die Vision zu erfüllen.

  • Format: Stillarbeit und anschließende Präsentation in der Runde (wir empfehlen die Kreisarbeit)

3. Zusammenführung der Skills

Alle präsentierten Fähigkeiten werden in einer Matrix erfasst. Die Fähigkeiten stehen in der vertikalen Linie der Matrix, während die Namen der Teilnehmenden horizontal eingetragen werden. Erscheinen Fähigkeiten mehrfach, werden sie nur einmal aufgeführt und redundante gelöscht. Vorsicht: Wenn sich die Beschreibungen der Fähigkeiten auf den ersten Blick sehr ähnlich sind, jedoch Unterschiedliches von den Teilnehmenden gemeint ist, dann muss eine trennscharfe Bezeichnung gefunden werden, damit klar ist, was dahintersteht. Das Ergebnis ist eine beschriftete Tabelle mit leeren Feldern in der Mitte.

  • Format: Gespräch in der Gruppe

4. Einordnung der Skills

Die Fähigkeiten werden nun entlang der Ausprägung Ich besitze tiefes Wissen, Ich besitze teilweise Wissen und Ich möchte es lernen von allen Teilnehmenden in Stillarbeit bewertet und die Bewertung beim eigenen Namen in die leeren Felder der Matrix eingetragen.

  • Format: Stillarbeit

5. Auswertung und Priorisierung

Im letzten Schritt betrachtet das ganze Team gemeinsam die Matrix. Die Fähigkeiten werden nun nach einer geeigneten Logik priorisiert, z. B. wichtige Fähigkeiten, die nur von einem Teammitglied bereitgestellt werden und deshalb ein Engpass sein können oder solche, an denen besonders hohes Interesse besteht. Dadurch wird klar, welche Fähigkeiten als erste aufgebaut werden müssen. Jede:r stellt aus den festgestellten Skills das eigene T zusammen.

  • Format: Gruppenarbeit

Was nun?

Aus dem Workshop hat jedes Teammitglied sein eigenes Wunsch-T-Profil mitgenommen. Jetzt startet die eigentliche Arbeit: mit den ersten Maßnahmen, die sich aus dem Workshop ableiten lassen. Solche Maßnahmen können Pair Programming, Formate für das interne Teilen von Wissen oder Fortbildungen sein. Wir empfehlen dir, die Maßnahmen in einem Backlog zu sammeln, damit ihr die Übersicht behaltet und die Maßnahmen sowie deren Status nachverfolgen könnt. In unserer Praxiserfahrung hat es sich bewährt, nach rund sechs Monaten ein Recap oder auch eine Retrospektive zu machen, bei dem ihr euch anseht, wie weit sich die T-Shaped-Skills entwickelt haben. Möglicherweise bildet das Recap einen neuen Aufschlagspunkt, um neuerlich auf die T-Shaped-Skills zu fokussieren.

Du bist dran!

Du hast noch Fragen? Wunderbar. Melde dich bei uns. Wir sind gespannt auf deine Gedanken und dein Feedback.

Titelbild: Jason Hogan, Unsplash

Geschrieben von

Markus Breitenöder Markus Breitenöder Markus Breitenöder hat seine kommunikativen Stärken und seinen strukturierten Umgang mit komplexen Sachverhalten schon in diversen Branchen unter Beweis gestellt. Besonders brennt er für nachhaltige Mobilitätskonzepte und ist begeistert davon, wie vor allem Ballungszentren von ihnen profitieren können. Deshalb ist sein liebster Scrumwert Commitment – weil er sich gerne einer Sache verschreibt und sich auch von Hindernissen auf dem Weg zum Ziel nicht abhalten lässt. Wie eine Organisation mit Veränderungen und Krisen umgeht, ist für Markus nicht zuerst eine Frage der richtigen Methoden – diese sind nur Mittel zum Zweck. Vor allem sieht er seine Aufgabe als Berater und Trainer darin, den Menschen in einer Organisation Wege aufzuzeigen, damit sie selbst die passendste Lösung finden. Sein Motto: Agilität macht selbstständig – die Menschen und die Organisationen.

Teammitgliedsprofil

Andreas Bohnert Andreas Bohnert Andreas Bohnert hat als Wirtschaftsingenieur das richtige Gespür für Prozesse und wie man sie verbessern kann. Dabei hat er immer die Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit im Blick – sei es im Change-Management in der Automotive-Branche, in der Produktentwicklung oder in der Produktion. Veränderungen, ob sie nun von außen oder innen kommen, sieht Andreas als die beste Gelegenheit, den eigenen Methodenkoffer zu erweitern und neue Wege zu gehen. Die agilen Methoden sind für ihn der Ausgangspunkt, um selbst tiefer in die technologischen Inhalte einzutauchen, vor allem in die Digitalisierung. Was ihm dabei besonders gut gefällt: Mit Scrum übernimmt jedes Teammitglied Verantwortung und sieht die Wirkung seiner Arbeit. Deshalb ist sein liebster Scrum-Wert Commitment. Denn nur wenn das Team sich committet, kann es richtig ins Liefern kommen, und da fängt der Spaß an der Arbeit erst an. Wenn er nicht gerade Fahrrad fährt, arbeitet Andreas deshalb in seiner Freizeit gerne mit Holz: weil er die kreativsten Ideen beim Ausprobieren hat und weil die arbeitenden Hände oft die besseren Lösungen finden als der Kopf.

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