Entwicklungs- & Kommunikationsinfrastruktur – Mobilität digital denken #3

Im agilen Manifest heißt es zu den agilen Prinzipien: Our highest priority is to satisfy the customer through early and continuous delivery of valuable software. Um dies sicherzustellen, braucht die Organisation eine geeignete moderne Softwarenentwicklungsinfrastruktur. Im Gegensatz zu klassischen wasserfallartigen Projekten streben wir es an, in jedem Sprint funktionierende und integrierbare Software zu liefern. Die Integration – der Einbau der Komponente – ist oft ein kritischer Moment. Das Team muss nämlich sicherstellen, dass keine Fehler auftreten und die Software auch nach der Integration so läuft wie geplant. Darum heißt es jetzt testen. An zwei Punkten macht sich eine ungeeignete IT-Infrastruktur bemerkbar: 1. Die Integration des Codes ist mühsam, weil den Entwicklungsteams eine geeignete Automatisierung (CI/CD) fehlt und eine manuelle Integration aufwändig und fehleranfällig ist. 2. Die Durchführung der Tests ist nicht automatisiert, dauert lange und verursacht einen hohen manuellen Aufwand.

Die Infrastruktur hinkt hinterher

Nehmen wir an, das Unternehmen hat bereits einen Schritt in Richtung moderne Produktentwicklung getan: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten nicht mehr (nur) in Silos (mehr zu diesem Thema in “Mobilität digital denken #2”), sondern in crossfunktionalen Produktteams. Wenn wir solche Teams beraten, erleben wir oft die Suche nach geeigneten Meetingräumen und Arbeitsflächen. Das liegt daran, dass die Organisationsstruktur und die bauliche Situation nicht auf solche Teams vorbereitet sind. Räumlichkeiten, Hardware und Materialien müssen folglich von mehreren Teams geteilt genutzt werden. Crossfunktionale Teams finden kein Zuhause, in dem sie ihre Utensilien guten Gewissens liegen oder etwas an der Wand hängen lassen können. Das schadet der Produktivität und der Motivation.

Genau das gleiche gilt, gerade jetzt in Corona-Zeiten, für die digitale Zusammenarbeit. Oft erfolgt die Kommunikation bilateral über E-Mails oder in unübersichtlichen E-Mailverteilern (Stichwort: „Hallo zusammen“). Teams benötigen eine geeignete Kommunikationsinfrastruktur, um zusammenzuarbeiten. Das reicht beispielsweise von einfachen Kommunikationstools wie Slack bis hin zu digitalen Whiteboard-Lösungen.

Fördern statt hindern

Durch die Einführung von Scrum oder anderen agilen Ansätzen lösen wir die Infrastrukturprobleme nicht, sondern machen sie erstmal nur transparent. Wollen wir Mobilität digital denken und vermehrt Apps, Services und digitale Funktionen im Auto an den Kunden liefern, so müssen die Automobilhersteller massiv in die geeignete Infrastruktur für die Softwareentwicklung investieren, vor allem in die Automatisierungssoftware, nämlich für die kontinuierliche Lieferung (CD) und Integration (CI) sowie fürs Testen. Diese Softwarelösungen können ohne Probleme eingekauft werden. Für die Teammitglieder heißt es dann, sie richtig einzusetzen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und gute gemeinsame Entwicklungsmethoden (Pair-Programming, Testgetriebene Entwicklung (TDD) etc.) zu etablieren.

Kommunikation und Zusammenarbeit

Die Kommunikationstools haben wir schon angesprochen. Dafür werden vor allem Lizenzen gebraucht, aber auch geeignete Hardware, wie Kopfhörer und Mikrofone. Die sind vor allem für verteilte Teams, z.B. im Homeoffice, wichtig. Damit Produktteams aber auch vor Ort im Unternehmen crossfunktional zusammenarbeiten können, brauchen sie ein Zuhause. Die Teammitglieder sollten sich nicht selbst darum kümmern müssen, die besten Strukturen für sich zu finden und die nötigen Entscheidungen zu treffen. Es ist die Rolle des ScrumMasters, den geeigneten Rahmen Schritt für Schritt aufzubauen und das Team in die Produktivität zu führen.

Auch wenn immer mehr Unternehmen fixe personengebundene Arbeitsplätze abschaffen, benötigen die Produktteams eigene Räume, in denen sie spontan Meetings durchführen oder ihre Artefakte aufhängen können. Gemeinsam mit dem Management stellt der ScrumMaster sicher, dass das Team ausreichend geeignete und gut ausgestattete Arbeitsflächen und Meetingräume hat. Wenn die Flächen nicht für alle Teams ausreichen, ist eine mögliche Lösung, dass ein Team sich zu bestimmten Wochentagen vor Ort trifft und sich ansonsten auf die remote Zusammenarbeit von verteilten Arbeitsplätzen aus fokussiert.

Spezialfall Homeoffice in Corona-Zeiten

Wie verteilte Teams auch im Homeoffice gut zusammenarbeiten können, ist für uns bei borisgloger ein relevantes und erprobtes Thema (hier finden Sie ein Training dazu und hier unsere Remote-Expertise). Kollaborationstools und die notwendige Hardware brauchen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um im Kontakt zu bleiben – egal ob vor Ort im Unternehmen oder im Homeoffice. Wenn der physische Kontakt ganz wegfällt, dann brauchen Teams einen digitalen Teamraum, in welchem Artefakte, Informationen und virtuelle Meetingsräume ständig zugänglich sind. Ohne einen solchen Raum leidet die Transparenz und die Kommunikation selbst. Denn wenn es schwierig oder unmöglich ist, sich mit mehreren Teammitgliedern oder gar dem ganzen Unternehmen gleichzeitig auszutauschen sowie Informationen abzulegen und später nachzulesen, dann gehen diese Informationen verloren oder werden gar nicht erst mit allen geteilt. Außerdem müssen die Teammitglieder einfach und ständig kommunizieren und auch im Pair arbeiten können (z.B. mit MS Teams / Git).

Erfahren Sie mehr

Infrastruktur ist eine der sechs Ebenen in der agilen Transformation. Im ersten Teil der Blogreihe „Mobilität digital denken“ finden Sie die Beschreibungen aller sechs Ebenen. Im nächsten Teil geht es um Skills und Expertise.

Wenn Sie mehr über den borisgloger-Zugang in der Automobilbranche erfahren wollen, besuchen Sie unsere Branchenseite Automotive.

Bild: Pexels License, ThisIsEngineering

Geschrieben von

Michael Friedmann Michael Friedmann

Schon während seines Studiums hat Michael Friedmann in der Automobilindustrie umfassende Erfahrung im Innovationsmanagement, in der Produktentwicklung und in der Produktionslogistik gesammelt. Sein tiefgehendes fachliches Wissen in diesen Bereichen hat er mit viel interdisziplinärem  Know-how ergänzt, was ihn zu einem echten Teamplayer macht. Mit seiner Zielstrebigkeit und strukturierten Vorgehensweise ist Michael Friedmann ein Umsetzer, der andere in Prozessen gut anleiten kann. So wie beim Sport, den er selbst leidenschaftlich betreibt, hält er es aber auch mal als Zuschauer aus, der das Team im Hintergrund mit dem Beseitigen von Hindernissen unterstützt. Dabei bleibt er immer offen für aktuelle Entwicklungen und passt den Weg gegebenenfalls dynamisch an.

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