Lean Coffee – der Koffeinkick für Ihre Meetings

Morgens, halb zehn in Deutschland. Ein freundlicher Blick von Kollegen, ein leckerer Cappuccino und eine quadratische Waffel mit Milchcreme, Schokolade und Haselnüssen. Großartig – ich bin dabei!

Morgens, halb zehn in Deutschland. Für die meisten in den Büros zwischen Flensburg und Füssen bedeutet dies eher Regelkommunikation, Statusmeeting oder Abstimmungstermin. Im besten Fall gibt es eine Agenda, die dem Termin eine Struktur geben soll – ziemlich fremdbestimmt, aber immerhin. Im schlimmsten Fall gibt es keine Agenda, die Teilnehmer kommen unvorbereitet und einige sind erst Minuten nachdem die Türe geschlossen wurde wirklich präsent.

Wenn das die Realität ist, warum dann nicht damit umgehen? Warum nicht den Meetings eine Struktur, eine Agenda geben in dem Moment, in dem sie gebraucht wird? Zu Beginn! Lean Coffee bietet dafür ein großartiges Format: Einfach, pragmatisch und effektiv. Morgens um halb zehn, nachmittags um vier, am späten Abend, am frühen Morgen und jederzeit dazwischen.

Was Sie für ein effektives Kaffeekränzchen brauchen

Für ein Meeting im Lean Coffee Format benötigen sie nur Post-its, Stifte und einige Teilnehmer. Zuerst werden drei Spalten auf den Tisch gelegt. Links „Themen“, in der Mitte „In Diskussion“ und rechts „Erledigt“. Schon steht die äußere Struktur. Wie das Ganze noch besser geht, kommt in einigen Zeilen.

Im zweiten Schritt erhalten die Anwesenden fünf Minuten Zeit, um ihre Themen, die bei diesem Termin besprochen werden sollen, niederzuschreiben. Nach Ablauf der fünf Minuten werden diese Themen in die Spalte „Themen“ gelegt und nach Inhalten geclustert. Anschließend wird abgestimmt. Jede Person erhält fünf Stimmen und vergibt diese als Punkte (engl. Dot-Vote) auf die Themencluster. Nun werden die Themen oder Themencluster entsprechend der Anzahl der Punkte von oben nach unten in der Spalte „Themen“ priorisiert.

Diskutieren in der Timebox

Das wichtigste Thema wird anschließend direkt in die Spalte „In Diskussion“ gezogen und besprochen. Um die Diskussionen kurz zu halten, werden feste Zeiträume verwendet. Die erste Runde dauert acht Minuten. Nach Ablauf der acht Minuten stoppt der Moderator die Diskussion und fragt, ob noch weitere Zeit benötigt wird. Die anwesenden Personen entscheiden per Mehrheitsentscheid – Daumen hoch oder Daumen runter (engl. Roman-Vote). Senkt die Mehrheit den Daumen, dann ist die Diskussion zu dem Thema beendet und das Post-It wandert in die Spalte „Erledigt“. Gehen die Daumen der Mehrheit nach oben, gibt es Zusatzminuten – nämlich vier. Nach den vier Minuten wird die Prozedur wiederholt und es werden noch zwei Minuten, eine Minute und… dann hoffe ich für Sie, dass die Diskussion ein Ende findet.

Die Unterbrechung der Diskussion nach Ablauf der Timebox ist der kritischste Moment beim Meeting im Lean Coffee Format. Respektieren Anwesende die Timebox nicht, sprechen weiter, möchten nur noch diesen einen letzten Aspekt einbringen, dann verliert das Format seine Kraft und seine Effektivität. Diese wenigen Sekunden Selbstdisziplin sind die neuralgischen Momente, in denen sich entscheidet, ob das Lean Coffee in ihrem Team ein Erfolg wird oder ob es wie bisher weitergeht.

Persönlich finde ich das Lean Coffee Format super! Richtig gut wird es, wenn noch zwei weitere Spalte hinzukommen: „Aha-Effekte“ und „Aufgaben“. Diese beiden Spalten werden mit etwas Abstand rechts von „Erledigt“ angefügt. In „Aha-Effekte“ kommen die neuen Erkenntnisse, die Geistesblitze und neuen Perspektiven, die sich während des Austauschs ergeben haben. Und wenn Aufgaben entstehen, finden diese ihren Platz in To-Dos.

Ein Format, das alle einbezieht

Auf den ersten Blick ist es bereits ein tolles Format. Wenn man noch tiefer blickt, entfaltet es seine wahre Schönheit. Alle Teilnehmer werden gehört, Hierarchiestufen werden aufgehoben, Beiträge kommen gleichermaßen von extrovertierten Personen wie introvertierten, es spielt keine Rolle, ob die Person ein Junior ist oder bereits viele Jahre Berufserfahrung hat, und wortstarke Personen haben keinen Vorteil gegenüber denen, die eher leise Töne anschlagen. Allein die Qualität und Relevanz der Beiträge ist entscheidend und das Team erhält ein großes Stück Selbstorganisation und Demokratie. Gleichzeitig können Führungskräfte (lateral wie funktional) trotzdem Themen, die ihnen wichtig sind, einbringen. Die Spalte „In Diskussion“ trägt dazu bei, den Fokus zu halten. Das aktuelle Thema ist transparent und plakativ, wodurch abschweifende Diskussionen leicht identifiziert werden können. Und am Ende des Termins kann über ein Foto sehr schnell protokolliert werden. Testen Sie hierzu die kostenlose App „Office Lens“ von Microsoft. Diese App bearbeitet die Bilder automatisch auf optimale Lesbarkeit und schneidet sie entsprechend zu.

P.S.: Lassen Sie uns wissen, wie das Lean Coffee bei Ihnen aussieht. Für die ersten fünf Posts auf den Accounts von borisgloger bei Facebook oder Twitter oder per Mail mit einem Bild von Ihrem Lean Coffee gibt es eine kleine Überraschung und diese quadratischen Waffeln mit Milchcreme, Schokolade und Haselnüssen.

Geschrieben von

Matthias Rodewald Matthias Rodewald In seiner Freizeit beschäftigt sich Matthias Rodewald leidenschaftlich gerne mit Permakultur. Dazu muss man ein Gespür für die Zusammenhänge und Vorgänge in einem System haben und für die Momente, in denen man eingreifen oder das System „selber machen lassen“ muss. Als Betriebswirt denkt Matthias Rodewald natürlich ökonomisch, wägt Risiken und Chancen von Maßnahmen ab, denkt in Mehrwerten – und achtet trotzdem darauf, dass der einzelne Mensch gestärkt aus der Zusammenarbeit hervorgeht. Wandel ist für Matthias Rodewald ein Ausdruck von Lebendigkeit, der in menschlichen Systemen ein kräftiges „Warum“ braucht. Diese Frage traut sich Matthias Rodewald zu stellen, um den Mut und die Kraft zur Veränderung in die richtigen Bahnen zu lenken.

TEILE DIESEN BEITRAG

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email