Wie wird geschätzt, wenn alle remote vor ihrem Notebook sitzen?

Über den Sinn und Unsinn des Schätzens im agilen Arbeiten bzw. überhaupt lässt sich vortrefflich streiten. Dies soll aber nicht Teil dieses Blogs sein. Ich setze einmal voraus, dass ihr wisst, worum es beim Schätzen geht und jetzt vielleicht überlegt, wie ihr es remote umsetzen könnt. Auch beim Remote-Schätzen ist die Voraussetzung ein priorisiertes Backlog mit User Stories, die die Definition of Done erfüllen (wenn ihr keine habt, findet ihr hier einen Hinweis zur DoD).

Ihr habt zwei Möglichkeiten:

Schätzen mit Timer

  • Wenn ihr über Skype, Teams, Slack oder Ähnliches verfügt, sollte euch der Product Owner die User Stories aus seinem Backlog (MS Planner, JIRA etc.) vorstellen.
  • Ihr könnt gemäß der unreinen Fibonacci-Reihe (1,2,3,5,8,13,20,40,100) eure Schätzung gleichzeitig im Chat abgeben. Stellt hierzu einen Timer auf 10 Sekunden. In dieser Zeit könnt ihr eure Schätzung eintragen.
  • Sobald der Timer abgelaufen ist und das Signal ertönt, drückt ihr gleichzeitig auf Enter. So habt ihr einerseits die Schätzung dokumentiert, seht aber auch schwarz auf weiß, wenn es unterschiedliche Werte gibt.

Magic Estimation Remote

Wenn ihr Magic Estimation einsetzen wollt, ist auch das remote möglich – allerdings ist es etwas aufwendiger.

  • Zunächst bereitet ihr eine PowerPoint vor, in der ihr die Werte der unreinen Fibonacci-Reihe eintragt (1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100). Diese fungieren später als Trennfolie zwischen den einzelnen User Stories. Entweder habt ihr diese schon als PowerPoint abgespeichert, oder ihr müsst diese aus JIRA (bzw. dem Tool, das ihr benutzt) in eine PowerPoint kopieren. Wichtig: pro User Story eine Folie.
  • Nachdem sich euer Team in diese PowerPoint-Datei eingeloggt hat (Voraussetzung: Ihr könnt parallel darauf zugreifen), verteilt ihr wie beim analogen Magic Estimation die User Stories gleichmäßig an die Teammitglieder.
  • Nun legt ihr eine Referenz-User-Story fest und dann geht es in die erste Runde.
  • Die Teammitglieder verteilen (ohne Kommunikation) ihre User Story zwischen den Trenn-Slides.
  • In der zweiten Runde verschieben die Teammitglieder die User Stories, die sie anders einschätzen und versehen dabei das Slide mit ihrem Kürzel, um diese zu markieren.
  • Im Anschluss wird über alle Slides, also User Stories, die gewandert sind, nochmal diskutiert.
  • Ist auch diese Runde abgeschlossen, habt ihr ein geschätztes Backlog, das vom Product Owner wiederum in die priorisierte Reihenfolge gebracht wird. (Randnotiz: In diesem Zusammenhang bietet es sich an, das Backlog in Powerpoint zu pflegen, um den copy&paste-Aufwand möglichst gering zu halten).

 

Tipp: In Kürze werden wir das Training „Remote Collaboration for Agile Teams“ anbieten, um den Change zur langfristigen Remote-Arbeit so einfach wie möglich zu gestalten. Wenn du informiert werden möchtest, sobald wir mit den Vorbereitungen dafür fertig sind, trage dich gleich jetzt in die Liste ein!

Geschrieben von

Moritz Müller Moritz Müller Für Moritz Müller ist Agile das erste Konzept, in dem das Lernen aus Fehler nicht nur eine leere Worthülse ist, sondern tatsächlich eminenter Bestandteil. Er ist der Ansichtdass eigentlich alle Menschen nach diesem Ansatz arbeiten sollten – gemeinsam im Team unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten, eigenverantwortlich und selbstorganisiert. Seinen Schwerpunkt als Consultant sieht er daher auch im Empowerment der Mitarbeiter und Kunden.  Moritz Müller hat Freude daran, Menschen zu befähigen, sich weiterzuentwickeln. Sein besonderes Interesse gilt dabei der öffentlichen Verwaltung, in der er großes Potenzial für die Einführung von agilen Methoden sieht. Der Veränderung begegnet er selbst zunächst zurückhaltend, weil er sich gerne erst einen Überblick verschafft. Durch diese reflektierte Herangehensweise gelingt es ihm, sich und seine Umgebung auf das vorzubereiten, was kommt.  

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