Aus dem Schock ins Tun kommen – mit 12 Inspirationen den IPCC Report verarbeiten

Vor knapp acht Wochen sind wir in einer neuen Welt aufgewacht. Krieg in Europa. Was wir erleben, ist eine nervenaufreibende und entmutigende Situation auf der einen Seite. Aber wir erleben auch: Wir haben das Gewicht einer ganzen europäischen Union. Und wenn wir geeint reagieren, reagieren wir stark.

Eine der vielen Push-Nachrichten, die uns in jener Woche auch erreichten, war: der neue IPCC-Bericht, der am 28. Februar 2022 das erste Mal seit 2014 veröffentlicht wurde. Darin werden die Anfälligkeit sozioökonomischer und natürlicher Systeme für den Klimawandel bewertet. Dabei werden jeweils drei Teilbereiche untersucht: Vulnerabilität, Auswirkung und Anpassung.

Waren wir im Januar noch überzeugt, dass wir die wichtigen Kipppunkte verhindern können, wissen wir heute, dass manche bereits erreicht wurden. Ehrlicherweise sind wir ziemlich deprimiert über diesen Report. Wir haben aber beschlossen, möglichst schnell vom Schock ins Tun zu kommen. Wir gehen es auf drei Ebenen an: der persönlichen, der Geschäftsmodell- und der Ökosystemebene. Für jede davon haben wir vier Impulse gefunden.

Agile Sketch von Lucia Stiglmaier. Agile Sketching ist eine Visualisierungstechnik, die jede:r lernen kann.

4 Inspirationen auf der persönlichen Ebene –  auf dem Weg zum Climate Ranger

  1. Mit welchem oder welcher Kolleg:in könntest du heute ein Gespräch über den IPCC Report führen? Könnt ihr einen nächsten Schritt daraus ableiten? Könntet ihr es z. B. zum Thema in eurem Team-Meeting machen?
  2. Welche Wirkung hat deine aktuelle Erwerbstätigkeit auf den Klimawandel? Ist das Feld, in dem du tätig bist, eine klimafreundliche Branche?
  3. Hast du dich schon damit auseinandergesetzt, welche Auswirkungen dein Konsum, dein Beruf oder deine Lebensweisen auf das Klima haben? Wir haben damit begonnen, unseren Blick auf Mobilität und Lebensmittel zu richten.
  4. Wo kannst du heute schon Felder identifizieren, in denen du klimafreundlicher leben kannst? Boris etwa testet gerade das Konzept der solidarischen Landwirtschaft und schreibt hier darüber.

4 Inspirationen auf der Geschäftsmodellebene – auf dem Weg zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell

  1. SDG-Produkt-Check: Kund:innen, Mitarbeiter:innen & Umwelt. Untersucht euer Produktportfolio. Auf welche Sustainable Development Goals zahlt euer Produkt ein?
  2. Sustainability-Framework-Entwicklung: Um alle Säulen der Nachhaltigkeit (E–S–G) auf gleicher Ebene zu behandeln, haben wir ein Canvas entwickelt, dass euch durch die Erstellung eines solchen Frameworks leitet.
  3. Wie könnt ihr gemeinsam und partizipativ eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln, die alle einbezieht und die bestehenden Silos überwindet? Gute Erfahrungen haben wir mit kollektiven Lernreisen gemacht, in denen Vertreter:innen aus allen Bereichen im Thema Nachhaltigkeit geschult werden und das Wissen direkt mit den Expert:innen des Unternehmens anwenden. Der IPCC Report kann dazu als Grundlage dienen.
  4. Habt ihr euch einmal Gedanken darüber gemacht, was der größte Hebel in eurem Unternehmen ist? Bei Banken lohnt sich beispielsweise der ehrliche Blick ins Portfolio. Bei produzierenden Gewerben entscheidet der Anteil an Kreislaufwirtschaft im Produktlebenszyklus. Fragt euch auch, wie euer Unternehmen heute schon eine Rolle beim Ausbau von erneuerbaren Energien einnehmen kann (Beispiele und Vorschläge gibt es hier).

4 Inspirationen auf der Ökosystemebene – auf dem Weg zu Win-Win-Lösungen

  1. Habt ihr euch schon einmal überlegt, ob sich euer Unternehmen in den Dienst einer größeren Sache stellen kann? Welche wäre das?
  2. Vor welchem Problem steht deine komplette Branche und wie könnte das gemeinsam gelöst werden? (Thinking Circles)
  3. Welche eurer Partnerunternehmen oder Netzwerke stellen Klimaschutz in den Fokus ihrer Aktivitäten und Geschäftsmodelle? Wie könnt ihr die Beziehung und Zusammenarbeit mit ihnen stärken? Welche neuen Dienstleistungen oder Produkte könnten daraus entwickelt und getestet werden, um wiederum nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln?
  4. Lernreisen zu Pionieren: Von welchen Unternehmen und Netzwerken, die bereits vorbildlich agieren, könntet ihr für euer Unternehmen am meisten lernen? Auf welche Weise können die Erkenntnisse und Begegnungen für dein Unternehmen nutzbar gemacht werden?

Und was jetzt?

Damit dieser Text seine Wirkung entfachen kann und es nicht bei ein paar Gedanken bleibt, schlagen wir vor, dass du dir eine der drei Ebenen vornimmst und uns deine Antworten direkt schreibst. Wir freuen uns, von deinen konkreten Herausforderungen und positiven Beispielen zu hören, wo es dir oder deinem Unternehmen bereits gelingt, aktiv zu werden.

Für uns ist klar, dass die Antworten immer spezifisch im jeweiligen Kontext und Unternehmen gesehen werden müssen. Gleichzeitig sehen wir, wie wichtig es ist, jetzt auch unternehmensübergreifend voneinander zu lernen und Synergien zu bündeln, um die benötigte Transformation einzuleiten.

Titelbild: Casey Horner, Unsplash

Geschrieben von

Benedikt Drossart Benedikt Drossart Benedikt ist überzeugt, dass unternehmerischer Erfolg in Zukunft vor allem daran gemessen wird, welchen Beitrag Unternehmen zu einer lebenswerten Welt leisten. Als Berater unterstützt er Organisationen bei der Entwicklung nachhaltiger – im besten Fall sogar regenerativer – Lösungen sowie beim Umgang mit Komplexität und dynamischen Umwelten. Schon vor seinem Start bei borisgloger gründete er ein Nachhaltigkeits-Start-up, entwickelte und implementierte Nachhaltigkeits- und Entwicklungsstrategien für Organisationen und begleitete Unternehmen in ihrer eigenen Transformation. Heute folgt er seiner Vision, die Energiewende in Deutschland schneller voranzubringen. Was ihm dabei zugutekommt, ist sein systemischer Blick fürs Ganze sowie seine Fähigkeit, Synergien zu erkennen und Prozesse in wirksame Bahnen zu lenken. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner vierköpfigen Familie. Ansonsten saust er auch gerne mit dem E-Lastenrad durch Bremen, wenn er gerade nicht an seinen Liedern schreibt oder neue Orte in der Natur erkundet.

Teammitgliedsprofil

Lucia Stiglmaier Lucia Stiglmaier Für Lucia Stiglmaier ist klar: Wenn wir als Gesellschaft so etwas Großes und Komplexes wie die Klimaziele erreichen wollen, sind gebündelte und zielgerichtete Bewegungen notwendig. Als Agile Coach und ScrumMaster unterstützt sie Teams und Organisationen im Finance-Sektor dabei, komplexe Vorhaben mit Hilfe von agilen Arbeitsweisen umzusetzen. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, Banken und Finanzinstitutionen auf dem Weg in die ganzheitliche, nachhaltige Transformation zu begleiten. Lucia ist Agilistin aus Leidenschaft. Sie begeistert mit ihrer Kreativität und radikalen Kundenorientierung. Ihre Erfahrungen rund um Agilität sammelte sie in Großbanken und Finanzbereichen sowie in der Software-Branche. Sie setzt auf klare Strukturen und Verbindlichkeit, damit Teams, Abteilungen und Organisationen schnell und direkt ins Machen und Experimentieren kommen und dabei ungekannte Potentiale heben. In ihrer Rolle als Beraterin, Coach und Trainerin unterstützt sie Teams und Führungskräfte auf dem Weg in die Transformation und nutzt dabei Elemente aus Scrum, Kanban, Design Thinking, Großgruppen-Facilitation, Remote-Facilitation und verschiedener Skalierungsframeworks.

Teammitgliedsprofil

TEILE DIESEN BEITRAG

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email